Stadttour

Verliebt in Bamberg

Geschrieben am Dienstag, Mai 15, 2012 - 14:43

Längst leben sie getrennt, dennoch ist er in Bamberg geblieben. Schon lange verliebt in die Stadt. Er arbeitet jedoch nicht mehr als Lehrer und auch nicht mehr als Radioreporter, sondern als Gastführer. Bamberg ist nämlich eine verwunschene, schöne, spätmittelalterliche Stadt, in der offenbar nur noch mehr Gastwirte als Gastführer leben. Ständig begegnen uns in der Altstadt Besuchergruppen aus aller Welt. 

Heute führt Berkenkamp durch das märchenhafte Bamberg, "BamBerks" Geschichten nennt er das (www.bamberk.de). Er erzählt von Kaiser Heinrich II, der seiner Gemahlin ein "stattliches Geschenk" machte - diese ganze Stadt. Vom Schleier jener Kunigunde, die Bamberg, so die Legende, vorm Bombardement der Amerikaner im 2. Weltkrieg verschonte. An diesem Punkt, erzählt unser Erzähler schmunzelnd, würden sich die Army-Veteranen unter seinen amerikanischen Gästen immer lautstark wehren und behaupten: "... wir hätten doch niemals eine Stadt mit 19 Brauereien zerstört..." Berkenkamp berichtet dann vom Dom, den Heinrich und Kunigunde errichten ließen, obwohl es noch gar kein Bistum gab. Vom alten Rathaus, das die schlauen Bamberger auf einer künstlichen Insel in der Pregnitz platzierten, weil ihr Fürstbischof verboten hatte, es "auf meinem Land" zu bauen. Von Karl Theodor, dem zur Guttenberg, der ebenso von hier komme wie das Sams. Also zweien, die's mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, um sich Wünsche zu erfüllen...

Nach dem ausführlichen Rundgang sitzen wir mit Berkenkamp im 1405 gegründeten "Schlenkerla", der zweitältesten der neun noch aktiven Bamberger Brauereien. Es gibt ein großzügig eingegossenes, dunkles Hefebier mit rauchigem Geschmack und dazu wird ein "Schäuferla", eine in Biersoße geschmorte Schweinschulter mit krosser Kruste und Kloß serviert. Und irgendwie hört man Bamberg dabei leise flüstern: "Du bleibst besser hier".

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Autor:
Hansjörg Falz