Vom Erdbeben zerstört

Christchurch

Geschrieben am Mittwoch, Juli 16, 2014 - 10:30

Viele Reisende hatten mir von einem Besuch der Stadt Christchurch in Neuseeland abgeraten. Seit dem Erdbeben 2011 sei sie noch immer furchtbar zerstört. Ich möchte die Stadt dennoch sehen.

Den ersten Eindruck bekomme ich, als ich das mit dem Auto durch die Stadt fahre. Stellen die vielen Einbahnstrassen ohnehin schon eine Herausforderung dar die gesuchte Adresse zu finden, bilden die zahlreichen Straßensperrungen aufgrund von Baustellen das nächste Level. Über viele Umwege finde ich schließlich meinen Weg und entdecke viel Kunst. Die Stadt versucht bunter zu werden. An jeder Ecke findet man moderne Straßenkunst, angesprayte Häuser und selbst die Bauzäune sind von Kunst verdeckt.

Die Kathedrale in Christchurch ohne Turm
Anna Albrecht
Bei meinem Spaziergang durch die Stadt komme ich an der ehemaligen Kathedrale vorbei. Bei dem starken Hauptbeben 2011 stürzte der Turm der neugotischen Kirche ein, bei Nachbeben gingen Fenster zu Bruch und die Kathedrale erlitt so große Risse, dass sie bis heute nicht begehbar ist.
Der japanische Architekt Shiguri Ben bot an, der Stadt eine neue Kathedrale aus Karton zu bauen, so wie er es 1995 schon nach dem Kobe Erdbeben getan hatte. Zwei Jahre später wurde die neue Kathedrale Wirklichkeit, hier werden heute die Gottesdienste abgehalten. Mit ihrer Einfachheit beeindruckt sie mich. Christchurch versuchte nach dem Erdbeben schnell wieder einen Weg in die Normalität zu finden und fand pragmatische Lösungen.

So auch in der Innenstadt: Die Ladenbesitzer wussten sich zu helfen und statt eines typischen Einkaufszentrums, finden sich heute viele kleine Läden in Schiffscontainern wieder, die zu Geschäften umgebaut wurden und eine weitere Touristenattraktion bilden. Im ehemaligen Künstlerviertel stehen noch einige alte englische Häuser und man kann sich vorstellen, wie schön, aber vor allem anders Christchurch vor drei Jahren noch ausgesehen haben muss.

Anna Albrecht
Selbst die Bauzäune in Christchurch dienen als Kunstwände
Die Ausmaße des Bebens lassen sich am besten von einem nahegelegenen Huüel beobachten. Es ist ein seltsames Bild: Eine Großstadt mit nur einer Hand voll Hochhäusern, welche alle im Zentrum stehen. Alle anderen Hochhäuser mussten abgerissen werden und zwei stürzten während des Bebens ein und rissen 185 Menschen in den Tod.
Es dauert sicherlich noch einige Zeit, bis auch die letzten Baustellen aus der Stadt verschwunden sind, doch auch nach dem Beben lassen sich schöne Orte finden, die es zu erkunden gilt.
 
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