Nevada Shows in Las Vegas

Für die freien Tage im Leben des Christian Garmatter gibt es in Las Vegas eine eigene Bezeichnung. Dienstag und Mittwoch jeder Woche sind "dark". Das heißt: Die Bühne bleibt dunkel, die Show macht Pause. Tatsächlich bedeutet es oft genug ebenso: auch zu Hause die Vorhänge zuziehen, das gleißende Sonnenlicht töten, nichts sehen, nichts hören, nur schlafen. Oder: endlich mal einkaufen und überfällige Rechnungen bezahlen. Oder: rausfahren, in die Wüste, schön einsam sein. Auf jeden Fall: weg von den Lichtern, weg von der Welt, die für Millionen Besucher das reine Vergnügen, aber für die, die dort leben, harte Arbeit darstellt. Rund 700 Tänzer und Tänzerinnen sind am Strip beschäftigt, Christian Garmatter, 25, Deutscher, ist einer von ihnen.

Der Berufsalltag eines Profitänzers ist nirgendwo ein Spaziergang, in Las Vegas ist er ein Marathon. Die Nachfrage regelt das Angebot, mehr als 38 Millionen Menschen im Jahr wollen unterhalten sein, jede größere Show wird zweimal am Abend aufgeführt. Christian Garmatter tanzt in einer der größten, vor 4000 Gästen allabendlich in der jüngsten Las-Vegas-Produktion des Cirque du Soleil: "Love", ein 90-Minuten-Spektakel, inspiriert von der Geschichte der Beatles. Man hat dafür ein eigenes Theater im Mirage-Hotel gebaut, eine 360-Grad-Hightech-Bühne mit 12.000 Lautsprechern für den optimalen Hörgenuss. Der ehemalige Beatles-Produzent George Martin hat die Musik arrangiert, und zur Premiere im Juni 2006 reisten die Überlebenden der berühmtesten Band der Welt vollzählig an: Yoko Ono, Olivia Harrison, Ringo Starr, Sir Paul McCartney. Christian Garmatter hat letzterem die Hand geschüttelt. "Ja", sagt er. "Na und?"

Christian Garmatter ist Breakdancer und zwar einer der besten, deswegen ist er da, wo er jetzt ist. In Las Vegas, mit einer Truppe von 69 Artisten, Schauspielern, Tänzern aus aller Herren Länder. Christian Garmatters erste Ausbildungsstätte war ein Jugendzentrum in Brandenburg an der Havel. Im deutschen Osten ist er aufgewachsen, seine Eltern und seine Geschwister leben immer noch dort. Jeden Tag nach der Schule hat er mit ein paar anderen B-Boys, also Breakdancern, im "Club am Turm" "Swipes", "Handglides", "Headspins" geübt, er lernte auf den Händen zu springen und sich auf dem Kopf zu drehen.

Die Stationen seiner Karriere erzählt der drahtige Brandenburger so unaufgeregt, als sei es das Selbstverständlichste, dass eine jugendliche Freizeitbeschäftigung ziemlich direkt auf eine Show-Bühne der Unterhaltungshauptstadt der Welt führt. Er hat in Berlin im Friedrichstadtpalast getanzt und war Teil des "Renegade Theatre" - ein HipHop-Tanztheater, das mit einer Adaption von "Romeo und Julia" 2004 mehrere internationale Preise gewann. Unter anderem auf dem Fringe-Festival in Edinburgh. Dort haben ihn die Talentsucher des Cirque du Soleil entdeckt, haben ihn zum Vortanzen eingeladen, mehrfach. Aber er wollte nicht. Er hatte schließlich genug zu tun, und er wusste auch nicht, wer ihn da fragt. Die Show-Giganten aus Kanada, die das Unterhaltungssegment in Las Vegas neu definiert haben, fünf permanente Cirque-Shows kann man am Strip besuchen, mindestens zwei weitere sind in Vorbereitung. Christian Garmatter, den in der HipHop-Szene alle "Sancho" nennen, haben sie mehrmals angerufen und schließlich hat er doch zugesagt. Für ein Engagement in Las Vegas, zwei Jahre. "Dachte mir, das ist halt auch mal eine Erfahrung", sagt er lapidar.

In den Staaten war er vorher noch nie gewesen, jetzt lebt er seit fast zwei Jahren hier, aber was heißt das schon. In der fünfmonatigen Probenzeit vor der Premiere hat er 15 Stunden am Tag trainiert, und das sieben Tage die Woche. "Danach kann dich nichts mehr schocken." Jetzt, da das Stück seit über einem Jahr läuft, hat sich hinter der Bühne eine lässige Routine breitgemacht. Im Aufenthaltsraum der Künstler hängen ein paar stattliche junge Männer auf einem Sofa herum und kommentieren lachend eine Video-Aufzeichnung ihrer halsbrecherischen Sprünge und Salti in der Show. Man begrüßt sich mit betont legerem Handschlag, zwei Stunden vor dem Beginn der ersten Aufführung ist von Nervosität wenig zu spüren.

Wenn sich allerdings im Auditorium das Licht verdunkelt und die Musik aus der Anlage dröhnt, ist sie jeden Abend da, die hundertprozentige Anspannung. Garmatter hat viele Auftritte in der 90-Minuten-Tour-de-Force und gegen Ende zur Krönung ein Breakdance-Solo. "Jede Show ist eine Herausforderung", sagt er und wirkt dabei plötzlich sehr ernst. Der verstärkte Einsatz fordert seinen Tribut. Gerade gegen Ende der Arbeitswoche, wenn jeder müde ist und alle Knochen schon weh tun, müsse man aufpassen, dass man sich nicht gegenseitig anmotze. "Es ist halt wie in einer Firma." Nur krank feiern ohne Grund, das tut hier keiner. Garmatter hat sich im Laufe seines Engagements das Handgelenk gebrochen, Bänder gerissen und ein Stück vom Meniskus. Zeit, sich wirklich auszukurieren hat man in einem Theater ohne Ferien nicht.

Dafür lebt er ganz gut hier, hat ein Haus mit Pool und eine Freundin gefunden, die auch Tänzerin ist in der Show. Wenn seine Eltern ihn besuchen kommen, strahlen sie vor Stolz. Ihr Sohn hat für Tom Cruise getanzt, für Eddie Murphy, Michael Jackson, Prince und Nicole Kidman. Sie alle haben ihm applaudiert. "Dass solche Leute mir zuschauen und nicht ich ihnen, das ist schon cool." Doch sein Ehrgeiz ist ein anderer. Der B-Boy aus Brandenburg will kein Zahnrad sein in einem Unternehmen, das perfekt inszenierte Träume verkauft. Über diese Zwischenstation in der Wüste Nevadas zieht er schon jetzt, elf Monate bevor sein Vertrag abläuft, ein ernüchterndes Resümee: "Die Stadt ist ein Riesenspielplatz für Erwachsene, und der Cirque, das sind verrückte Leute in lustigen Kostümen und irgendeine Story drumherum." Im "Love"-Programm ist Christian Garmatter abgebildet wie ein Vorzeige-Schüler. Darunter steht "Lover". Doch er will lieber "Sancho" sein. Und als Sancho ist er Mitglied der "Full Force Crew", einer hiesigen Breakdance-Truppe. Und wenn er sagt: "Ich will wieder mehr meine eigenen Sachen machen," dann meint er vor allem trainieren für Wettbewerbe, die sie "Battles" nennen. Sich auf dem Kopf drehen vor fachkundigem Publikum. Es wird sich vielleicht wieder ein bisschen mehr anfühlen wie früher im "Club am Turm".

Mit dem Strippen hat in Las Vegas niemand ein Problem

Für Isabella Rosadebusa ist mittwochs Waschtag. Es gibt viele kleine Teile zu säubern und zu bügeln, Isabella ist verantwortlich dafür, dass alles sitzt in der Show. Mit zarten 18 Jahren ist sie "Production Managerin" und Tänzerin und Akrobatin in der Show "Ooh La La" im Hotel Paris. Man hört den Stolz mitklingen in ihrer jungen Stimme, wenn sie das sagt. Auf einem zerschlissenen Sofa liegen ordentlich aufgereiht kurze Röcke, Korsagen, BHs. Vieles davon ist vor allem dazu da, ausgezogen zu werden. Eine alte Tradition in der Stadt, seit 1957 tanzen Damen oben ohne am Las Vegas Boulevard, 17 verschiedene Revues stehen dem interessierten Zuschauer derzeit zur Auswahl. "Ooh La La" nimmt sich im Vergleich zu anderen eher bescheiden aus. In einem Mehrzwecksaal des Hotels, wie er andernorts traurige Vertreterkonferenzen beherbergt, rücken die Showgirls vor dem Einlass selber die Stuhlreihen zurecht. Wenig später füllt sich der Saal mit einem Publikum, das in seiner Mischung so wirkt, als hätte man es wahllos auf der Straße eingefangen. Wohlbeleibte Ehepaare, Familien mit pubertierendem Punker-Nachwuchs, ein paar geifernde Senioren, noch nicht mal ein betrunkener Betriebsausflug. Isabella zuckt mit den Schultern. "Man sieht sie nicht, wenn man auf der Bühne steht. Das Licht blendet sie weg."

Isabella hingegen ist gut zu sehen, wenn sie über den Köpfen der Zuschauer aufgestrapst in einem silbernen Reifen turnt. Sie ist, und der Eifer beim Sprechen wird stärker, in der Show mehrfach gefordert, arbeitet nicht nur als Mädchen für alles, sondern als zweite Besetzung für die Akrobatik-Nummern und als Tänzerin in der Late-Night-Show. Und: Sie ist stolz, dass sie es in jungen Jahren schon so weit gebracht hat. Es sei nicht leicht, ein Showgirl in Vegas zu werden. Isabella kennt die Anforderungen des Berufsbilds schon länger, ihre Mutter hat ebenfalls auf den Bühnen der Stadt getanzt. Im Rio, im Stardust, im Tropicana, in Shows, bei denen der Federschmuck fast größer war als die Damen, die ihn trugen. Isabella ist im Scheinwerferlicht aufgewachsen, sie ist ein "backstage baby", wie sie selber lachend sagt, und seit sie denken kann, wollte sie auf einer Bühne stehen.

Isabella arbeitet am eigenen Weg ins Rampenlicht mit einer zielgerichteten Disziplin, die manche Jura-Studentin erblassen ließe. Während der Schule hat sie Wettkampfgymnastik betrieben, fünf Stunden am Tag trainiert, im August wird sie Bewegungslehre studieren und weiter sechs Tage die Woche ihrem Dreifachjob bei "Ooh La La" nachgehen. Sie sagt dazu nur knapp: "Ich bin es gewohnt, sehr beschäftigt zu sein."

Die Freuden eines lockeren Jung- Mädchen-Daseins scheinen ihr nicht groß zu fehlen. Ihre Freundinnen jobben bei Starbucks, sie tanzt oben ohne am Strip, wenn es die knappe Zeit erlaubt, gehen sie zusammen ins Kino. Alle schätzen ihre Leistung, mit dem Strippen hat in Las Vegas niemand ein Problem. Einen Kerl, der ihr eifersüchtig den Spaß am öffentlichen Ausziehen verleiden könnte, hat sie nicht, die erfahrene Mutter, mit der sie täglich telefoniert, mahnt außerdem zur Vorsicht. Die meisten Jungs wollten nur mit Showgirls ausgehen, um angeben zu können, habe sie ihr erzählt. Sie pflegt sich lieber für den eigenen Marktwert. "Natürlich", sagt sie fast entrüstet, "muss man ein gewisses äußerliches Erscheinungsbild aufrechterhalten." Regelmäßige Friseurbesuche, Enthaarung, Maniküre, Pediküre, Sonnenstudio, tägliches Work-Out, das sind ihre Investitionen, damit der Reifen, an dem sie noch im Nebenraum des Paris turnt, bald schon höher hängt. Am liebsten würde sie ganz oben schweben, in einem Theater des Cirque du Soleil. Dort wo ein junger Breakdancer aus Brandenburg seine Kunst nicht wiederfindet, wäre Isabella Rosadebusa aus Downtown Las Vegas vielleicht schon froh, dass sie dann beim Turnen immer ein Oberteil trägt.

Davey Hughes zeigt seine Brust immer wieder gerne und aus vollster Überzeugung. Und nicht nur das. Strotzend vor Virilität, mit entschlossenen, schnellen Handgriffen, reißt er sich in neunzig Minuten mehrmals Hemd oder Hose vom Leib. Zwischendrin klopft er breit grinsend Sprüche der Kategorie: "What's the difference between a french kiss and an australian kiss? Australians do it down under!" Aber eigentlich ist es egal, was Davey sagt oder tut, die Damen im Publikum kreischen sowieso. Davey ist 28, Australier, und Teil einer wohl geformten Truppe, die sich "Thunder from Down Under" nennt. Ein Männerstrip-Vergnügen, das dessen Manager Adam Steck streng als "Male Revue Show" bezeichnet haben will. Davey grinst, das tut er gerne: "Zu meiner Mutter sagen sie zu Hause in Sydney: Dein Sohn ist ein Stripper. Und sie antwortet immer: Nein, er ist ein Tänzer. Aber, hey, ich zieh' mich gerne aus." Es kann so falsch nicht sein, hat sich Davey vor sieben Jahren gedacht, der große Bruder macht es schließlich auch. Adam Hughes tourte damals mit den leicht bekleideten Kollegen durch Australien, er war Daveys großes Vorbild. Jetzt sind sie beide braun gebrannte Stars der Bühnenshow, die in Las Vegas eine feste Heimat gefunden hat. Es könnte schöner nicht sein, findet Davey, er hat ein eigenes Haus, das Fitness-Studio ist direkt um die Ecke, und der Job, hey, kann man sich einen besseren vorstellen? "Ich bekomme Geld dafür, mich vor Frauen auszuziehen. Wenn ich einen Knopf öffne, quietschen 500 Ladys vor Begeisterung. Davon träumt doch jeder Mann."

"Wie eingesperrt im Paradies"

Im Backstage-Raum der Männerpuppen, die täglich im Excalibur-Hotel tanzen, wird das Geld der letzten Show gezählt. Das Zimmerchen ist noch kleiner als Isabella Rosadebusas Wäschekammer. Doch die Australier haben sich über Las Vegas hinaus einen Namen gemacht, sie waren auf MTV und CNN zu sehen, eine Zweitbesetzung der achtköpfigen Truppe tourt regelmäßig durch die Staaten. Bei über 100 Shows jeden Abend, gegen die man in der Stadt antreten muss, braucht man Einzigartiges, um sich abzuheben.

Es ist der Exotencharme, der die Damen zum Kochen bringt, da ist sich Manager Steck ganz sicher. "Unsere Jungs sind 100 Prozent Australier." Die reden nicht nur anders, sondern lassen amerikanische Kollegen auch sonst ziemlich lahm aussehen, wenn sie über die Tische des tobenden Theaters tanzen, dabei mit dem Hintern wackeln, und gleichzeitig suggerieren, sie könnten auch Krokodile per Handschlag erlegen.

Sich andere Städte, Kontinente, Kulturen einzuverleiben, das ist beste Las Vegas Tradition. Arc de Triomphe, Venedig, altes Rom, Eiffelturm, Ritterburg, Freiheitsstatue und Pyramide, die Welt im Disney-Format prägt zu weiten Teilen das Erscheinungsbild des Strip. Auf den Bühnen ist die Länderschau ebenso erfolgreiches Programm. Bei "Ooh La La" sprechen amerikanische Show-Girls mit französischem Akzent, ein holländischer Zauberkünstler wie Hans Klok bringt im Planet Hollywood gleich die ganze Kindheit zwischen Windmühlen und Holzpantinen auf die Bühne, garniert den Heimatkitsch mit der berühmtesten Assistentin, die man haben kann, mit Pamela Anderson - und schon ist für jeden in Las Vegas was dabei.

Da wundert es dann auch nicht mehr, dass Elvis aus Italien kommt. Wenn man Trent Carlini nach seinem Alter fragt, lächelt er verschlagen und sagt: "Ich bin unsterblich." Verbrieft allerdings ist, dass er in Chicago geboren wurde und im Alter von sechs Jahren mit seinen italienischen Eltern in eine kleine Stadt an der Adriaküste zog. Dort ist er aufgewachsen, mit seinen Geschwistern - und mit Elvis. Seine Eltern waren ergebene Fans. "Es verging kein Tag, an dem wir zu Hause nicht über Elvis sprachen. Er war wie ein Familienmitglied."

Unter anderem deswegen steht er jetzt wohl im weißen Nietenoverall vor dem Theater des "Sahara"-Hotels und posiert für die Digitalkameras seiner Zuschauer. Trent Carlini ist der einzige Elvis-Darsteller mit einer eigenen Show am Strip. Er hat sie "The Dream King" genannt. Früher war er Elvis bei "Legends in Concert", aber irgendwann wollte er sich die Bühne nicht mehr mit Madonna und Liza Minnelli teilen, der Elvis in ihm war zu groß für einen Minuten-Auftritt. Jetzt füllt er den Abend mit Elvis-Klassikern und passenden Kostümen. Gibt den GI und den Leder-Rocker, singt "Rock-A-Hula" mit Hawaii-Hemd und "It's Now or Never" im schwarzen Anzug. Das Publikum versinkt dankbar seufzend in roten Samtsesseln und greift sichtlich erregt nach blauen Satinschals, die er beizeiten von seinen Schultern gleiten lässt. Und bevor die Illusion zu albern wird, wirft er regelmäßig ein paar freche Sprüche dazwischen, lässt Trent Carlini kommentieren, nicht Elvis Presley. Das ist ihm wichtig, es ist schließlich seine Show.

Die hatte er in sich, immer schon, so glaubt er. Mit zwölf Jahren bereits hat er seinem Vater gesagt: Ich werde eine Elvis-Tribute-Show machen, ich werde ihm würdig sein. Und sein Vater hat geantwortet: Ich habe noch niemals ein Double gesehen, das irgendwas wert war. Mach lieber deine Schulaufgaben. Jetzt ist der Vater sein größter Bewunderer, jede Woche hat er angerufen aus Italien, um seinen Sohn in einer Fernsehshow zum besten Double Amerikas zu wählen. Carlini hat gewonnen und hofft nun, dass die Samtsessel des Theaters sich allabendlich bis zum letzten Platz füllen werden. Seine größte Inspiration, so sagt er, waren Siegfried und Roy, als er 1992 zum ersten Mal nach Vegas kam. Vom Glamour der Magier, die in Las Vegas zur Legende wurden, ist das Ambiente im "Sahara"-Hotel allerdings weit entfernt. An vergilbten Tischen fluchen Zocker in dichte Rauchschwaden, Carlini bestellt sich den zweiten Scotch.

Wer mit Carlini sprechen will, kommt normalerweise an dessen Manager Joey nicht vorbei. "Kommt Trent aufs Cover?", war seine Frage beim ersten Anruf. Der ältere Herr im hellgelben Sakko ist, so wie das Casino, das den "Dream King" feiert, einer vom alten Schlag. Nach der Show regelt er die Geschäfte mit den Fotos und schiebt jede junge Dame mit einem leichten Klaps zum falschen Elvis hin. Jetzt aber hat sich der Manager schon leicht schwankend verabschiedet, und der "King" nimmt die Perücke ab. Carlini wirkt müde, das Make-up klebt schwer auf dem hübschen Gesicht, das Bühnenlächeln ist matt geworden. Es ist, als wäre ihm die selbst gewählte Rolle bisweilen eine Last. An seiner Seite drängelt seine Frau zum Aufbruch, sie ist 23, Brasilianerin, Model, zu Hause wartet das zweijährige Kind. Vielleicht hat sie diese Sätze schon öfter gehört, könnte mitsprechen, wenn er leicht pathetisch sagt: "Nur wenige haben Elvis so viel geopfert wie ich." Aber bald, so fügt er hinzu, mache er eine Woche Urlaub in Mexiko. Er möchte generell mehr reisen, sein Alter Ego aber wird weiter in Las Vegas verlangt.

"Ich möchte hier nicht leben wie eingesperrt im Paradies", sagt er. Der echte "King" ist daran gestorben. Der Falsche sagt: "Die Show muss mal ein Ende haben", kippt seinen Scotch, nickt seiner Frau zu und geht.

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Autor:
Martina Wimmer