Kuba Musik aus der Karibik

Wer seinen Havanna-Aufenthalt mit Longdrink in der Hand auf einem gemütlichen Ledersofa in der Hotelhalle verbringen möchte, kann sich zuhause schon mal einstimmen lassen von Luis Frank Arias. Er lädt zusammen mit dem Barpianisten Guillermo Rubalcaba ein zu den "Noches Cubanas en el Cafe del Mar" (Connector Records 15862-2 / in-akustik). Immer dann, wenn dieser als Charmeur der alten Schule bei "As Time Goes By" und anderen Schmalzstullen zu dick aufträgt, erinnert Guillermo Rubalcaba ihn mit Rumba-rhythmisch eingeflochtenen Akkorden daran: Wir sind hier in Kuba, nicht in Hollywood. In solch einer kubanischen Nacht im Cafe del Mar muss Ernest Hemingway seine besten Inspirationen für "Der alte Mann und das Meer" gesammelt haben.

Im "Café Cubano" (Putumayo - Exil 91400 / Indigo) erledigen sanft gezupfte Gitarrensaiten, unaufdringlich schmetternde Trompeten und zurückhaltend agierende Trommler die Rhythmusarbeit. Dieser Sampler präsentiert anspruchsvolle Hintergrund-Beschallung für Gäste, die in der kubanischen Sonne vor einem Kaffeehaus sitzen. Aber auch wenn man nicht gerade auf der Karibik-Insel weilt eignen sich die zehn Tracks für eine angenehm verplauderte Siesta beim Mittagspausen-Kaffee.

Der "Soundtrip Cuba" (reise know-how ST 005 / NRW Vertrieb) glänzt daneben eher mit seinem stilistischen Abwechslungsreichtum. Beim Kofferpacken oder gar bei noch anspruchsvolleren Tätigkeiten ist diese CD nicht zu empfehlen. Denn die Compilatoren vom Berliner Weltmusik-Label "Piranha" achteten bei der Repertoire-Auswahl für diesen Sampler darauf, einen möglichst umfassenden Blick auf die Popularmusik-Spielarten der Zuckerrohr-Insel anzubieten.

"The Rough Guide To The Music Of Cuba" (RGNET 1225 / harmonia mundi) füllt vom ersten bis zum letzten Takt die Tanzfläche und ist damit auch bestens geeignet für die heimische Salsa-Party. Bei den meisten Tracks treiben fetzige Bläser-Riffs die Percussionisten zu Höchstleistungen an. Aber neben filigraner Handarbeit dokumentiert diese CD auch aktuelle Entwicklungen: Techno-Grooves und HipHop-Gesänge, die vom Castro-Regime lange genug nur bei Hinterhof-Parties als Ablassventil für junge Kubaner geduldet wurden, entpuppen sich hier als mögliche Exportschlager. Die sentimentaleren Zwischentöne der afrokubanischen Musik kommen zu Wort auf einer beigelegten Bonus-CD: Das Ensemble Sierra Maestra interpretiert Klassiker des Son, der - ähnlich wie der Blues für den Rock'n'Roll - die Vorlagen lieferte für die Salsa-Musiker.

Als Geschenk für die kubanischen Gastgeber eignet sich "Kula Sack" (Connector Records 59874-2 / in-akustik) von Los Dos y Compañeros. Der CD-Titel ist bayrisch für "Cooler Typ", der Band-Name ist spanisch: Die Zwei und ihre Kameraden. Für diese CD-Produktion haben die Salsa-Musikanten den Sänger Luis Frank Arias eingeladen - und der klingt plötzlich überhaupt nicht mehr wie ein Son-Dinosaurier, der einst als jüngstes Mitglied zum Altherren-Verein Buena Vista Social Club gehörte. Los Dos y Compañeros spielt unter anderem Verballhornungen von Latin-Immergrüns wie "Oye Come Va", das hier zum "Jodeln kone a" (Jodeln kann ich auch) wird. Noch deftiger klingt ihre Salsa-Hommage an die Südafrikanerin Miriam Makeba ("Pata Pata"), die Losen Dosen machen daraus "Mei bin i a kula Sack".

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Autor:
Winfried Dulisch