Kopenhagen Für die Hotels ist Design selbstverständlich

"Dänisches Design" ist als Qualitätsmerkmal von ähnlichem Rang wie "Schweizer Uhrwerk" oder "britischer Humor" - dank Visionären wie Arne Jacobsen oder Verner Panton. Deren Kunst verstaubt glücklicherweise nicht hinter Vitrinen - in den Hotels Kopenhagens zollt man den Designpionieren aus der Nachbarschaft in der angemessenen Form Tribut: indem man die Gäste inmitten ihrer Schöpfungen einquartiert.

Markenzeichen der Gebrauchskunst aus Skandinavien sind organische Linien, ohne allzu verspielt zu werden: ein bisschen nüchtern, formschön und -vollendet. MERIAN.de stellt Ihnen eine Auswahl Kopenhagener Designhotels vor, die in Stilfragen stets Recht behalten.

Square Kopenhagen - nichts für Spießer

Klare Linien und minimalistisches Design ohne kalte Distanziertheit - hier würde sich auch Designer Arne Jacobsen wohlfühlen, dessen berühmter Stuhlentwurf "The Egg" in der Lobby als Sitzgelegenheit dient. Im Herzen Kopenhagens gelegen, direkt am Rathausmarkt, spürt man hier den Puls der Stadt - den ruhigen des Urlaubers, den gehetzten des Geschäftsmannes: Beide sind hier einquartiert. Das Square ist frei von überflüssigem Zierrat und ist damit ein Designhotel reinen Wassers: Die Form folgt der Funktion, daher ist die Einrichtung gleichsam ansprechend wie zweckdienlich. Der Name des Hotels "Square" ist übrigens Programm: Das Viereck ist definierendes Stilelement der 267 Zimmer, die in fünf Kategorien aufgeteilt sind: Standard, Superior und Executive Room, sowie Junior Suite und Junior Suite Deluxe. Nur dass "Square" auch "Spießer" heißen kann, streicht man vorläufig aus seinem Wortschatz. Für fast jedes Bedürfnis ist gesorgt. Lediglich wer es lieber plüschig und kitschig mag, sucht sich besser eine andere Übergangsbleibe.

, 250 Zimmer, 27 Suiten, Rådhuspladsen 14, 1550 Kopenhagen, Tel.: +45 33 38 12 00, ab 130 Euro pro Nacht

 

Nimb - Tausendundeine Übernachtung

Das Nimb wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen - und das auch noch am falschen Ort: Das maurisch anmutende Gebäude war einst ein Basar und verleiht dem Kopenhagener Tivoli mehr als nur eine Ahnung von Tausendundeiner Nacht. Seit dem Mai 2008 ist das Nimb als eine Art Vergnügungspalast für die Sinne neu eröffnet: Eine Cocktailbar, eine Brasserie, ein Restaurant, eine Vinothek und eine Milchbar finden sich unter den Zwiebeltürmen des Gebäudes, und ebenfalls ein Hotel: 13 Zimmer, davon acht Suiten, allesamt unterschiedlich eingerichtet, sprechen Kopenhagen-Besucher mit einem Sinn fürs Besondere an - dabei ist die Unterkunft so exotisch, dass selbst Einheimische Urlaubsgefühle kriegen. Alle Zimmer bis auf eines sind mit Kaminen ausgestattet, die Kunst an den Wänden ist handverlesen, antike Möbel und moderne Bang-&-Olufsen-Unterhaltungselektronik bestücken die Räume mit dem Schönsten von Gestern und Heute. Zeit ist hier nun einmal relativ.

, fünf Zimmer, acht Suiten, Bernstorffsgade 5, 1577 Kopenhagen, Tel.: +45 88 70 00 00, ab 330 Euro pro Nacht

 

Hotel Alexandra - Abwechslung und Anspruch

Früher war alles besser. Das scheint zumindest das Credo des Hotels Alexandra zu sein, das sich explizit zum Retrodesign bekennt. Das Hotel blickt auf eine über hundertjährige Geschichte zurück, sein Charme besteht aber keinesfalls in der muffigen Konservierung eines Status Quo. Vielmehr hat das Hotel durch die Jahrzehnte eine erstaunliche Sammlung dänischen Designs zusammengestellt, vor allem ein höchst abwechslungsreiches und anspruchsvoll gestaltetes Repertoire an Sitzmöbeln. Einige der Zimmer dienen als Hommage an die großen dänischen Designer: Ein Raum ist mit Möbeln von Arne Jacobsen eingerichtet, einer mit Arbeiten von Finn Juhl, andere sind Ole Wanscher und Hans J. Wegner gewidmet. Nur einen Steinwurf entfernt ist übrigens das Dänische Design Center am Tivoli. Dabei entspricht der Ansatz des Alexandra vermutlich viel stärker dem, was den Vätern der skandinavischen Gebrauchskunst vorschwebte: Zwischen diesen Möbeln soll man leben - und sie nicht als Exponate in einem Museum bestaunen.

, 61 Zimmer, H.C. Andersens Boulevard 8, 1553 Kopenhagen, Tel.: +45 33 74 44 44, ab 195 Euro pro Nacht

 

Twentyseven - der Chill-Faktor

Ein bisschen Understatement für das junge urbane Publikum: Das Twentyseven präsentiert sich in jungem skandinavischen Design mit ein paar Retrozitaten, geschmackvoll-zurückhaltend statt protzig. Das heißt nicht, dass man sich nicht die ein oder andere Extravaganz leistet: Neben der "gewöhnlichen" Cocktailbar, die auch Drinks aus der Molekularküche serviert, schindet vor allem die Icebar Eindruck: Deren komplettes Interieur besteht aus gefrorenem Wasser aus dem Fluss Torne in Lappland. Hier wird beim Chillen tatsächlich gefröstelt - nicht nur interessant für Leute mit Coolness-Defizit. Im Twentyseven kann es schon einmal ein bisschen lauter sein als in den gediegeneren Unterkünften Kopenhagens - dafür ist es nahezu unmöglich, sich dem Lebensgefühl der Stadt zu entziehen.

, 200 Zimmer, Løngangstræde 27, 1468 Kopenhagen, Tel.: +45 70 27 56 27, ab 110 Euro pro Nacht

 

Skt. Petri - linientreue Klarheit

Sicherlich lässt sich über Geschmack streiten, aber bitte woanders: Das Skt. Petri bietet kaum Angriffsfläche für Nörgler - die Einrichtung ist schnörkellos-modern, quietschsauber, mit Holzböden und schlichten weißen Wänden. Hauptaugenmerk liegt auf Komfort und Eleganz, dabei sind alle Details stimmig und folgen einem harmonischen Gesamtkonzept. Die Rolltreppen im Eingangsbereich erinnern daran, dass sich in den Mauern zuvor ein Einkaufszentrum befand - die Zeiten schnöden Konsums sind allerdings vorbei. Nur einige Schritte weiter darf dafür weiterhin ungezügelt Einkaufsgelüsten nachgegangen werden: Nur fünf Gehminuten entfernt liegt Strøget, eine der längsten Fußgängerzonen Europas.

, 268 Zimmer, Krystalgade 22, 1172 Kopenhagen, Tel.: +45 33 45 91 00, ab 215 Euro pro Nacht

 

Autor:
Michael Weiland