Nachdem Berlin-Mitte die Luxushotel- und Hostel-Schwemme längst überstanden hat, wird im zentralen Ausgehbezirk der Hauptstadt jetzt in Sachen Mittelklasse-Hotels aufgerüstet. Äußerst zielgruppengerecht, wie MERIAN.de-Kolumnistin Silke Wichert findet.
Eigentlich hatte ich zwei Ideen, wie ich in Berlin-Mitte reich werden könnte: Einen Geldautomaten, der nicht zur Sparkasse gehört, aufstellen. Ein kleines Hotel, kein Hostel, eröffnen.
Für die erste Variante sehe ich noch Chancen. Auf die Idee mit dem kleinen Hotel sind inzwischen auch andere gekommen, und zwar alle gleichzeitig.
Zusammen macht das fünf neue Hotels, alle in einer Linie auf gut 500 Metern. Eine Dichte, die sonst höchstens in Disneyland anzutreffen ist. Wobei: Im Grunde ist Berlin-Mitte ja ein Themenpark.
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Nun also kommen noch ein paar tausend Betten für die gehobene Mittelschicht hinzu. Ich habe das zunächst für etwas überambitioniert gehalten, aber wenn man es genau betrachtet, ist Berlin-Mitte wirklich der ideale Standort für die rund zehn Millionen Hauptstadt-Übernachtungsgäste im Jahr, denn:
Hier kann man noch ausschlafen. Morgens sind die Straßen wie leer gefegt, in den Cafés, wenn vor zehn schon geöffnet, gibt es noch Plätze.
Die Läden haben bis zwölf natürlich noch geschlossen, und das ist okay, weil da bleibt Zeit für das Tor und die Museumsinsel.
Mittags dann, sieht man endlich all die famous Mitte people auftauchen. So jung, so hübsch, so kreativ, die eigentlichen Sehenswürdigkeiten also. Dann gibt es leider auch keine Plätze mehr in den Cafés, aber die meisten wollen ohnehin lieber einmal beim Vietnamesen Monsieur Vuong anstehen.
Und abends?
Nur am nächsten Tag wird es dann ein wenig schwierig, denn Kreditkarten werden in Berlin immer noch kaum akzeptiert. Und dann brauchen all die Touristen schnell frisches Bargeld. Ich sag ja, das mit den Geldautomaten wird eine Riesensache.
Bevor Silke Wichert Kolumnistin bei MERIAN.de wurde, arbeitete sie unter anderem als Redakteurin in den Stil-Ressorts von "Welt am Sonntag" und "Vanity Fair". Hier schreibt sie alle zwei Wochen, was Frauen auf Reisen wirklich bewegt.