Fast Lane

Bringt endlich den Kimono zurück!

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Neuer CEO - neue Blütezeit? Mit großem Interesse verfolgt unser Kolumnist Tyler Brûlé die Entwicklung um Japans einst so stolze Fluggesellschaft JAL. Und hat - natürlich - ein paar gut gemeinte Ratschläge für den 78-jährigen Kazuo Inamori parat.

Auf dem Dachboden meines Elternhauses in Winnipeg, im Wohnzimmer meiner Großmutter in Ottawa und in den Gästezimmern meiner Onkel und Tanten in Toronto konnte ich ganze Nachmittage damit zubringen, National Geographic durchzublättern: Die monumentalen Illustrationen spanischer Galeonen, die Karten zu verschwundenen Schätzen, die Nachstellungen mittelalterlicher Kriege und die Ausgrabungen von Pompeji faszinierten mich. Gleichwohl fühlte ich mich aber auch von den Werbeanzeigen der Fremdenverkehrsämter und Fluggesellschaften angesprochen, die all jenen exotische Abenteuer versprachen, die sich für eine Buchung entschieden.

Es gab damals, in den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren, diese Werbung für Japan Airlines. Dort bediente eine kimonogewandete Stewardess einen westlichen Geschäftsmann in der ersten Klasse, die aussah wie eine Suite im Okura Hotel von Tokio. Hatte das Flugzeug wirklich solche Kabinen? Trugen alle Stewardessen diese wunderschönen, aber vertrackten Outfits?

Fast Lane: Gute alte Flugzeiten

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So wie BOAC, Pan Am, Swissair und Air France war auch JAL früher eine dieser globalen Qualitätsmarken auf dem Reisesektor, die die ersten Seiten internationaler Wirtschafts- und Nachrichtenmagazine in Beschlag nahmen. JAL war ein globales Transportunternehmen, das die Lohnempfänger japanischer Firmen auf die Straßen von San Francisco, in die Vorstandsetagen New Yorks, in die Fabriken der Vororte von São Paulo und auf die Strände von Honolulu brachte.

Das Logo der Airline, ein roter Kranich mit ausgebreiteten Flügeln, wurde zu einem vertrauten Bild in den Großstädten der Welt und dank des japanischen Wirtschaftsbooms in den 1970ern und 1980ern wurde JAL zur größten Fluglinie in ganz Asien. JAL-Flugbegleiter wurden bewundert für ihre Haltung und ihren Service, die Flugzeuge für ihr makelloses Erscheinungsbild und beim Angebot an Bord war JAL ein innovation leader.

Wie anders sehen die Dinge heute aus.

In den Medien findet JAL nur noch auf den Wirtschaftsseiten statt: wegen massiver Kürzungen, abgestellter Flugzeuge, aufgegebener Routen und massenhaften Rücktritten von Vorständen - wobei Letzteres eine sehr gute Sache ist.

Vergangene Woche unternahm ich einen kurzen Schwenk durch Tokio/Kyoto/Nagoya und fragte Kollegen, Freunde und Bekannte, was sie von der Ernennung Kazuo Inamoris, dem Gründer des japanischen Technologie-Konzerns Kyocera, zum JAL-Vorstandschef hielten. Ist er eine gute Nachricht? Ein weiterer unnützer Helfer? Oder ein geschickter Meister des Umschwungs? Die Reaktionen hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können.

Unser Kolumnist: Tyler Brûlé

Viktoria-Marie Schiffler

Der 1968 in Kanada geborene Journalist und Unter­nehmer Jason Tyler Brûlé machte sich als Erfin­der von stil­bildenden Magazinen wie "Wallpaper" und "Monocle" einen Namen. Bei MERIAN.de berichtet der Vielreisende regelmäßig von seinem Leben auf der Überholspur.





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