Japans Traditions-Airline JAL hat nicht nur ein Problem. Das wusste unser Kolumnist Tyler Brûlé bereits. Dann zeigte ihm ein Vortrag in Tokio auf, wie schlimm es wirklich ist - und dass die Rettung für JAL wohl eher im Prinzip "Ryan Air" liegen wird.
Zum Glück sind die Japaner so ein kultiviertes Volk, sonst hätte mein Montagabend einer Folge von "The Apprentice" oder "Dragon's Den"geglichen. 30 Branding- und Marketing-Studenten jedenfalls hatten sich in einem über Tokios Roppongi-Distrikt aufragenden Hochhaus versammelt, um ihrem Sensei (Meister) und ihrem besonderen Gast (mir) die Früchte ihrer Hausaufgabe zu präsentieren, für deren Fertigstellung sie eine Woche lang Zeit gehabt hatten.
Die Aufgabe war alles andere als einfach: "Wie löst man das Problem Japan Airlines?" Die Klasse war zunächst in fünf Gruppen unterteilt worden, die sich mit der Frage auseinander setzten, was man mit Japans Fluggesellschaft anstellen solle. Dann formierte man sich neu, um das Ergebnis zu präsentieren. Takashima-sensei übernahm die Einführung und fasste die Schwierigkeiten zusammen, denen sich die Fluggesellschaft - und die Studenten - gegenüber sahen.
Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (10 Bilder)
"Sie möchten, dass ich die japanischen Höflichkeiten weglasse, Takashima-san?", versicherte ich mich.
"Ja, Tyler-san", antwortete er, "sagen Sie, wie es ist."
"Wirklich? Keinerlei Zurückhaltung?"
"Sagen Sie es ihnen in Ihrer Funktion als internationaler Reisender, Tyler-san."
Der 1968 in Kanada geborene Journalist und Unternehmer Jason Tyler Brûlé machte sich als Erfinder von stilbildenden Magazinen wie "Wallpaper" und "Monocle" einen Namen. Bei MERIAN.de berichtet der Vielreisende regelmäßig von seinem Leben auf der Überholspur.