Editor's Blog "Bäh, das würde ich nicht essen, Papa!"

Zwei Dinge vorweg.

1. Ich bin ein überzeugter Vater. Nichts bereichert mein Leben mehr als meine zwei Söhne.

2. Ich bin ein genauso passionierter Reisender in ferne Länder wie Burma, Jemen oder Namibia.

Besser gesagt, ich bin ein leidenschaftlicher Reisender gewesen, denn als verantwortungsvoller Vater eines Zwei- und eines Fünfjährigen setzt man seine Kinder nicht zwölfstündigen Flügen, tropischen Krankheiten und merkwürdigen Speisen wie im Boden vergorenen Fisch (Burma) oder Kudu-Sauerbraten (Namibia) aus. Beides übrigens durchaus lecker.

Reisen möchten wir weiterhin, und Essen muss natürlich auch auf Reisen sein. Deswegen fahren meine Frau und ich heute wieder dorthin, wo Kinder auf ihre Kosten kommen, nach Italien. Um genau zu sein - nach Grado. Das ist eine kleine Lagunenstadt zwischen Venedig und Triest, die sich den Charme Italiens der sechziger und siebziger Jahre bewahrt hat, was sich leider nicht von allen Küstenorten an der Adria behaupten lässt. Das zweite Highlight nach dem Strand ist für die Kinder das abendliche Dinner. Denn italienische Küche ist Erlebnisküche. Auf der Karte stehen Merkwürdigkeiten wie Tintenfisch oder Seespinne.

"Lebt die noch?", fragt der Ältere, während der Jüngere sein Schnitzel auf den Teller spuckt und sich der Kohlenhydratdiät verschreibt. Jeden Tag Nudeln, ohne Gemüse, ohne Tomatensauce. Nudeln pur sieben Tage lang. Mein großer Sohn ist da experimentierfreudiger, Scampi, Schwertfisch, Lotte. Es wird alles zumindest versucht und wie gewohnt lautstark kommentiert. Mit Kindern ist einem die Aufmerksamkeit der Kellner und der anderen Gäste immer sicher, manchmal mehr als einem lieb ist. Leider ist das kulinarische Erlebnis schnell vorüber, kaum ist der Kleine gefüttert, ist der Große schon ("Was gibt's noch?") beim Tiramisu angelangt.

Meine Frau und ich haben noch nicht einmal einen genauen Blick auf die Vorspeise geworfen, da feuert der Kleine das Besteck von der Anrichte und folgt dem Größeren nach draußen. Und das war es dann mit dem abendlichen Genuss eines herrlichen Menüs aus Papardelle alle Alghe mit Thunfisch, Rosinen und Pinienkernen, Heuschreckenkrebsen ("Bäh, das würde ich nicht essen, Papa!") und der abschließenden Crema Catalana - in zehn Minuten ist alles aufgegessen, und das natürlich allein, während der andere die Kinder davon abhält, ins Meer zu springen oder Gläser hinunterzuwerfen. Der Große weiß Rat: "Morgen essen wir aber mal was Gutes - Pizza!"

Tipps

Das , ein ehemaliges Grand Hotel, das direkt am Strand liegt und liebevoll renoviert wurde.

Das : Dieses Sommerrestaurant bietet wohl eine der romantischsten Gelegenheiten für ein Abendessen zu zweit (oder zu viert) in Grado.

Autor:
Dr. Stefan Rieß