Südafrika Deutscher Winzer in Kapstadt

Das Felsmassiv aus hellgrauem Granit schimmert in einem sagenhaften Blau. Es ist ein herrlicher Tag am Frühlingsbeginn auf der Weinfarm Blaauwklippen bei Stellenbosch, gut 40 Autominuten östlich von Kapstadt. Das 105 Hektar große Weingut zieht sich durch die Ausläufer des blauen Gebirges. "Das Gebirge hat der Weinfarm ihren Namen gegeben, laut Urkunde schon bei ihrer Errichtung im Jahr 1682", erklärt Rolf Zeitvogel, General Manager und Winemaker, sprich Kellermeister, von Blaauwklippen.

Rund um die historischen Gemäuer im kapholländischen Stil werden auf vollmundige Rotweine wie Cabernet Sauvignon, Malbec, Shiraz und Viognier aufgelegt, ebenso fruchtige Sauvignons Blancs und eine Spezialität, die in ganz Südafrika nur Blaauwklippen zu bieten hat: einen weißen Zinfandel, an sich eine reine Rotweintraube. "Er hat die Farbe eines leichten Rosé, schmeckt nach Williams Christ Birne, Himbeere, Erdbeere", sagt Rolf Zeitvogel. Die weiße Farbe komme daher, dass die Trauben ähnlich Champagnertrauben sanft gepresst werden.

Der von Zeitvogel geführte Weinbaubetrieb ist der drittälteste von über 100 am Western Cape zwischen Stellenbosch, Franschhoek und Paarl - und er ist einer von einer Handvoll in der Region, die einen deutschen Eigentümer haben. 1999 hatte der Inhaber der Münchener Bau-, Brau- und Hotelgruppe Arabella, Stefan Schörghuber, Blaauwklippen erstanden. 2003 holte Schörghuber dann Zeitvogel an Bord und berief ihn Ende 2007 zum General Manager und Winemaker. Im November 2008 verstarb Schörghuber, Blaauwklipppen verblieb im Familienbesitz.

Das Metier hat der staatlich geprüfte Kellermeister Zeitvogel im elterlichen Weinbaubetrieb in Sinzheim bei Baden-Baden erlernt, 2001 zog es den heute 41-Jährigen ans Western Cape - zunächst an dessen Westküste, dann gen Osten, nach Blaauwklippen.

"Der Granit in unserem Boden bedeutet, dass unsere Trauben auf einem sehr mineralischen Terroir wachsen und damit einen intensiven Geschmack entfalten können. Das ist ein guter natürlicher Geschmackslieferant", so Kellermeister Zeitvogel. Seine guten Roten und Weißen lassen sich aber nicht nur beschreiben, sondern gleich vor Ort verkosten, gleich mit feinem Essen.

Denn gute Wineyards wie Blaauwklippen verfügen nicht nur über Probierstuben, sondern sehr gute Restaurants. Wer will, speist in Blaauwklippens denkmalgeschütztem Gemäuer oder unter schattigen, alten Bäumen. Und lässt sich den weißen, nur leicht rosé gefärbten Zinfandel etwa zu Gambas mit Limonengras munden und testet noch einen frischen, an Kiwi erinnernden Sauvignon Blanc. Zum geräucherten Straußfilet kann es ein BCS Malbec 2006 sein, mild und füllig und seit 2006 unter Zeitvogel nicht mehr nur Teil einer Cuvée, sondern allein im Eichenfass gereift.

Später ins Glas kommt ein Cabernet Sauvignon, der im Wechsel vom großen zum kleinen Eichenfass heranreift und ebenso fruchtig wie soft durch die Kehle rinnt. Dagegen hat der Cabernet Sauvignon 1983 einen animalisch-ledernen Geschmack - "als sei dem Pferd der Sattel abgezogen worden. Der ist ein Sammlerstück" (Zeitvogel). Mit und ohne Dessert, aber immer süße Verführer sind Blaauwklippens Trockenbeerenauslesen - etwa Zinfandel und Malbec, beide 2007 und die einzigen roten Nobel Late Harvest Südafrikas. Der Malbec etwa liegt mit würziger Schärfe und intensivem Waldbeergeschmack auf der Zunge.

Zeitvogel setzt auf Neues, manchmal aus alten bewährten Schläuchen, und ist dabei immer auf der Suche nach einer noch spezielleren Stilistik seiner Weine, sprich Geschmacksnuancen. So hat er in den Weinfeldern, richtige Hanglagen wie an Mosel und Ahr gibt es hier kaum, die Zahl der Weinstöcke verdoppelt - "damit jeder Stock weniger, aber gehaltvollere Trauben trägt und seine Kraft ganz darauf konzentriert. Die reifen schneller und gleichzeitig heran und haben die gleiche hohe Güte - beim Aroma der Früchte wie bei der Tanninreife von Haut und Kernen".

Im Keller nutzt er die gute alte Spontangärung. "Während der Reife am Stock siedelt sich natürliche Hefe an, die den natürlichen Gärprozess der Trauben im Tank besorgt. Das unterstützt den guten natürlichen Geschmack." Andernorts sei es meist üblich, selektierte Hefe aus dem Regal zu nehmen und "künstlich Geschmack zu kreieren".

Zudem lässt Zeitvogel die Rebstöcke im Sommer nach alter Manier nur tropfenweise bewässern: "Wir sind nicht auf Menge aus und brauchen unsere Weinberge daher nicht mit Wasser vollzupumpen." Am Ende kommen jährlich 350.000 Liter guter Tropfen heraus, zu 98 Prozent rot und zwei Prozent weiß.

 

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Autor:
Ulrike Wirtz