Südtirol Zum Ortler und den Drei Zinnen wandern

Blick auf die Ortlerggruppe in Südtirol

Tour 1: Den Ortler fest im Blick

Wer Gipfelambitionen hegt, kann in der Ortlergruppe Dreitausender sammeln. Kaum ein Tourenrevier in Südtirol ist dafür ergiebiger als das Terrain rund um die Düsseldorfer Hütte: Tschenglser Hochwand (3375 m), Hoher Angelus (3521 m) oder Vertainspitze (3545 m). Seit 1892 - und mittlerweile in fünfter Generation - bewirtschaftet die Suldener Familie Reinstadler den Alpinisten-Stützpunkt im Zaytal, berät, sichert felsige Anstiege und markiert die Zugänge.

Der besondere Tipp ist der Aufstieg zum Hinteren Schöneck (3143 m), dem Hausberg der Düsseldorfer Hütte, der mit einem besonders grandiosen Panorama verwöhnt. Vor allem "König Ortler", aber auch die gegenüber aufragenden Zebru- und Königsspitzen sind aus der Schöneck-Perspektive überwältigend. Für die Reinstadlers ist sie denn auch die schönste Tour Suldens - wenngleich sie alles andere als ein lockerer Spaziergang ist. Zunächst geht es durch Mattengelände, vorbei an plätschernden Bachläufen und Alpenrosenfeldern zu steileren Serpentinen, die bis zum Gipfel führen. Hier muss man, trotz der Absicherung, unbedingt schwindelfrei sein. Nach der Rast auf dem Gipfel fällt der Abstieg über den freien Wiesenrücken der Vorderen Schöneck bis zur idyllischen Kälberalm leichter. Von hier aus führt das letzte Stück durch duftende Wälder bis ins Zentrum von Sulden.

INFO
Von der Kanzellift-Bergstation Anstieg über Weg 12 zur Düsseldorfer Hütte und von dort aus weiter bis zum Gipfel der Hinteren Schöneck. Der Abstieg führt auf Steig 18 durchs Zaytal, vorbei an der Kälberalm bis nach Sulden. Gehzeit: Hin- und Rückweg ca. 5,5 Stunden. Höhenunterschied: ca. 1300 m. Schwierigkeit: Anspruchsvolle Wanderung, die Trittsicherheit, Hochalpin-Erfahrung und Ausdauer erfordert.

Die Drei Zinnen
Helmuth Rier/Südtirol Marketing
Wie Speerspitzen ragen die Drei Zinnen in den Himmel
Tour 2: Zu den Drei Zinnen

Stolz erheben sich "Die Drei" wie Speerspitzen aus schütterem Geröll. Ihr Antlitz ziert Postkarten, Kalender und Bildbände auf der ganzen Welt. Aber nur, wer die berühmteste Felsformation der Dolomiten einmal in natura gesehen hat, kann ihre monumentale Schönheit vollends erfassen. Die Drei Zinnen sind deshalb zum magischen Anziehungspunkt vieler Ausflügler geworden, zahlreiche Wanderwege führen an der imposanten Nordwand des Wahrzeichens vorbei. Eine besonders beliebte und pittoreske Strecke ist die Rundtour entlang von Paternsattel, Rienzboden und Langealm. Vom Rifugio Auronzo führt zunächst ein altes Militärssträßchen - im Ersten Weltkrieg verlief hier die Front zwischen Österreich und Italien - zur Cappella degli Alpini, die 1916 von italienischen Soldaten errichtet wurde. Steiniger ist dann der Aufstieg zum Paternsattel, wo sich die erste Möglichkeit für ein Zinnenfoto ergibt. An schönen Tagen kann man von hier aus fast immer Kletterer im Steilfels beobachten. Zur Halbzeit lohnt die Einkehr in der Drei-Zinnen-Hütte. Das Felstrio direkt vor der Nase, kann man auf der großen Terrasse die Wanderstiefel lüften, Höhensonne tanken und ein "Schnitzel con Kraut e Tre Cime" bestellen. Empfehlenswert ist es, die Tour am Nachmittag zu unternehmen. Dann erlebt man beim Abstieg das Alpenglühen der Zinnen-Nordwände. Fast zu kitschig. Aber wahr.

INFO
Start am Parkplatz am Rifugio Auronzo. Folgen Sie der guten Ausschilderung Richtung Paternsattel, dann zur Drei-Zinnen-Hütte. Zurück geht es via Langealmhütte und dann auf der Abzweigung nach Forcela de l'Col de Mezo und zurück zum Parkplatz. Gehzeit: Rundtour ca. 3,5 Stunden Höhenunterschied: ca. 135 m. Schwierigkeit: Mittelschwere Strecke für geübte Wanderer auf teilweise steinigem Untergrund.

Vinschgauer Waal
Thomas Grüner/Südtirol Marketing
Immer dem Wasser nach: wandern entlang der Vinschgauer Waale.
Tour 3: Der Algunder Waalweg

Die Vinschgauer Waale sind jahrhundertealte Bewässerungssysteme, nirgends sonst in den Alpen wurden so viele der künstlichen Kanäle angelegt wie hier. In dieser sonnenreichen, regenarmen Gegend waren die Bauern auf zusätzliches Wasser angewiesen, um im Obst- und Weinbau erfolgreich zu sein. Die Lösung war das Anzapfen und Umleiten der Bergbäche in sogenannte Waale, von denen wiederum zahlreiche Abzweigungen in die angrenzenden Güter führen. Die Verteilung des Wassers war streng geregelt - wer sich nicht daran hielt, musste mit empfindlichen Strafen rechnen. Entlang der Waale wurden Wege angelegt, um die ständige Wartung der meist offenen Kanäle zu erleichtern. Auf diesen laufen heute noch die "Waaler", an manchen Stellen kann man noch "Waalschellen" sehen, kleine Glöckchen, deren Läuten dem Waaler das ständige Fließen des Wassers anzeigte.

Längst aber hat sich die Bedeutung der Waale gewandelt - sie sind heute ein wichtiger Tourismus-Faktor, wunderschöne Spazierwege, durch Weinberge, Obstgärten, Birken-, Lärchen- oder Kastanienwälder, das Plätschern des Wassers stets im Ohr und die natürliche Kühlung inklusive. Der wegen seiner Schönheit berühmteste aller Waalwege ist wahrscheinlich der Algunder, erstmals erwähnt 1333. Man spaziert unter weinumrankten Pergola-Lauben, mit weitem Blick über das vom Ifinger gekrönte Meraner Becken auf dem Hin- und das Vinschgau auf dem Rückweg. Der Waal ist über weite Strecken naturnah angelegt, wie schnell das Wasser fließt, merkt jeder, der versucht, mit einem schwimmenden Blatt Schritt zu halten. Am Wegesrand locken zahlreiche Gaststätten - die schönste ist "Leiter am Waal" oberhalb von Algund, wo unvergleichliche Marillenknödel mit brauner Butter und Zimt serviert werden.

INFO
Start ist der Parkplatz in Töll, unterhalb von Plars. Folgen Sie der guten Beschilderung "Algunder Waalweg" bis St. Peter. Dort beginnt der ebenfalls exzellent ausgeschilderte Tappeinerweg der bis ins Zentrum von Meran führt. Gehzeit: Hin- und Rückweg ca. 3 Stunden; bis nach Meran ca. 5 Stunden. Höhenunterschied: ca. 100 m. Schwierigkeit: Sehr leichte Wanderung, eher ein längerer Spaziergang.