Italien Wellness auf die südtiroler Art

Wellness mit Äpfeln.

Honig, Milch, Wolle. Äpfel, Trauben und Heu. Was lösen diese Begriffe bei Ihnen aus? Duftet, schmeckt gut, wärmt - Wohlbefinden! "Wohlbefinden" ist die Übersetzung des neudeutschen "Wellness", die etliche Südtiroler Gastgeber viel lieber hören. Sie haben sich darauf besonnen, dass "Wellness" zwar im Trend liegt, ihre Vorfahren es sich aber auch vor 100 Jahren schon recht wohl gehen ließen, mit all dem, was sie vor ihrer Haustür fanden: Heu und Honig, Milch und Wolle, Äpfel und Trauben, Latschenkiefern und Edelweiß. Wissenschaftler untersuchten diese Ingredienzien und stellten unter anderem fest, dass Äpfel wahre Anti-Aging-Bomben sind, voller Vitamine, Kalium und Zink. Dass Heubäder die Durchblutung fördern, das Immunsystem stärken und Entzündungen hemmen. Und dass Latschenkieferöl die Atemwege reinigt.

Heubad
Stefano Scatà/Südtirol Marketing
Heubäder fördern die Durchblutung und stärken das Immunsystem.
Weil das alles so viel besser zu Südtirol passt als ayurvedischer Ölguss, hawaiianische Massage oder Thalasso-Bäder in aus Pulver angerührtem "Meerwasser", schrieben etliche Hotels ihre Spa-Menüs neu: Heu-, Milch- und Wollbäder, Honigmassagen, Apfelpackungen und Himbeerpeelings gab es da plötzlich zu buchen. Und sehr schnell war mit "alpinem Wohlbefinden" ein neuer Trend geschaffen - denn die Gäste erholen sich bestens, wenn es im Spa nach Südtiroler Landspaziergang duftet. Und ihnen gefällt die Idee, dass schon Kaiserin Sisi in Meran in Molke, Heu und Weintrester badete.

Wellness auf die südtiroler Art

Hotel Bad Schörgau: Entspannen mit der Sarner Latsche
Schon der Weg ins Sarntal führt durch 21 Tunnel entlang schwindelnder Abstürze und über Hunderte enger Kurven ganz weit weg aus dem Alltag. So richtig angekommen in den Ferien ist man aber, wenn man vor dem Hotel Bad Schörgau steht. Es liegt inmitten von Blumenwiesen, ist umrahmt von dunklen Tannenwäldern und bietet einen grandiosen Blick auf die Sarner Scharte.

Die Familie Wenter hat das Hotel mit Hilfe vieler Freunde neu eingerichtet. Jetzt ist es ein modernes Haus, mit vielen alten Elementen: rohes Holz, grober Stein, klare, schlichte Formen. Die Betten sind aus Kiefernbrettern gehauen, die Lampen geschmiedet und mit Bauernweberei umkleidet. Ein alter Grill dient als Kamin. Das Schönste aber ist das Spa, das hier Badehaus heißt. Dort badet man in Holzzubern von Anno dazumal und ruht auf Heumatratzen und festen Tüchern aus weißem Leinen. Den Namenszusatz "Bad" erhielt der Weiler einst wegen seines mineral- und schwefelhaltigen Wassers. Heute ist das Hotel aber berühmt für die Anwendungen mit Sarner Latschen. Die werden auf 2000 Metern über dem Meeresspiegel geschnitten, später gehäckselt und im Dampf destilliert.

Das ergibt ein ätherisches Öl allerhöchster Güteklasse, es kräftigt, reinigt die Atemwege und entspannt die Muskeln - und wird in mehreren Anwendungen verabreicht: Für ein Latschenpeeling wird das Öl mit Latschenholzmehl vermischt und einmassiert. Danach steigt der Gast ins Badewasser, darin: Latschenöl und Honig, außerdem ein Beutel frischer Latschenschnipsel. Die Wärme des Wassers ist nach dem kühlenden Peeling wohltuend. Und nach der anschließenden Massage - selbstverständlich mit Latschenöl - möchte man Bäume ausreißen. Abends im Restaurant kann man das Latschenöl auch verköstigen: Juniorchef Gregor macht Ravioli mit Latschenfüllung, die ganz eigenartig würzig und nach Bergen schmecken. Und er experimentiert mit einem Eis aus Latschenöl. "Aber damit bin ich noch nicht zufrieden. Das schmeckt noch zu streng."

Die Therme Meran.
Oskar Dariz/Therme Meran
Die Therme Meran - Entspannung auf hohem Niveau.
Therme Meran: Wolle, Molke, Wein, Kastanien, Honig
25 Pools, ein fünf Hektar großer Park voll herrlichster Bäume, Büsche und Blumen, acht Saunen und Dampfbäder - alles in edler Design-Atmosphäre - das ist die Therme Meran. Das Tollste daran ist der Spabereich, in dem man sich ganz dem alpinen Wohlsein verschrieben hat: "Eingepackt in Südtirols Natur" heißt das Motto. Ungewöhnlich ist das "Ultentaler Schafwollbad": Man liegt in einem Trog aus dunklem Holz und ist bedeckt von frischer Schurwolle, die nach dem Scheren nur einmal gewaschen wurde - damit das wertvolle Lanolin erhalten bleibt, das sich während des Bades auf die menschliche Haut überträgt und sie geschmeidig macht. Wohlig warm ist es im Wollbad, es riecht nach einem von Oma gestrickten Pulli, und es kratzt - erstaunlich! - kein bisschen.

Es heißt, die Wolle helfe gegen Gelenkbeschwerden und wirke psychisch aufmunternd. Zunächst sorgt sie nur für ein watteweiches, herrliches Gefühl der Entspannung. Eine andere Spezialität ist das "Sisi-Bad" mit frischer Molke, die reich an Kalzium und Zink ist, eine Wohltat für trockene oder empfindliche Haut. Es ist überliefert, dass die österreichische Kaiserin in Meran Molke-Bäder genommen hat, vielleicht sogar in einer ebenso prunkvollen Kupferwanne mit Löwentatzen. Außerdem sind Weinbäder, Honigmassagen und Kastanienpackungen im Programm. Letztere soll besonders gut gegen Zellulitis helfen. Ob Kaiserin Sisi solche Probleme plagten, ist nicht überliefert.

Hotel Heubad: Heukur
Die Senner auf den Almen, die nach einem anstrengenden Tag an der Sense im Heu schliefen und sich am nächsten Morgen wie neu geboren fühlten, berichteten seit vielen 100 Jahren von der wohltuenden Wirkung des Heus. 1890 entstanden in Völs am Schlern die ersten Heu-Badeanstalten, in denen die Städter gruppenweise bis zum Hals in große Heuhafen eingegraben wurden. Ein "Badreiber" tupfte den Badenden den Schweiß von der Stirn, verjagte Fliegen und reichte Getränke. Die Kur half bei Rheuma und Muskelschmerzen, Schlaf- und Verdauungsstörungen sowie gegen seelische und körperliche Erschöpfung. Stolz sammelten die Wirte Krückstöcke, die geheilte Gäste nach der Kur zurückließen.

Heute funktioniert die Heukur zum Beispiel im Völser "Hotel Heubad" weitaus diskreter: kein Massenbad mehr, sondern hübsche Einzelkabinen mit karierten Vorhängen und gehäkelten Deckchen. Das Heu wird auf über 2000 Metern Höhe frisch geschnitten, wo die Gräser besonders kräftig wachsen und es in der Luft kaum Schadstoffe gibt. Mit dabei sind jede Menge Bergblüten, zum Beispiel Kohlröschen, Alpenastern, Johanniskraut, Arnika, Glockenblumen und Schafgarbe. Das duftet himmlisch! Der Gast wird in vier Kilo vorgewärmtes Heu gepackt. Anfangs piekst es ein wenig, später läuft der Schweiß über die Stirn - bis man zufrieden wie ein Kleinkind einschläft.

Wellness im Hotel Adler.
Hotel Adler/PR
Beim Wellness den Blick auf die Berge genießen.
Hotel Adler: Himbeeren und Edelweiß
Der Duft von frischen Himbeeren ist unvergleichlich! Süß, fruchtig und unglaublich intensiv. Es sind kostbare Beeren, voller Vitamine, die man genüsslich und einzeln verspeist - und deshalb hat es fast etwas Dekadentes, sich beim Himbeer-Peeling von Kopf bis Fuß mit den frischen, tiefroten, verführerisch duftenden Beeren eincremen zu lassen. "Die Basis des Peelings ist der Himbeer-Trester von einem Bio-Saft-Betrieb im Nachbarort", beruhigt die Masseuse vom Hotel Adler. Und beim Gedanken, dass die köstliche Masse beinahe im Müll gelandet wäre, ist das schlechte Gewissen sofort verschwunden. Der Trester wird mit Joghurt und Honig angerührt, das spendet der Haut Feuchtigkeit, die winzigen Himbeerkerne entfernen sanft die abgestorbenen Schüppchen. Ordentlich einmassiert, steigt der klebrige Gast dann in eine Wanne mit Himbeermilch und wird nach 15 Minuten Einwirkzeit mit Himbeeröl massiert. Eine weitere Spezialität des Adler-Spa ist ist die Edelweiß-Behandlung für das Gesicht mit Cremes und Extrakten aus Zuchtblüten (denn wild wachsendes Edelweiß ist streng geschützt). Edelweiß ist besonders geeignet für sensible Haut, die zu Rötungen neigt, außerdem soll es Falten vorbeugen.