Südtirol Unser Wein will endlich Sommer!

Hoch oben fühlt er sich am wohlsten: Über dem Dorf Naturns im Vinschgau lebt der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner im Schloss Juval. Unterhalb der Burganlage befindet sich das Weingut Unterortl, Eigentümer Messner hat es 1992 an den Winzer Martin Auricht verpachtet. Aurich stammt aus Berlin und hat sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Gisela auf dem Juvaler Hügel dem Weinbau verschrieben. Die Steillagen von Juval lassen den Einsatz von Maschinen kaum zu, fast alles muss in Handarbeit erledigt werden. Der Standort des Weingutes ist von wilder Schönheit. Über steil abfallenden Bergkämmen stehen Rebstöcke auf einer Höhe zwischen 650 und 850 Meter. Wie der Herr, so seine Reben: Auch sie fühlen sich wohl in dieser Bergkulisse. Wind und Föhn sorgen dafür, dass die Trauben nach Niederschlägen schnell abtrocknen und nicht faulen. Und in der exponierten Lage besondere Aromen ausbilden können.

Martin Aurich ist bekannt für seine Obstschnäpse und die zartgliedrigen Rieslinge, Weißburgunder und Blauburgunder. Sein Müller-Thurgau aus dem Jahrgang 2009 riecht nach Birne, Zitrusfrüchten und Muskatnuss. Im Mund gibt er sich mineralisch und würzig, er zeigt, was in den Höhenlagen Südtirols möglich ist. Müller-Thurgau wird in Südtirol noch auf über 1000 Metern angebaut, es sind spritzige Bergweine, die vom besonderen Kleinklima profitieren mit hohen Tagestemperaturen und kühlen Nächten: Ideale Sommerweine, die auf der Terrasse oder als Aperitif überzeugen.

Südtirol ist der Weißweinspezialist Italiens. Kaum ein anderes Anbaugebiet hat so viele unterschiedliche Rebsorten vorzuweisen. Südtirol bietet ideale Bedingungen für aromatische Rebsorten. Diese Bukettsorten entwickeln hier eine ausgeprägte Aromatik, die klare Berglandschaft findet Ausdruck im Wein. Im Eisacktal stehen die nördlichsten Weinberge Italiens. Hier hat in den letzten Jahren eine kleine Wein-Revolte stattgefunden. Im Eisacktal wachsen einige der besten Weißweine Südtirols. Auch der pfeffrige Veltliner, von Haus aus eines der Markenzeichen Österreichs, bringt es hier zu ausgezeichneter Qualität. Wie beim jungen Winzer Hannes Baumgartner vom Strasserhof in Vahrn, einem der Newcomer unter den Eisacktalern Weißweinspezialisten. Er macht mit frischen, mineralischen und geschliffenen Weinen auf sich aufmerksam.

Längst etabliert in der Spitze der Südtiroler Weinhierarchie hat sich Elena Walch in Tramin. Vor ihrem Weingut fahren gerne Honoratioren aus mitteleuropäischen Ländern in Limousinen und schnittigen Sportwagen vor, um ihre Gefährte mit edlen Weinen zu beladen. Die gelernte Architektin Walch kümmert sich seit 1985 ausschließlich um ihre Weinberge. Ihr Gewürztraminer aus der Lage Kastelaz erzielt regelmäßig Bestnoten, der Chardonnay Cardellino 2010 aus der Einzellage Castel Ringberg imponiert mit Aromen von reifen gelben Früchten. Ein Teil des Mostes wurde im Barrique aus französischer Eiche vergoren. Ein kräftiger und frischer Wein mit reintöniger Brillanz, angenehmer Säure und viel Schmelz im Abgang. Cardellino macht sich gut als Aperitif und harmoniert zu Vorspeisen mit Lachs und Räucherfisch. Ein Wein, der nicht nur Honoratioren schmeckt.

Neben dem populären Gewürztraminer oder dem weltweit hofierten Chardonnay bietet Südtirol interessante Spezialitäten wie den Goldmuskateller. Der wurde vor 2000 Jahren wahrscheinlich von den Römern in Südtirol eingeführt. Einerlei, wer dafür verantwortlich ist, es war eine gute Tat. Trocken ausgebaut, zeigt er sich als formidabler Aperitifwein, wie der Goldmuskateller Campaner 2010 von der Kellerei Kaltern, der mit intensiven Aromen von Pfirsich und Muskat sowie einer verspielter Säure und Frische überzeugt. Falls die Sonne sich mal zeigen sollte: Dieser Wein verschönt jeden Sommertag und begleitet auch gut gewürzte Fischgerichte und Sushi gekonnt.

Neben den weißen Bukettsorten liefern auch die roten Reben Vernatsch und Lagrein, insbesondere als Rosé ausgebaut, aromatische Sommerweine. Vernatsch, in Deutschland auch als Trollinger bekannt, ist der Südtiroler Wein schlechthin. Früher wurde er in großen Mengen gewonnen und in große Flaschen abgefüllt, was dem Vernatsch ein schlechtes Image als Billigfusel einbrachte. Heute zeigt die in den 90er Jahren gestartete Qualitätsoffensive deutlich Wirkung: Der leichte und bekömmliche Alltagswein hat an Charakter und Güte gewonnen. Sein Aromenspektrum reicht von roten Früchten und Beeren über Veilchen bis zu Mandeln und Marzipan.

Ein Erzeuger, der dem Vernatsch seine besten Eigenschaften abgewinnt, ist das Weingut Josef Brigl aus St. Michael/Eppan. Brigls Kalterersee Auslese von 2010 aus der Lage Kaltenburg ist ein leichter, gerbstoffarmer Vernatsch von rubinroter Farbe. Er schmeckt angenehm mild und fruchtig, leicht nach Bittermandel. Er eignet sich, auch leicht gekühlt, für ein frühes Glas. Oder zu Vorspeisen und typischen Südtiroler Gerichten wie Speck und Wurst, aber auch zu weißem Fleisch und mildem Käse.

Ein idealer Sommerwein ist der Lagrein Kretzer vom Weingut Egger-Ramer, einem sympathischen Familienbetrieb im Bozener Stadtteil Gries, wo der Lagrein sich einen Namen gemacht hat. Lagrein zählt zu den autochthonen Rebsorten, die nur in einem bestimmten Gebiet und auf einer kleinen Fläche angebaut werden. Lagrein war mal ein ungeliebtes Stiefkind, heute zählt er in Italien zu den begehrtesten Rotweinen. Auch als Kretzer, wie die Südtiroler ihren Rosé nennen, ist der Lagrein ein Trumpf. Der Kretzer von Winzer Peter Egger ist trocken ausgebaut, ausgestattet mit Aromen von Cassis, Sauerkirsche und Holunder, einer angenehm präsenten Säure und feinem Gerbstoff. Das Besondere ist seine aparte Bitternote, die den Abgang einleitet und dominiert und nach warmen Temperaturen schreit. Mit diesem gelungenen Kretzer fordern wir noch einmal nachdrücklich: Wir wollen endlich Sommer.

Informationen und Bezugsquellen


Informationen unter:

Weingut Unterortl

Weingut/Bauernhof Strasserhof

Weingut Elena Walch

Kellerei Kaltern

Kellerei Josef Brigl

Weingut Egger-Ramer

Bezugsquellen in Deutschland: 

Weingut Unterortl:
Schick & Springer Wein, Kübelstraße 58, 74076 Heilbronn, Telefon 07131-649 98 00,

Weinhandel Werner Knoll, Im Eschert 28, 66386 St. Ingbert, Telefon 0170-415 58 72

Weingut Elena Walch:
Reidemeister & Ulrichs GmbH, Domaines & Châteaux, Konsul-Smidt-Straße 8 J, 28217 Bremen, Telefon 0421-399 41 13

Kellerei Kaltern:
Törggelen Weinimport Gmbh, Humboldtstraße 38, 81543 München, Telefon 089-65 66 24,

Kellerei Josef Brigl:
Weinimport Josef A. Korn, Triebstraße 15-17, 80993 München/Moosach, Telefon 089-149 00 30,

Egger-Ramer:
Weinimport Peter Krämer, Weiherweg 2, 66265 Holz-Saarbrücken, Telefon 06806-859 29

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Autor:
Rainer Schäfer