Italien Sizilien: Ein Wandel in Richtung Ökologie

Sizilien gilt gemeinhin nicht als fortschrittlichste Region Italiens, doch ist nicht zu übersehen, dass sich auf der Insel in den letzten Jahren ein verstärkter Wandel in Richtung Ökologie und Umweltbewusstsein vollzogen hat, vor allem im Bereich Agriturismo. Bauernhöfe und Landgüter wurden auf traditionelle Weise renoviert, und zahlreiche Vermieter bieten ihren Gästen Ökoprodukte zu Frühstück und Abendessen an.

Der Landschafts- und Naturschutz wird immer wichtiger, aus diesem Grund wurden einzigartige Landschaften wie die Cava Grande del Cassibile als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Und immer mehr Aktivisten finden sich, die sich beispielsweise auf Lampedusa um verletzte Schildkröten kümmern. Für Touristen empfiehlt es sich, einige sizilianische Landschaften wie die Madonie oder Nébrodie individuell auf Schusters Rappen zu erkunden. Besonders reizvoll ist auch eine Tour durch das älteste Naturschutzgebiet Siziliens, die Riserva Naturale dello Zingaro. Ein bleibendes Erlebnis ist natürlich auch eine Ätna-Wanderung, allerdings sicherheitshalber immer mit einem autorisierten Führer.

ÜBERNACHTEN

Green Manors
Unweit der Nordküste Siziliens im mittelalterlichen Städtchen Castroreale bietet sich dieses herrliche Anwesen, das von einem sieben Hektar großen parkähnlichen Garten umgeben ist, für einen erholsamen Aufenthalt an. Das Anwesen befindet sich seit Generationen in dem Besitz einer alteingesessenen Familie aus Castroreale. Bei den Umbauten wurden die traditionellen sizilianischen Baustrukturen bewahrt. Die Räumlichkeiten sind sehr geschmackvoll eingerichtet, wuchtige Holzdecken und dickes Natursteinmauerwerk dominieren. Für Frühstück und Abendessen werden biologische Lebensmittel verwendet. Um den großen Swimmingpool gruppieren sich mehrere Liegen. Ausflüge nach Taormina oder zum Ätna lassen sich bequem an einem Tag bewältigen. Info: Castroreale, Via Porticato • Tel. 0909 746515 • 18 Betten • €€

Nacalino
Dieser typische Bauernhof im barocken Südosten Siziliens wurde mit Hilfe traditioneller Techniken und Materialien restauriert. Der Kern des Gebäudes stammt bereits aus dem 18. Jahrhundert, der übrige Teil aus dem 19. Jahrhundert. Die geräumigen Gästezimmer befinden sich in wuchtigen Steinhäusern, die von einem weitläufigen Garten mit uralten Olivenbäumen und Kakteen umgeben sind, in dem für die Gäste Stühle und Tische auf den Freiflächen zur Verfügung gestellt sind. Weitere Unterkünfte (Apartments mit Küchenecke) gibt es in einer acht Kilometer entfernten Dependance. Je nach den eigenen Vorlieben, kann man nur Übernachtung mit Frühstück (selbst gebackenes Brot!) oder Halb- bzw. Vollpension buchen. Selbstverständlich kommen die meisten Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau, die hier und da durch Produkte lokaler Lieferanten ergänzt werden. Info: Módica, C. da Nacalino • Tel. 0932779022 • 53 Betten • €€

Petit Hotel
Wem es zuhause wichtig ist, Energie zu sparen und Biolebensmittel einzukaufen, wird in diesem umweltzertifizierten Hotel auch in den Ferien glücklich werden. Ökologische Grundsätze sind hier mehr als nurLippenbekenntnisse: Bei den Umbauten wurde auf biologische Kriterien Wert gelegt, so nutzt die Klimaanlage Geothermik und leitet die kühle Luft direkt aus dem Untergrund in die Wände. In den Zimmern stehen Naturholzmöbel, die Matratzen sind aus Naturlatex, die Bettwäsche aus unbehandelter Baumwolle, und im Bad liegt eine Ökoseife auf dem Waschbecken. Nachts kann man die Stromversorgung ausschalten, um beim Schlafen keinen elektromagnetischen Strahlungen ausgesetzt zu sein. Zum Frühstück gibt es Fair-Trade-Kaffee, und im Restaurant wird ausschließlich mit biologischen Zutaten gekocht, wobei die Gerichte auch exotische Gaumenfreuden bieten. Auf eine Sonnenterrasse muss man selbstverständlich auch nicht verzichten. Info: Milazzo, Via dei Mille 37 • Tel. 0909286784 • 20 Betten • €€

Villa Nicetta
Dieses im Nébrodi-Gebirge gelegene Landgut aus dem 18. Jahrhundert wurde 2006 zu einem Ferienbauernhof umgebaut. Seither werden neben acht Zimmern auch zwei Apartments vermietet, die allesamt im traditionellen sizilianischen Stil gehalten sind. Auf dem zugehörigen Landgut werden Obst und Gemüse biologisch angebaut, zudem Käse, Wein und Marmelade produziert. Beim Frühstück wie auch beim Abendessen kann man sich von der Qualität der Produkte überzeugen. Zum Bauernhof gehört ein Restaurant,in dem nach Voranmeldung auch Nicht-Hausgäste willkommen sind. Serviert werden ländliche sizilianische Gerichte, die auf der typischen Regionalküche basieren, wobei auch hier Brot, Pasta und alle Desserts aus Ökoproduktion stammen. Info: Acquedolci, Ortsteil Nicetta • Tel. 0941726142 • 24 Betten • €

AKTIVITÄTEN

Cava Grande del Cassibile
Die Ausläufer der Monti Iblei bilden wild zerklüftete, steilwandige Schluchten, genannt "cavas", die von längst versiegten Flüssen tief in den Kalkstein gegraben wurden. Eine Ausnahme ist die im Hinterland von Avola gelegene Cava Grande, auf deren Grund der Fluss Cassibile ein faszinierendes Badeparadies geschaffen hat. Der Abstieg in die 1984 zum Naturschutzgebiet erklärte Schlucht ist verhältnismäßig kurz, der Aufstieg dafür umso kräftezehrender. An den Wänden lassen sich Felsgräber einer sikulischen Nekropole ausmachen, später begeistert die üppige grüne Vegetation mit Platanen, Pappeln und Oleanderbüschen. Den absoluten Höhepunkt bilden mehrere Felsbecken, in denen sich das glasklare, türkis schimmernde Wasser des Cassibile aufstaut und die durch kleine Wasserfälle miteinander verbunden sind. Angesichts der trockenen, ausgedörrten Landschaft im sizilianischen Sommer muss man beim Anblick des Talgrunds unwillkürlich an den Garten Eden denken.

Centro di Recupero Tartarughe Marine
Das vor der Südküste Siziliens gelegene Lampedusa wird von Naturliebhabern auch als Schildkröten-Insel (Isola di Tortuga) geschätzt, da hier die Karettschildkröte ("caretta caretta") ihre Eier ablegt. Die Caretta-Schildkröte ist eine von drei Arten, die noch im Mittelmeer zu finden und stark bedroht sind, da ihr Lebensraum immer kleiner wird. Ausgewachsen kann sie bis zu 120 Zentimeter groß werden und mehr als zwei Zentner auf die Waage bringen. In Zusammenarbeit mit der Umweltstiftung WWF wurde auf Lampedusa ein Schildkrötenzentrum eingerichtet, in dem jedes Jahr rund 400 Tiere gepflegt und, wenn nötig, operiert werden. Die meist in Schleppnetze geratenen Schildkröten werden in verschiedenen Becken aufgepäppelt, bevor sie wieder in den Gewässern vor Lampedusa ausgesetzt werden. Außerdem bewachen die freiwilligen Mitarbeiter zwischen Juni und September die Strände. Da die Schildkröten ihre Eier immer dort ablegen, wo sie geboren wurden, ist es für die Arterhaltung wichtig, die im Sand vergrabenen Nester zu schützen. Das Zentrum kann man zu wechselnden Zeiten besuchen und sich über die Arbeit der Helfer informieren, dazu gehört auch ein kleines, sehenswertes Schildkröten-Museum.

Vulkanwanderungen am Ätna
Für viele Sizilienreisende gehört eine Wanderung am Ätna zu den faszinierendsten Naturerlebnissen, die die Insel zu bieten hat. Da der Ätna ein aktiver Vulkan mit zahlreichen Nebenkratern und Spalten ist, sollte man die Gipfelregion keinesfalls ohne Führer und auf eigene Faust erkunden. Immer wieder kommen unvorsichtige Touristen, die sich im unübersichtlichen Terrain zwischen Nebelschwaden und Schwefeldämpfen verlaufen, ums Leben. Es ist daher un bedingt zu empfehlen, sich einem professionellen Vulkanführer anzuvertrauen, der nicht nur über hervorragende Ortskenntnisse verfügt, sondern dem interessierten Wanderer auch die Geologie und die Besonderheiten des Vulkanismus erklären kann. Je nach bestehender Wetterlage wird entschieden, welcher Gipfelkrater besucht wird. Gute Kondition, Schwindelfreiheit und eine angemessene Ausrüstung sind Voraussetzung für eine Tour zu den rauchenden Vulkanschlünden. Statt bis zum Gipfel zu wandern, gibt es aber auch die Möglichkeit, Touren zu den Schauplätzen der letzen Eruptionen zu buchen, wobei man Lavagleithöhlen besucht und die Flora und Fauna der Region kennenlernt. Je nach Veranstalter gestalten sich die Touren unterschiedlich. Manche starten am Rifugio Sapienza. Bei manchen Veranstaltern werden die Reisenden auch in Catánia oder in Taormina abgeholt.

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Dieser Text von Ralf Nestmeyer ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Sizilien und Liparische Inseln".

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