Istanbul Zwischen Moderne und Tradition

Es gibt Tage, da könnte man meinen, Pera sei kein Teil von Beyoglu, sondern eine Nervenklinik unter freiem Himmel. Auf der Istiklal Caddesi, der Straße der Unabhängigkeit, prallt Tag und Nacht millionenfach alles aufeinander, was in der Türkei nicht zusammengehört: fromme Fundamentalisten und überschminkte Transsexuelle, verschleierte Frauen und russische Prostituierte, die Jeunesse dorée der Stadt und bitterarme Straßenkinder, Zigeuner und Konsulatsbeamte.

Wenn man geradeaus guckt, stolpert man über den Beinstumpf eines Bettlers, wenn man auf seine Füße schaut, rennt man in eine komplett verhüllte Oma. Es schreien die Losverkäufer und Schuhputzer, es brüllen die Muezzine und Türsteher, aus jedem Laden dröhnen die Dezibel. Beschallt mal von Techno, mal von Volksmusik, mal von Polizeisirenen, und hin- und her geschoben von Menschenmassen, Müllwagen und Fernsehteams, die hier ununterbrochen Volkes Stimme aufnehmen, fühlt man sich wie im Schleudergang einer Waschmaschine.

Dann ist es Zeit, einen stillen Ort zu suchen - die armenische Kirche am Fischmarkt etwa, wo man fernab vom Getöse verschnaufen kann. Oder den Hof der griechisch-orthodoxen Hagia Triada am Taksim-Platz, wo Hunde, Katzen, eine Hühnerschar nebst angeberischem Gockel und einige Gänse einem das Gefühl geben, sich inmitten der 17-Millionen-Stadt auf einem Bauernhof entspannen zu können. Oder man besucht eines der vielen Cafés auf den Dächern von Pera und bestellt selbst gemachte Limonade, doch kaum schickt man sich an, den Blick über die Moscheen auf der anderen Seite des Goldenen Horns zu genießen, beginnt der Barde vom türkü evleri gleich nebenan mit seinem Geschluchze über die Liebe und das Leben.

Türkü Evleri sind "Häuser der Volksmusik", und davon gibt es viele in Pera. In Pera gibt es ohnehin von allem zu viel. "Früher war das Viertel von einer Eleganz, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann, und die Istiklal, die einst Grande Rue de Pera hieß, war mindestens so schön wie das Faubourg Saint-Honoré in Paris", sagt Arlette Diamantstayn, Inhaberin eines Juwelierladens gleich neben dem niederländischen Konsulat. "Ich musste Spitzenhandschuhe und Strohhut tragen, wenn ich ausging. Die Frauen trugen Seidenstrümpfe, die Männer Anzüge, und kein Mensch hätte sich in Sandalen auf die Straße getraut. Wenn man überhaupt ein Kopftuch sah, dann war es von Hermès."

Draußen flanieren, marschieren, rennen oder rempeln gegelte Jungs, gepiercte Mädchen, Männer, die eigentlich Frauen sind, Frauen mit Kopftüchern und Plastiktüten, bärtige Männer mit gehäkelten Mützen und Gebetsketten, Kinder jeden Alters und Touristen aus aller Herren Länder von links nach rechts und von rechts nach links. Drinnen, in der Kühle einer Klimaanlage, blickt Madame Arlette inmitten von Goldketten, Perlencolliers und winzigen Jugendstil-Armbanduhren angeekelt durch ihr Schaufenster und ringt die Hände.

Während sie ein Armband in der Vitrine zurechtrückt, erinnert sie sich traurig: "Nur gute Familien lebten hier. Gute christliche Familien, gute jüdische Familien, gute muslimische Familien. Wir waren kosmopolitisch, aber wir waren unter uns. Es gab herrliche Bälle im Cercle d'Orient und im Club Suisse. Die sind längst umgezogen, und ihre Mitglieder auch. Niemand lebt mehr hier." Erbost blickt sie auf ein Paar draußen vor der Scheibe - sie bis zur Nasenspitze in schwarze Tücher gehüllt, er im Jogging-Anzug - das sehnsüchtig in ihr Schaufenster starrt. "Die kennen gar nicht den Unterschied zwischen einem Eimer aus Plastik und einer Schüssel aus Silber."

Konstantinopel, erste multikulturelle Welthauptstadt

Pera bedeutet auf griechisch "Jenseits ". Gemeint ist damit nichts Spirituelles, sondern einfach nur der Hügel jenseits des Goldenen Horns. Auf der einen Seite residierten einst die Kaiser von Byzanz, auf der anderen die Genuesen. Die kontrollierten den Handel des Imperiums und hatten in Pera eine blühende Kolonie aufgebaut. Damals wie heute wurde die Skyline dominiert vom 1348 gebauten Galata-Turm.

Als Mehmet der Eroberer 1453 Konstantinopel und Pera besetzte, machte er die Bewohner des Hügels zu Schutzbefohlenen des Osmanischen Reiches. Sie durften ihre "Riten und Gebräuche" beibehalten, doch wurde ihnen das Läuten der Kirchenglocken verboten, Konkurrenz zum Gebetsruf des Muezzins war nicht erwünscht. Ansonsten aber waren dem Sultan die "Süßwasserfranken", wie die Türken die Italiener Istanbuls nannten, willkommen.

Und nicht nur sie: Armenier, Griechen, verfolgte Juden und vertriebene Mauren aus Spanien waren allesamt herzlich eingeladen, sich in der neuen Hauptstadt des aufstrebenden Reiches anzusiedeln. Während in Europa Andersgläubige ausgestoßen und Ketzer verbrannt wurden, garantierte Sultan Mehmet den nicht-muslimischen Minderheiten Religionsfreiheit. Konstantinopel wurde die erste multikulturelle Hauptstadt der Welt, und nirgendwo war das so zu spüren wie rund um den Galata-Turm.

Zu den Genuesen gesellten sich Florentiner und Venezianer - in Pera wurde alljährlich Karneval gefeiert, getanzt "bis der Marmor schmolz", wie ein Zeitgenosse notierte, und generell so gelebt, dass "man denkt, man sei in Italien", wie ein anderer fand. In der Folgezeit zogen auch andere Westeuropäer sowie Griechen, Armenier und Juden zu. "Die Griechen betreiben die Tavernen, die meisten Armenier sind Kaufmänner oder Geldwechsler, die Juden vermitteln bei amourösen Intrigen, und ihre Jugendlichen sind die schlimmsten Anhänger des Lasters", berichtete ein muslimischer Zeitzeuge. Die Frauen von Pera stolzierten schon damals so aufgetakelt durch die Gegend, "dass sie aus jedem Heiligen einen Teufel machen können ", wie es über sie hieß.

Inzwischen reichte das osmanische Imperium von Marokko bis Mesopotamien und von Polen bis zum Jemen. Jeder Staat, der etwas auf sich hielt, schickte Botschafter an den Bosporus. Die ersten, die eine ständige Vertretung in Pera eröffneten, waren 1535 die Franzosen, es folgten die Venezianer, Niederländer, Polen, Briten, Österreicher, Preußen, Russen, Schweden. So wurden die Felder nördlich und östlich vom Galata- Turm nach und nach urbanisiert.

Die ausländischen Diplomaten residierten in prunkvollen Palästen rund um die Grande Rue de Pera, umgeben von einem Hofstaat. Wenn etwa der französische Botschafter vom "Palais de France" zur Ostermesse in die Kirche Saint Louis gleich um die Ecke aufbrach, bahnten ihm osmanische Janitscharen sowie so genannte jeunes de langue, Vorläufer von Erasmus-Studenten, die aus Frankreich nach Istanbul geschickt worden waren, um orientalische Sprachen zu lernen, den Weg. Anschließend folgte der Ambassadeur hoch zu Ross - die Straßen waren zu steil und schmal für Kutschen -, gefolgt von Lakaien, seiner Familie, seinem Haushalt und sämtlichen Franzosen Istanbuls.

Vermutlich wurden vor dem Kirchgang die Leichen entfernt, die gelegentlich am Portal des französischen Gerichts hingen. Dort ist heute der Kindergarten Pierre Loti untergebracht. Aber noch immer steht an der Fassade: "Force, Lois, Justice", also "Stärke, Gesetz, Justiz"; von "Liberté, Égalité, Fraternité" war damals noch nicht die Rede. Die wechselnden Sultane räumten den europäischen Mächten weitreichende Privilegien ein, die in so genannten "Kapitulationen" festgelegt waren. Dadurch genossen die Ausländer nicht nur Handelsvorteile, sondern konnten noch dazu nach ihren eigenen, nationalen Gesetzen leben.

In Pera ging es zu wie beim Turmbau zu Babel

Um jede Botschaft herum gab es einen Speckgürtel von Spionen, Übersetzern, Ärzten, Missionaren, Kaufleuten, Handwerkern und Kirchen. Auf den Straßen ging es zu wie beim Turmbau zu Babel. "In Pera sprechen sie Türkisch, Griechisch, Hebräisch, Armenisch, Arabisch, Persisch, Russisch, Serbokroatisch, Rumänisch, Niederländisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch und Ungarisch", schrieb 1718 Lady Mary Wortley Montagu, Gattin des britischen Gesandten. "Und was noch schlimmer ist: Mindestens zehn dieser Sprachen werden auch in meinem Haushalt gesprochen. Meine Kammerdiener sind Araber, meine Lakaien Franzosen, Engländer oder Deutsche, mein Kindermädchen ist Armenierin. Meine Dienstmädchen sind Russinnen, mindestens die Hälfte der anderen Dienstboten Griechen. Mein Kutscher ist Italiener, und meine Janitscharen sind Türken."

Weil es im Osmanischen Reich keinen Herrscherhof im westlichen Sinne gab, füllten die Botschaften die gesellschaftliche Lücke. Zu den prächtigen Diners in Pera gesellten sich gelegentlich auch osmanische Würdenträger, selbstverständlich ohne Frauen, die in Harems eingesperrt waren. Hier konnten die Türken sehen, wie die Europäer lebten - und tranken. Manchmal hoben sie ihre Weingläser sogar "auf das Wohl des Propheten", wie ein russischer Diplomat erstaunt zur Kenntnis nahm, und dabei gelegentlich so viel, dass auf dem Heimweg "selbst die breitesten Straßen zu eng für sie wurden."

Selbst das große Feuer von 1831 machte Pera nicht den Garaus, im Gegenteil. Die Botschaften wurden noch pompöser wieder aufgebaut. Schulen für die Europäer schossen aus dem Boden; in den meisten wurde auf Französisch unterrichtet, was nach dem Italienischen zur lingua franca des Hügels geworden war. So entstanden die Gymnasien Saint-Benoît, Sainte-Pulchérie und Notre Dame de Sion, aber auch das Lycée Impérial Ottoman de Galata-Sérai, gegründet 1868 von Sultan Abdülaziz.

Auf dem heutigen Galatasaray Lisesi wurden ganze Generationen von osmanischen und später türkischen Ministern und Diplomaten auf Französisch ausgebildet, des weiteren König Zogu von Albanien und Jitzhak ben-Zvi, zweiter Präsident von Israel, sowie der in seiner Heimat lange Zeit verfemte türkische Dichter Nâzim Hikmet.

Auch die Bankalar Caddesi entstand, die Straße der Banken. Die Geldinstitute hinter den heute noch prächtigen Fassaden waren fest in der Hand von Europäern und Levantinern, die am Niedergang des hoch verschuldeten osmanischen Imperiums ziemlich viel Geld verdienten, und einen kleinen Teil davon gelegentlich wieder verteilten. Zum Beispiel der jüdische Bankier Albert de Camondo. Der "Rothschild des Ostens" hinterließ Pera nicht nur die berühmte Camondo-Treppe, sondern gründete auch die erste säkulare jüdische Schule Istanbuls, weswegen er von fanatischen Rabbinern erst exkommuniziert, anschließend verprügelt wurde. Danach zog er enttäuscht nach Frankreich.

1856 bekam das Viertel als erster Stadtteil Istanbuls Gaslampen, zwanzig Jahre später wurde hier die winzige U-Bahn-Strecke gebaut, eine der ersten weltweit, "Tünel" genannt. Noch heute keucht sie den Berg zwischen Karaköy und der Istiklal Caddesi hoch.

Die Grande Rue de Pera wurde zu einer Art Paris in Kleinformat: Die Läden hießen "La Maison des Modes Françaises", die Gaststätten trugen Namen wie "Café Chantant Parisiana ", und als die überdachte Passage "Cité de Pera" im Jahre 1876 eröffnet wurde, befand die örtliche Zeitung, sie sei "ein Monument, auf das selbst Paris stolz wäre".

Als 1889 erstmals der Orient-Express von Paris nach Istanbul schnaufte, profitierte davon nicht Sirkeci, wo der Bahnhof lag, sondern Pera: Hier hatte die Compagnie Internationale des Wagons-Lits das hochelegante "Pera Palace Hotel" eröffnet. In Istanbuls erster Luxus-Herberge residierten in der Folgezeit Mata Hari, Agatha Christie, Sarah Bernhardt und Leo Trotzki. Später kam das "Grand Hotel de Londres " hinzu, das heute "Büyük Londra Oteli" heißt und in Fatih Akins Film "Crossing the Bridge" zu sehen ist.

Während Pera glänzte und protzte, verkam das islamische Istanbul. Die muslimischen Bewohner fühlten sich damals im zu drei Vierteln von Christen bewohnten Teil ihrer Stadt wie heute die armen Anatolier vor Madame Diamantstayns Schaufenster: ausgeschlossen. "Wir sind Zuschauer geblieben, während unser Handel, unsere Wirtschaft und selbst unsere Hütten den Ausländern gegeben wurden", hatte Ziya Pasa schon 1868 in der osmanischen Zeitung Hürriyet geschrieben.

"Verschleiere dich und schlafe für immer, Hure der Welt", dichtete später Tevfik Fikret über den Hügel am Goldenen Horn, wo "die westliche Zivilisation all ihren Abschaum hingekippt hat", so der Journalist Yakup Kadri. Das Osmanische Reich starb, stranguliert auch von Pera, jener Stadt in der Stadt, deren Bewohner, geschützt durch ihre ausländischen Pässe und Privilegien, einen übermächtigen Einfluss ausübten.

1955 fließt der Hass wie Lava durch die Straßen

1908 putschten sich die Jungtürken an die Macht, die sich im Ersten Weltkrieg mit den Deutschen verbündeten, weswegen im November 1918 über 3500 britische, französische, italienische und griechische Soldaten Istanbul besetzten. Den Militärs folgten nach dem endgültigen Triumph der Roten Armee 150 000 verarmte russische Flüchtlinge. Die "Cité de Pera" wurde umgetauft in Blumenpassage, wegen der vielen Russinnen, die hier Nelken feilboten und manchmal auch sich selbst.

1923 schrieb eine Gruppe von ehrbaren osmanischen Witwen an den Gouverneur von Istanbul, er möge "die Agentinnen der Sünde und des Verfalls" unverzüglich ausweisen. "Sie sind zerstörerischer als Syphilis und Alkohol." Allein zwischen Tünel und dem Taksim-Platz gebe es "25 russische Bars", allesamt Orte, "in die hunderte von jungen Türken jede Nacht ihren Reichtum, ihre Gesundheit und ihre Ehre tragen".

All das hatte ein Ende, als im Oktober 1923 die letzten ausländischen Truppen die Stadt verließen. General Mustafa Kemal, in der Folgezeit "Atatürk ", "Vater aller Türken", genannt, hatte Anatolien befreit. Gut zwei Wochen später wurde die Türkische Republik ausgerufen, schon davor war Ankara zur neuen Hauptstadt auserkoren worden. Istanbul, 1528 Jahre Mittelpunkt zweier Imperien, war degradiert. "Vielleicht wird das Schwarze Meer in den Bosporus fließen und alles überfluten", wünschte sich der neue Landesvater.

Doch nichts dergleichen geschah, zum Glück. Zwar wurden aus den Botschaften Konsulate, und Tausende von Griechen, Arabern, Juden, Russen und Armeniern kehrten der Stadt für immer den Rücken. Doch viele blieben, etwa Arlettes jüdischer Vater Jakup Diamantstayn, der 1915 aus der Donaumonarchie nach Istanbul gekommen war und sein Juweliergeschäft hier eröffnet hatte. Er ging auch nicht, als die Türkei den Minderheiten 1942 eine Vermögenssteuer von bis zu 232 Prozent abpresste, was einen weiteren Exodus zur Folge hatte.

"Der Stadtteil blieb trotzdem polyglott ", sagt Madame Arlette. "Wir sprachen deutsch zu Hause. Französisch habe ich auf Notre Dame de Sion gelernt, und unser Kindermädchen sprach griechisch. Doch dann kam der 6. September 1955, und das war das Ende vom Pera meiner Kindheit." Ein staatlich gelenkter Mob verwüstete Kirchen, Friedhöfe, Schulen sowie die Geschäfte der Griechen, und bei der Gelegenheit auch alles, was anderen Minderheiten gehörte. "Der Hass floss wie Lava durch die Straßen ", schrieb James-Bond-Erfinder Ian Fleming, der sich damals in Istanbul aufhielt. "Die Istiklal-Straße war ein einziges Trümmerfeld", so Madame Arlette. "Unser Schaufenster war zerschlagen, unser Schmuck war weg. Nie mehr hat sich mein Vater von diesem Schock erholt. Ein paar Wochen später hatte er einen Herzinfarkt, zwei Jahre später war er tot."

Nach dem Pogrom verließen Hunderttausende von türkischen Griechen ihre Heimat. Ihre Häuser wurden von Landflüchtlingen aus Anatolien besetzt; Pera verarmte und verkam. Mitte der achtziger Jahre war das Viertel ein Slum. Wer hierher ging, wollte sich entweder in räudigen Bars betrinken oder in der staatlich kontrollierten Bordellstraße vergnügen. Nur die ausländischen Gymnasien, jetzt von türkischen Bürgerskindern besucht, die Konsulate und die meist leeren Kirchen legten Zeugnis ab vom alten Charakter der Gegend. "Es gibt nur eine Möglichkeit, diesen Pfuhl der Sünde zu beseitigen. Mit Bulldozern drübergehen!", fand ein Journalist.

Statt dessen wurde die Istiklal-Straße Anfang der neunziger Jahre für den Verkehr gesperrt, und eine alte Trambahn wiederbelebt. Restaurants, Boutiquen und Bars mit atemberaubendem Blick über die Stadt machten auf. Heute ist das Viertel wieder hip. "Aber elegant ist es nicht!", sagt Madame Arlette. "Pera ist tot, zertrampelt von Horden aus Anatolien." Womit sie Recht hat, einerseits.

Andererseits spielt das auch keine Rolle, denkt man auf dem Weg durchs Viertel, vorbei an Kirchen und Moscheen, an einer Demonstration für die Rechte der Kurden und einer anderen dagegen, an wunderschönen alten Häusern und leprösen Betonklötzen. Hier wächst zusammen, was nicht zusammenpasst. Hier entzweit sich, was füreinander bestimmt war. Wie der türkisch- griechische Schriftsteller Georgios Theotokas einst schrieb: "Es ist ein Ball der Wahnsinnigen."

Autor:
Stefanie Rosenkranz