Türkei Istanbul: Umweltfreundlicher Urlaub

Das Privileg des ökologischen Weges Dass "ökologisch" auch "Lebensqualität" bedeutet, stimmt. In einer Stadt wie Istanbul bedeutet das, dass ökologische Angebote vor allem jenen vorbehalten sind, die es sich leisten können - so krass kann man das im Fall dieser Stadt sagen, in der die Schere zwischen arm und reich weit auseinandergeht.

Die Metropole umweltverträglich umzubauen, ist noch nicht einmal als Vision angedacht. Für die Türkei hat Entwicklung Vorrang. In der neoliberalen Wirtschaftsordnung muss für ökologisch Sinnvolles privat gezahlt werden. Widersprüchlich bleibt dabei: "Bio" ist etwas für die, die auch dann noch Geld für gesunde Ernährung übrig haben, wenn alle anderen Ausgaben für das tägliche Leben getätigt sind.

Die Recycling-Quote der Stadt allerdings ist phänomenal: Dank den vielen armen Zuwanderern, die die Mülltonnen der Stadt tagtäglich nach Wiederverwertbarem durchkämmen. Andererseits ist Istanbul mediterran: das heißt, dass die Natur freundlich sein kann. Den Weg zu diesen schönen Dinge zu finden, sollen die nachfolgenden Hinweise helfen. Auch hier hat Istanbulmehr zu bieten, als man denkt!

Übernachten

Armada Hotel

Das Armada Hotel macht das Beste aus der Geschichte seines Grundstücks: In seiner Architektur erinnert es an Marinekasernen des 16. Jh. Und an einen alten Palast, die hier einst standen, und deren Grundmauern heute zum Teil noch zu sehen sind. Osmanisches überall, und dazu der Versuch, höchsten Komfort mit der Einfachheit natürlicher Materialien zu vereinbaren: das reicht von Seife aus Olivenöl bis zur Verwendung reiner Baumwolle bei den Textilien im Bad. Ähnliche Sorgfalt gilt auch für Küchen in den verschiedenen Restaurants, die vorwiegend organisch angebaute Speisen anbieten; besonders das zum Hotel gehörende, aber im Nebengebäude liegende Restaurant Giritli ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

• Sultanahmet • Ahirkapi Sk. 24 • Vorortbahn Cankurtaran • Tel 02 12/ 4 55 44 55 • 110 Zimmer • €€

Essen und Trinken

Çiya

Eine Erfolgsstory: Der im mesopotamischen Nizip geborene Musa Dagdeviren eröffnete nach einer Karriere als Koch 1987 in Kadköy eine erste Gaststätte, die Kebap servierte - und "kebap salonus" sind oft Gaststätten, in denen ohne besondere Eleganz oder Sorgfalt Fleischspeisen zubereitet werden. Hier aber lief es anders: Der auch küchenhistorisch interessierte Besitzer kochte und briet zu dem "normalen" Angebot Dinge nach, die es nur noch in alten Rezeptbüchern und auf dem Herd von Familien in der tiefsten Provinz gab. Der Erfolg gab ihm recht: Heute gibt es drei Restaurants nebeneinander, die alle Çiya heißen und die anatolische Küche vom Feinsten bieten. Wichtig dabei: Die Sorgfalt auch bei der Auswahl der Materialien, die oft aus traditionellem oder ökologischem Anbau stammen. Eine besondere Attraktion sind die "'erbet" genannten Frucht- und Gewürzgetränke: von Obstsäften und Cola- Getränken sonst völlig verdrängte Genüsse der osmanischen Küche, die unbedingt probierenswert sind.

• Trambahnhaltestelle Bahariye - Kadiköy • Caferaga Mah. Güneslibahce Sk. 48/B • Tel. 02 16/3 36 30 13 • €€

Çiya Kebap 2: Kadiköy • Caferaga Mah. Güneslibahce Sk. 44 • Tel. 02 16/ 4 18 51 15

Çiya Sofras: Kadiköy • Caferaga Mah. Güneslibahce Sk. 43 • Tel. 02 16/3 30 31 90

Cuppa

Cuppa ist eine Saftbar in Cihangir, dem In-Viertel in der Nähe des Taksim-Platzes (eine Filiale hat im Einkaufszentrum Kanyon in Levent eröffnet). Es serviert frische Säfte und gesundes Essen, außerdem vieles, was mit Weizen zubereitet wird (aber kein Alkohol). Dieses Etablissement ist das richtige, um in entspannter Atmosphäre aufzutanken nach einem anstrengenden Gang durch die Stadt! Eine Vielzahl von Cocktails geht auf jede Stimmung und körperlichen Bedarf ein; der Körper regeneriert sich bei einem "Mr Spock" tatsächlich ganz anders als bei einem "Istanbul Green"! Nicht alle Zutaten sind aus biologischem Anbau, aber auf Frische und Qualität wird höchster Wert gelegt.

• Cihangir • Yeni Yuva Sk. 26/5 • Verkehrsknotenpunkt Taksim • Tel. 02 12/ 2 49 57 23 • €€

Zencefil

"Zencefil" heißt "Ingwer" und tatsächlich handelt es sich hier um ein Restaurant, das vegetarische Variationen auf die türkische Küche versucht, originell und mit Mut zu überraschend gelungenen Würzkombinationen: mit der Rechnung kommen zuckerüberzogene Koriandersamen. Dazu gibt es für den, der will, Wein aus der Winzerei Melen, die in Thrakien besonders sorgfältige Vinokultur betreibt. Die meisten Produkte, die verwendet werden, kommen aus ökologischem Anbau. Das Zencefil liegt in einer Nebenstraße parallel zur Istiklâl Caddesi, in einem alten Gewölbe; im Sommer hat auch ein winziger Garten geöffnet. Einziger Nachteil: Das Restaurant schließt leider schon recht früh, um 22 Uhr 30; und Sonntags ist es ganz zu.

Zencefil • Beyoglu • Kurabiye Sk. 3 • Verkehrsknotenpunkt Taksim • Tel. 02 12/ 2 44 40 82 • €€

Einkaufen

Baharat - Gewürzhändler

Orientalische Küche wird ja gerne mit der ausführlichen Verwendung von Gewürzen assoziiert, oft mehr, als die türkische Küche einlöst. Trotzdem gibt es eine reiche Kultur der Spezereien, die immer noch in eigenen Läden verkauft werden. Diese bieten nicht nur verschiedene Sorten schwarzen und roten Pfeffers, Kreuzkümmel und Thymian an, sondern auch eine Menge anderer Dinge, die Gesundheit und Schönheit fördern: Naturkosmetik etwa, zu der auch Henna gehört, oder Stärkungspasten wie das berühmte "mesir macunu" - allerdings nicht nach dem Originalrezept des 16. Jh., in dem Opium dominierte. Dazu kommen Trockenfrüchte (auch ungeschwefelt), Trockengemüse (z. B. Tomaten), natürliche Ölseifen (Olive und Lorbeer etwa) und Dinge wie Granatapfelsirup. Die Händler sind oft richtiggehend Volksmediziner, die wissen, welcher Tee oder Sud wogegen hilft. Im Ägyptischen Basar ist oft nicht genug Zeit, mit so einem "aktar" zu reden; an anderen Plätzen schon. Hier seien zwei genannt, die besonders gut sind :

Çengelköyü Baharatçisi

Çengelköy • Kalantor Sk. 13 • Anlegestelle Çengelköyü • Tel. 02 16/5 57 76 48

Sifa Baharatçisi Celalettin Sancar

Fatih • Bas Imam Sk. 15 Malta Çarsisi • Busstation Fatih • Tel. 02 12/5 21 63 35

Bakkal

Ökologisch einkaufen? Das ist in Istanbul durchaus nicht immer einfach: versteckt liegen ein paar Läden am Rande von Einkaufszonen. Einer aber, der sich auf Türkisch stolz als "Krämer" bezeichnet, hat seinen Laden mitten in der Stadt: gleich gegenüber dem oberen Ausgang des Tünel. Hier gibt es auch solche Dinge wie Vollkornbrot aus der österreichischen Bäckerei der Stadt, ökologische Müsliriegel und manches mehr, worauf mancher ungern verzichtet.

Beyoglu • Tünel Meydani, Tünel Gecidi Ishani C Blok, No. 14 • Verkehrsknotenpunkt Tünel • Tel. 02 12/2 51 97 26

Pazar

Istanbuls einziger ökologischer Wochenmarkt wird jeden Samstag ab 10 Uhr vormittag abgehalten: mit Aktivitäten am Rande wie Bastelkursen für Kinder und vielem mehr. Das ganze ausgerechnet im dichtbesiedelten ili im Erdgeschoss eines Parkhauses, das aber im Sommer Schatten, im Winter Schutz vor Regen bietet. Hier gibt es nicht nur Obst und Gemüse, sondern natürlich auch Brot vom Bauern, Oliven und Marmeladen. Die besten Produkte anatolischer Erde - auch als Mitbringsel geeignet.

• Sisli • Lala Sahin Sk. • Metro-Station Sisli-Mecidiyeköy, Ausgang Sisli, rechts in die Silahsör Cad., 3. Querstraße links

Aktivitäten

Atatürk Arboretum

Das "Baummuseum" Istanbuls in der Nähe der von den Osmanen im Belgrader Wald errichteten Aquädukte - eine Wanderung zu diesen ergänzt übrigens den Besuch des Arboretums ganz vorzüglich. Hier wird auf fast 300 Hektar der biologische Waldbestand Istanbuls gezeigt und bewahrt, aber auch Baumsorten, die in der Türkei in den letzten Jahrzehnten heimisch geworden sind: Ein Forschungs- und Besucherpark der Fakultät für Forstwissenschaft der Universität Istanbul. Während man zur Abwechslung gesunde Waldluft atmet, kann man hier nachvollziehen, welchen Reichtum an Wäldern es in dieser vom Klima so verwöhnten Gegend geben könnte. An Feiertagen und Wochenenden ist das Gelände nur mit Jahreskarte zugänglich.

Bahçeköy • Orman Içi Bahçeköy Kilyos Yolu • Busse 42 T, 42, 42 M und 135 vom Taksim-Platz, der Metrostation 4. Levent und Sariyer •Tel. 02 12/2 26 19 29

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Dieser Text von Christoph K. Neumann und Michael Neumann ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Istanbul"