Space Center Houston Astronaut sein im NASA Besucherzentrum

Brian Edwards steuert bedächtig das Space Shuttle. Locker umfasst der 39-Jährige den Steuerknüppel und schaut konzentriert auf die Landebahn, die nur noch wenige Kilometer vor ihm liegt. Plötzlich meldet sich das Kontrollzentrum über Funk. Irgendetwas stimmt nicht. Edwards ist zu schnell und das Shuttle fliegt im falschen Winkel an. Hektik bricht aus. Der Pilot korrigiert noch einmal panisch den Kurs, doch der Crash ist unausweichlich. Als Kind wollte Brian Edwards immer Astronaut werden. Zum Glück entschied er sich für den Beruf des Anwalts. Der Mann aus San Francisco hat nun bereits zum fünften Mal hintereinander den Simulator zum Absturz gebracht. Sein elfjähriger Sohn Peter steht hinter ihm und lacht voller Schadenfreude.

Im Space Center in Houston werden für viele Väter Träume wahr. Den Wunsch, einmal Astronaut zu sein, kann sich hier jeder zumindest im Ansatz erfüllen. 20 Dollar kostet ein Ticket für Erwachsene. Für den Preis gibt es im dem offiziellen Besucherzentrum der NASA alles außer Schwerelosigkeit. Wer diese auch noch erlangen möchte, der kann ja für sechs Minuten im All dem Milliardär Richard Branson 200.000 Dollar zahlen. Vorausgesetzt dessen private Spaceline Virgin Galactic beginnt irgendwann mit dem Boarding. Brian Edwards hat keine 200.000 Dollar übrig. Ihm reicht das Space Center. "Ist das nicht unglaublich hier", sagt er und strahlt wie ein kleines Kind im Süßwarenladen.

In den USA sind Astronauten noch wahre Helden. Auch wenn schon lange keiner mehr von ihnen auf dem Mond gelandet ist. Man ist stolz auf die Männer und Frauen, die tapfer dorthin gereist sind, wo vor ihnen nur wenige Menschen waren. Eine riesige Fotogalerie im Space Center erinnert an jeden einzelnen, der mal an Bord einer Rakete oder eines Space Shuttles war. Und an der Wand ist noch viel Platz für weitere Bilder.

"Wo ist John Watts Young?", murmelt Brian Edwards und sucht das Porträt von seinem Jugendhelden, der genau wie er aus San Francisco stammt. Young nahm sowohl am Gemini- als auch am Apollo-Programm teil und war einer von zwölf Menschen auf dem Mond. Als der Anwalt sein einstiges Idol entdeckt, möchte er es dem Sohnemann zeigen. Der interessiert sich jedoch mehr für die ein paar Meter weiter ausgestellten Weltraumanzüge als für alte Fotos.

Die Angst vor dem Asteroiden

Seit 1992 gibt es das Space Center in Houston. 75 Millionen Dollar hat der knapp 17.000 Quadratmeter große Komplex die NASA gekostet. Mehr als elf Millionen Besucher sind seitdem hier gewesen. Das Space Center ist mehr Freizeitpark als klassisches Museum. Simulatoren, IMAX-Kino, Multimedia-Shows und ein großer Kinderspielplatz - Edutainment heißt das Zauberwort, und die Mischung aus Unterhaltung und Unterricht funktioniert.

Natürlich gibt es auch allerhand Exponate aus der langen NASA-Geschichte zu bestaunen. In passender Kulisse stehen unter anderem nicht nur ein echter Mondbuggy, sondern auch die original Raumkapseln von Mercury 9 und Gemini 5. Das größte Heiligtum ist der Raum mit den Mondsteinen. Ein kleines Fragment, das wohl ähnlich aufwendig wie die britischen Kronjuwelen vor Diebstahl geschützt wird, darf man sogar berühren.

Eine Tour mit einer kleinen Bimmelbahn führt über das weitläufige Außengelände der NASA zum historischen Mission Control Center. Manchmal geht es auch zum Neutral Buoyance Laboratorium, in dessen riesigem Schwimmbecken die Astronauten unter Wasser das Arbeiten in der Schwerelosigkeit üben. Heute sind allerdings keine Weltraumfahrer in Sicht. Brian und Peter sind ein wenig enttäuscht. Dafür sorgt auf dem Rückweg der Besuch des Raketenparks mit einer gigantischen Saturn V aus den 1970er Jahren für Begeisterung. "Wernher von Braun hat das Gerät entworfen", weiß Brian zu berichten.

Im IMAX-Kino übt sich die NASA derweil in reißerischer Propaganda. Eigentlich soll es in dem Film "Inside the Space Station" um ebendiese Forschungseinrichtung im All gehen, doch die Weltraumbehörde schlägt lieber in eine andere Kerbe. Ein besorgt dreinblickender Wissenschaftler erläutert fürs Publikum, warum die USA und insbesondere die gesamte Erdbevölkerung dringend ein Weltraumprogramm brauchen - damit die Menschheit nicht wie einst die Dinosaurier von einem riesigen Asteroid erschlagen wird. Die NASA ist auf inzwischen auf diese Stimmungsmache angewiesen. Schließlich hat Präsident Obama erst im März 2010 das bemannte Mondlandeprogramm Constellation aus Kostengründen eingestampft.

Die Edwards sind - nachdem sie sich im Souvenirshop mit reichlich Astronautennahrung eingedeckt haben - wieder bei den Simulatoren gelandet. Jetzt darf auch mal der Sohnemann sein Glück bei der Landung versuchen. Peter schafft es auf Anhieb. Der Vater ist begeistert. "Na, willst du mal Astronaut werden?", fragt er seinen Junior. "Nein, Anwalt."

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Autor:
Denis Krah