Fast Lane Klo, Hitze, Stillstand

Sie wissen, dass Sie sich auf Wartezeit einstellen müssen, wenn der Kapitän Ihrer Boeing 747 über die Lautsprecheranlage ankündigt, dass es ein kleines Problem mit der Toilette gebe und sie einen Ingenieur angefordert hätten, um da mal einen Blick drauf zu werfen.

Dabei war ich am vergangenen Samstag perfekt auf den mittäglichen Cathay-Pacific-Flug von Heathrow nach Hongkong eingestellt (Sie werden sich erinnern, dass ich vor ein paar Wochen nach einem Flug auf dieser Strecke unter leichten Schlafdefiziten litt). Folgende Strategie hatte ich mir zurechtgelegt: zwei Gläser Wein, einen Salat und über Moskau dann hoffentlich schon Tiefschlaf. Da meldete sich der Kapitän erneut.

"Ladies und Gentlemen", fing er an, "der Ingenieur ist an Bord, es ist ihm aber noch nicht gelungen, die Ursache des Problems zu lokalisieren, deshalb werde ich nun das gesamte Flugzeug ausschalten und dann neu starten. Manchmal funktioniert das - das kennen Sie ja von Ihrem MacBook." Drei- oder viermal versuchte er es, gab aber nach zwei Stunden auf und sagte, alle müssten das Flugzeug verlassen und sollten in der Lounge warten.

Früher am Tag, als die Sonne gerade herausgekommen war und um 10 Uhr bereits 24 Grad erreicht waren, hatte ich noch ernsthaft in Erwägung gezogen, auf den Mittagsflug zu Gunsten einer späten sonntäglichen Ankunft in Hongkong zu verzichten. Ich hatte überlegt, den Samstag ganz ruhig auf der Terrasse anzugehen, mal eine Runde um den Park zu laufen, ein paar Leute zu einem späten Lunch am Nachmittag einzuladen und dann gegen 21 Uhr Richtung Flughafen aufzubrechen.

Als ich nun also von Bord ging und hinter abgedunkelten Scheiben einen kurzen Blick auf den wunderschönen Tag erhaschte, bedauerte ich ein weiteres Mal, mich für diesen Mittagsflug entschieden zu haben. Ich ging an den Leuten vorbei, die zu ihren Flügen hasteten, näherte mich der endlosen Warteschlange im Terminal 3 und gelangte in der Flughafenhalle schließlich zu einer Gabelung. Sollte ich zur Passkontrolle gehen, ins Vereinigte Königreich zurückkehren und noch mal für ein paar Stunden nach Hause fahren? Oder sollte ich darauf vertrauen, dass die Handwerker sich in den Eingeweiden einer Boeing 747 auskennen, und hoffen, innerhalb einer Stunde abheben zu können? Schließlich wählte ich den Weg in die Lounge, um zu sehen, ob es irgendwelche Aussichten gab, London vor dem Abend noch zu verlassen.

Mit minimalem Aufwand buchte ich auf einen späteren Flug um, blieb aber in der Nähe, um zu sehen, wie die Situation sich entwickelte. Ich war gerade kurz davor, ein paar Leute zu einem libanesischen Dinner und einem Rosé einzuladen, als die Dame an der Rezeption verkündete, sie habe die Hoffnung, uns innerhalb einer Stunde wieder an Bord bringen zu können. Daraufhin verabschiedete ich mich von meinen Plänen und ließ mich nieder, um das WM-Spiel zwischen Argentinien und Deutschland zu gucken.

Zwei Stunden später befand ich mich jedoch immer noch in der Lounge (dieses Mal darauf wartend, dass das Gepäck in ein andere, gerade gelandete Cathay-Maschine umgeladen wurde) und verfluchte den in einem fensterlosen Raum vergeudeten Tag, während ganz London in der Sonne badete.

Warum nicht auch mal die Flughafendächer bepflanzen?

Mein Vertrauen in die neue britische Regierung ist nicht besonders groß, wenn es darum geht, einige der wichtigsten Infrastrukturprobleme zu lösen, die die Entwicklung des Landes abbremsen (und die es wahrscheinlich sogar in den Rückwärtsgang befördern, wenn die Ideen, wie Großbritanniens Vernetzung und Relevanz in der restlichen Welt aufrechterhalten werden können, nicht visionärer werden). Aber wenn das für Verkehr zuständige Team des Premierministers mal einen kühnen Schritt wagte, würde es sich mit den beiden Betreibergesellschaften der Londoner Flughäfen zusammensetzen und darüber nachdenken, wie man Heathrow, Gatwick, Stansted und den City-Airport in attraktivere Drehkreuze verwandeln kann - ohne neue Landebahnen!

Wenn sie dann die Umweltkarte ausspielen, um die Ausbreitung des Flugverkehrs zu stoppen, könnten sie - abgesehen davon, mehr Gleise zu legen, um den Menschen innerhalb des Landes (und einem Großteil des Kontinents) dabei zu helfen, dort anzukommen, wo sie hin möchten - auch ihren Flughäfen ein bisschen frische Luft gönnen. Ich weiß nicht, wie hoch die Elektrizitätsrechnung für Heathrow an einem heißen Tag ist, aber es scheint in einigen Bereichen gar keine Abkühlung zu geben, während andere Orte an Tiefkühltruhen erinnern. Viele Probleme könnten durch die Installation eines Fenster-Systems gelöst werden, in dem sich Lamellen bei frischen Brisen automatisch öffnen und schließen und so die Hallen und Terminals kühlen. Die verwandeln sich nämlich in stickige Treibhäuser, wenn die Sonne ihren Scheitelpunkt erreicht hat.

Während diese Nachrüstung im Gange ist, könnte die Regierung die Betreiber auch dazu ermutigen, schöne grüne Dächer zu kreieren, die nicht nur von Gräsern und Moosen bevölkert sind, sondern auch von Passagieren. Der Samstag im Terminal 3 hätte ganz vergnüglich werden können, wenn der Flughafen Möglichkeiten geboten hätte, draußen zu sitzen, Sonne zu tanken oder den Schatten zu genießen, die Schuhe auszuziehen und all dies frei von jener Art von Umweltverschmutzung, die Aufstoßen und Blähungen von zehntausenden Passagieren verursacht. Natürlich braucht man keine Regierung, um so etwas umzusetzen. Es reicht ein cleveres Management, das sich der Aufgabe widmet, die Luftfahrt ein bisschen erträglicher zu gestalten - oder sogar gesünder.

Zweifellos würden irgendwelche Kindermädchen, die besonders auf Gesundheit und Sicherheit achten, ein paar Gründe finden, warum die Leute in einem Flughafen nicht draußen sitzen dürften, aber ich denke, ein bisschen inspiriertes Design und eine kluge Gartengestaltung würden schon verhindern, dass die Leute sich auf den Asphalt werfen und so den ganzen Flughafen aus Sicherheitsgründen stilllegen.

Während ich dies vom Dach des Shinsegae-Kaufhauses im Zentrum Seouls niederschreibe (glatter Bodenbelag, schattige Ecken, viele Sonnenschirme, plätschernde Wasserfälle und echte Pflanzen), gibt es viele Leute, die sich an einem glühend heißen Tag draußen vergnügen. Die Leute aus Heathrow und Gatwick könnten sich ja vielleicht kurz dazugesellen, um sich ein bisschen inspirieren zu lassen.

Übersetzung für MERIAN.de: Andrea Fonk

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Autor:
Tyler Brûlé