Fast Lane Es gibt Schlimmeres als Hongkong

Es gab schlimmere Orte als Hongkong, um das Ende des isländischen Ascheregens abzuwarten (Karachi und Flughafen-Hotels rund um Newark oder Manchester fallen einem da spontan ein), und glücklicherweise war ich nur ein flüchtiger Beobachter des Ganzen, als ich von Freitag bis Dienstag den Flughafen von Hongkong mehrfach für ein paar Kurztrips verließ.

Meine Kollegen allerdings (zehn von uns waren geschäftlich dort) musste ich daran erinnern, dass es größere Entbehrungen gibt, als im Grand Hyatt festzusitzen. Obwohl die Ungewissheit der ganzen Situation ein wenig an den Nerven zerrte, gehörte Hongkong noch zu den besten Städten, in denen man stranden konnte, bevor die Dinge am Montagabend langsam wieder in Bewegung gerieten. Während ich diese Kolumne fülle, sind sie alle bereits in der Luft und auf dem Weg nach London - und ich bin auf dem Rückweg von Tokio.

Von Donnerstag bis Montag letzter Woche erhielt ich massenweise E-Mails von Fast-Lane-Stammlesern, die fragten, wie ich zurechtkomme und wie denn meine Überlebenstipps aussähen. Zunächst: Danke für Ihre Besorgnis. Aber ich befinde mich noch auf einer zehntägigen Tour und war nur indirekt betroffen, der Sorge um meine Kollegen wegen.

Durch den reduzierten Flugverkehr war die An- und Abreise vom Hongkonger Flughafen ein größeres Vergnügen als normalerweise - vor allem die 14-Stunden-Trips nach Taipeh oder Ho-Chi-Minh-Stadt. Ich frage mich immer wieder, warum die Flughafenbehörden in Hongkong nicht mal den gesunden Menschenverstand einschalten und ordentliche Fast Lanes für Premium-Passagiere einrichten, da die Schlangen vor dem Zoll und der Sicherheitskontrolle ärgerlich lang sein können - nichts dergleichen jedoch am Freitag beim Sprung rüber nach Taiwan oder am Dienstag beim Trip runter nach Vietnam.

Der Airbus 330 von Cathay Pacific mit Liegesitzen war perfekt für den Flug nach Ho-Chi-Minh-Stadt und zurück. Diese wurden dann schmerzlich auf dem kurzen Nachtflug nach Seoul vermisst, wo ältere Sitzmöbel eingesetzt wurden. Nichtsdestotrotz erlaubten das recht leere Flugzeug und auch die ruhigeren Flughäfen mir und meinem Kollegen Ariel einen höheren Grad an Produktivität als sonst, während wir das Land weit unter uns ließen.

Das Problem mit so makellosen Trips quer durch Asien ist, dass sie in mir eine gewisse Abneigung hervorrufen, mich auf Geschäftsreisen nach Nordamerika oder in einige Ecken Europas einzulassen. Der Service in Seoul, die Effektivität Hongkongs und das begeisternde Taipeh sind schwer zu toppen, vergleicht man sie mit Chicago, New York und Vancouver.

Inkompetente Fluggesellschaften

Würden Sie lieber zwei Stunden in einer gut ausgestatteten Maschine der Singapore Airlines mit einer Kabine für Langstreckenflüge sitzen - oder einen Flug ähnlicher Länge in einem winzigen E-Jet von Delta verbringen? Würden Sie es vorziehen, im Hongkonger Mandarin zu übernachten und niemandem Trinkgeld in die Hand drücken zu müssen (außer es gibt einen besonderen Anlass dafür, natürlich) oder durch ein New Yorker Fünfsterneobjekt laufen und mit Fünf- und Zehn-Dollar-Scheinen um sich werfen, nur damit die Angestellten einfach das tun, wofür sie angestellt wurden? Möchten Sie die Wartezeit zwischen Ihren Flügen lieber in der Lounge von Cathay in Hongkong verbringen oder in der von Air Canada in Toronto? Und als wäre der Service in den meisten Bereichen Europas und Nordamerikas nicht schon schlimm genug, stellen Sie sich vor, welche Einschnitte die verlorenen Umsätze vom Startverbot der letzten Tage noch nach sich ziehen werden.

Ich würde viele der Fluggesellschaften gerne bedauern (es gibt etwa drei, die wirklich mein Mitgefühl haben), aber das durchschnittliche Benehmen der meisten, mit denen mein Kollege Anders sich auseinander setzen musste (ich hatte ihn zum Leiter Gruppenlogistik für das Team in Hongkong ernannt) war schlicht jenseits von Gut und Böse. Statt Führungsstärke zu zeigen und anzukündigen, dass auf den am stärksten betroffenen Strecken Extra-Flugzeuge eingesetzt würden (und nicht nur Extra-Kapazitäten), boten die meisten wenig mehr als einen "Wait and see"-Ansatz. Und statt eines voll ausgearbeiteten PR- und Kundenserviceplans, wurde viel zu viel gezaudert und geschwafelt, wenn die Leute klare Antworten suchten.

Die Tatsache, dass so viele Fluggesellschaften von dieser Naturkatastrophe kalt erwischt wurden, gilt auch nicht als Entschuldigung, denn es gibt eine Menge Ereignisse - natürliche und menschengemachte -, die den internationalen Luftverkehr auf einen Schlag zum Stillstand bringen können. Das Fehlen eines solchen Plans beweist die Inkompetenz in den Führungsetagen und die Folgen der tiefen personellen Einschnitte, denn die Leute, die in der Lage gewesen wären, einen Notfallplan für solche Ereignisse zu konzipieren, arbeiten nicht mehr für die Unternehmen.

Sicher, viele Passagiere werden das inzwischen vergeben und vergessen haben, weil sie unglaublich froh waren, frühzeitig einen Platz zu erwischen, wo ihnen doch zunächst gesagt worden war, sie müssten einen Monat auf den nächsten in der Economy-Klasse zur Verfügung stehenden warten. Andere werden es nicht tun - und einige der großen Betreiber werden eine Charme-Offensive einleiten müssen, um all die Stammkunden zurückzugewinnen, die sie durch ihr amateurhaftes und ungeschicktes Verhalten in die Flucht geschlagen haben.

Irgendwie glaube ich, dass wir noch nicht das Ende dieser aktuellen Vorführung aus Island erlebt haben. Die einzige Lightshow, die wir in nächster Zeit sehen werden, sind allerdings gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Fluggesellschaften und der Europäischen Agentur für Flugsicherheit, Luftfahrtbehörden und Versicherungsgesellschaften, Passagieren und Riesentransportern sowie von jedem gegen Mutter Natur. Keine Frage, wer schließlich als Gewinner aus all dem Ganzen herausgehen und wer im Freien auf dem Betonboden eines weit entfernten Flughafens schlafen wird.

Übersetzung für MERIAN.de: Andrea Fonk

Autor:
Tyler Brûlé