Hamburg "Wir bemühen uns Hamburg bekannt zu machen"

MERIAN: Frau Dr. von Welck, ein Hamburger nimmt traditionell keine Orden an, warum bemühen Sie sich um eine Auszeichnung für Gebäude?

von Welck: Wir stehen in einem Wettbewerb der Metropolen, und da sind Auszeichnungen und Publicity wichtig. In diesem Zusammenhang sehe ich unser Bemühen, das Label des Unesco-Welterbes zu bekommen. Das ist doch eine großartige Sache: Menschen, die Hamburg besuchen, werden aufmerksam gemacht auf etwas Besonderes. Und das sind Speicherstadt, Chilehaus und Kontorhausviertel nun einmal. Deswegen unterstütze ich das auch wirklich nachhaltig.

MERIAN: Das Chilehaus steht aber doch schon seit vielen Jahren auf der Vorschlagsliste?

von Welck: Nein, nicht länger als andere, und das gehört nun einmal zum Verfahren. Ich finde, dass allein unser Bemühen vielen Hamburgern die Augen geöffnet und ihnen gezeigt hat, was wir für erhaltenswerte historische Bauten in unserer Stadt haben. Aber es ist erstaunlich, dass die Bewerbung nicht schon viel früher vorangetrieben wurde. Anfang der 70er Jahre waren die Chancen für die Auszeichnung viel höher. Diese Liste ist nämlich sehr europalastig, und immer mehr Länder haben erkannt, wie wichtig ein anerkanntes Welterbe sein kann. Es gibt ja etliche internationale Reiseunternehmen, die sich auf den Besuch solcher Stätten spezialisiert haben.

MERIAN: Sie sagen, das Verfahren habe den Hamburgern die Augen geöffnet. So wusste wohl vor zehn Jahren eine Mehrheit der Hamburger überhaupt nicht, dass es hier eine Sternwarte gibt, sie war völlig in Vergessenheit geraten.

von Welck: Da haben Sie recht. Und das trotz der hervorragenden Denkmalschutzarbeit, die in Hamburg geleistet wird. Vielleicht hat man da früher zu wenig Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Aber durch die neue Aufmerksamkeit haben wir uns auf drei Unesco-Kandidaten geeinigt: Speicherstadt mit Chilehaus und Kontorhausviertel, die Sternwarte und den jüdischen Friedhof an der Königstraße.

MERIAN: Die Welterbeliste wurde ja erfunden, um bedrohte Stätten zu schützen. Das gilt aber nicht so sehr für die Speicherstadt, sondern eher für die Sternwarte ...

von Welck: Natürlich ist die Sternwarte auch sehr wichtig, und man muss besonders die Arbeit der tüchtigen Leute vom Förderverein würdigen. Aber das ist auch auf einem guten Wege. Ich bin sehr gespannt, wie es nach unserem Kongress weitergeht, bei dem die gemeinsame Bewerbung mit anderen Sternwarten, etwa in Nizza oder Algier, im Mittelpunkt stand.

MERIAN: Länderübergreifende Projekte hat es bisher gegeben, wenn ein Denkmal in verschiedenen Ländern lag, wie etwa der Muskauer Park in Deutschland und Polen.

von Welck: Das ist auch unser Vorbild. Mit internationalen Projekten hat man bei der Unesco große Chancen.

MERIAN: Das wäre in dieser Form - mehrere Stätten aus mehreren Ländern - aber etwas Neues für die Unesco. Will Hamburg da Vorreiter sein?

von Welck: Nein, das ist im Verlauf der Diskussion so entstanden. Die Unesco selbst hat solche Anregungen gegeben. Sehen Sie: Viele Länder haben ihr Erbe noch nicht angemeldet, zum Teil deshalb, weil ihnen die Mittel fehlen. Die erhalten durch Kooperationen neue Chancen.

MERIAN: Und in Hamburg? Rechnen Sie denn da mit konkreten Verbesserungen für die Hansestadt?

von Welck: Eher indirekt. Wir müssen uns schon darum bemühen, Hamburg und seine Attraktionen in der Welt bekannt zu machen. Wir stehen als Metropole ja nicht nur im Wettbewerb mit München und Stuttgart, sondern auch mit New York und Paris. Da hilft eine solche Auszeichnung natürlich, die Stadt noch attraktiver zu machen.

MERIAN: Die internationalen Projekte haben uns auch auf die Idee gebracht, die Hamburger nach dem Leuchtturm Neuwerk zu fragen, als Teil der europäischen Leuchttürme, die ein uraltes Kommunikationssystem repräsentieren. Haben Sie darüber schon nachgedacht?

von Welck: Nein, ich muss auch sagen, dass die Speicherstadt für uns wichtiger ist. Sie ist eben nicht vergleichbar, ein derartiges Ensemble gibt es weltweit kein zweites Mal. Aber was die Leuchttürme angeht: Da gibt es bei der Akademie der Wissenschaften ein Forschungsprojekt. Vielleicht muss man mal mit denen reden.

MERIAN: So reiht sich allmählich eine Attraktion an die andere. Was würden Sie dem Hamburgbesucher empfehlen, was muss er unbedingt gesehen haben?

von Welck: Natürlich die Hafencity. Ich komme sehr oft dahin, und jedesmal staune ich, mit welch rasanter Geschwindigkeit sie sich verändert. Und ganz persönlich: Ich wohne auf der Uhlenhorst und genieße jeden Tag die Fahrt entlang der wundervollen Alster.

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