Hamburg Rundgang durch die HafenCity

Ankunft in der U-Bahn Haltestelle "HafenCity Universität". Die riesigen, rechteckigen Lichtobjekte an der Decke erinnern an einen Schiffscontainer. Pünktlich zur vollen Stunde geht die Show los. Aus den Lautsprechern schallt Bach, Verdi oder Brahms und im Rhythmus der klassischen Musik wechseln die Lichtcontainer ihre Farbe. Durch die schimmernden Reflektionen auf den Kachelwänden entsteht eine Atmosphäre, die man so an diesem Ort nicht erwartet hätte. Die neuen U4-Haltestellen sollen eben nicht nur Orte der Durchfahrt sein: Sie stimmen auf das kulturell-maritime Flair der HafenCity ein - schon bevor es nach oben an "Deck" geht.

Die HafenCity ist zugleich einer der ältesten und jüngsten Stadtteile Hamburgs. Bis ins 19. Jahrhundert war der vor den Stadttoren liegende Grasbrook eine sumpfige Insellandschaft, die man auf Grund von häufigen Hochwassern und Sturmfluten hauptsächlich als Viehweide nutzte. Nur dem westlichen Teil kam eine besondere Funktion zu: Auf dem damaligen Richtplatz henkte man Seeräuber, unter denen 1401 auch der berüchtigte Klaus Störtebeker gewesen sein soll. Aus dem einstigen Großen Grasbrook, Standort vieler traditionsreicher Hamburger Werften, entsteht heute das moderne Viertel HafenCity im Herzen der Hansestadt Hamburg. Innerhalb kürzester Zeit wurden hier zehn Quartiere gebaut - quasi aus dem Nichts - und so scheint es bei jedem Besuch, als ob ein neues Gebäude, ein neuer Park oder eine neue Brücke das Stadtbild abermals verändert.

Der markante Marco-Polo-Tower in der HafenCity.
iStockphoto/Thinkstock
Der markante Marco-Polo-Tower in der HafenCity.
Die vielen "Gesichter" der HafenCity

2025 soll das große Urbanisierungsprojekt "HafenCity" abgeschlossen sein. Dass es sich bei dem Stadtteil schon jetzt, zwölf Jahre vor der geplanten Fertigstellung, um einen Hamburger Hotspot handelt, wird schnell klar, wenn man die U-Bahn-Haltestelle nach der Lichterschau verlässt. Nicht nur Touristen zieht es zum Bummeln durch die Straßen, auch viele Hamburger verbringen den Sonntagnachmittag hier, zum Beispiel im Internationalen Maritimen Museum, im Automuseum Prototyp oder im Miniatur Wunderland.

Musical-Zelt
Alena Zielinski
Auf der gegnüberliegenden Elbseite ist das Musical-Zelt "König der Löwen" zu sehen.
Die beste Aussicht auf die HafenCity bietet im Sommer das Riesenrad im Überseequartier. Aus 60 Metern Höhe wird das komplette Panorama der HafenCity mit ihrem noch nicht fertigen Wahrzeichen, der Elbphilharmonie, sichtbar. Aus luftiger Höhe erkennt man, wie Tradition und Moderne unter einem beginnen zu verschmelzen. Auch die nebeneinander stehenden, unterschiedlichen Architekturstile, die für die HafenCity so kennzeichnend sind, lassen sich auf einen Blick erfassen. Moderne und gläserne Gebäude, wie der sich in die Luft schraubende Marco Polo-Tower oder das Sumatrakontor mit seiner bunten Fassade und der eigenwilligen Fensteranordnung, prägen das "Gesicht" der HafenCity. Der typische Hamburger Rotklinker entschärft dabei immer wieder den Kontrast zur alten Speicherstadt.

In der HafenCity auf den Spuren von Marco Polo und Magellan

Wieder zurück auf dem Asphalt fällt sofort eine weitere Besonderheit ins Auge: Straßennamen wie Osakaallee oder Shanghaiallee im nördlichen, sowie San-Franscisco-Straße oder New-Orleans-Straße im südlichen Überseequartier vermitteln das Gefühl, man hätte versehentlich ein Gewässer zu viel überquert. Auch hier wird modernes Flair mit historischem Ambiente vermischt, denn die neugebauten Straßen sollen die Bedeutung von Handelsbeziehungen und Partnerstädten widerspiegeln. Noch eindringlicher wirken die modernen westlichen Plätze, die nach großen Entdeckern benannt sind: die Magellan-Terrassen, die Marco Polo-Terrassen oder der Vasco da Gama-Platz stehen symbolisch für die Erkundung wichtiger Handelswege.

Riesenrad
Elbe&Flut
Das im Sommer aufgebaute Riesenrad im Überseequartier.
Internationales Hafenflair vermitteln nicht nur die Straßennamen, sondern auch die im Juni stattfindende Fotoausstellung auf dem Überseeboulevard. Unter dem Titel "Licht des Hafens" präsentiert der Fotograf Sönke Lorenzen Aufnahmen aus den Hafenbecken Hamburgs und Bangkoks. Es ist bereits die fünfte kostenlose Open-Air-Ausstellung im Überseequartier - und die nächste ist schon geplant: die Veranstaltungsreihe "Sommer in der HafenCity". Von Tango oder Swing an der Promenade bis zu Poetry Slams und Straßenmusikanten gibt es hier von Anfang Juni bis Ende August jeden Sonntag etwas zu erleben. Und auch beim Harbour Front Festival im September handelt es sich schon um eine etablierte Institution, die Literaturbegeisterte an die Elbe zieht: Zum fünften Mal treten Autoren und Schauspieler an den unterschiedlichsten Orten auf, um die Besucher in eine andere Welt zu entführen.

Camp David SUP World Cup Hamburg
Hoch Zwei/Jürgen Tap
Diesen Sommer: der Camp David Stand-Up-Paddeling-World Cup in der HafenCity.
Als wäre das noch nicht genug ist die HafenCity vom 16. bis 18. August Austragungsort des Camp David Stand Up Paddling World Cups. Auf großen Surfbrettern stehend liefert sich die Elite der internationalen SUP-Szene auf der Elbe einen spannenden Kampf, und versucht nicht in die Wellen abzutauchen - ganz im Gegensatz zu den Sonntagsausflüglern, deren Bummel im Überseequartier sich dem Ende neigt. Denn eine türkis-blaue Unterwasserwelt erwartet den Besucher an der Haltestelle Überseequartier.

Da kann man allerdings froh sein, dass die Planer der HafenCity es mit der Zusammenführung von Tradition und Moderne nicht ganz wörtlich genommen haben. Statt befürchten zu müssen, den noch bis 1825 existierenden Torschluss der Hansestadt zu versäumen - und somit die Nacht vor den Stadttoren verbringen zu müssen - verpasst man heute maximal die letzte Bahn.

Nach einer Tour zu Fuß durch die HafenCity sollte man sich anschließend unbedingt aufs Schiff begeben und mit einer Barkasse durch den Hamburger Hafen schippern. Weitere schöne Ecken der Hansestadt lassen sich wunderbar mit den "Hamburg Greetern" erkunden, die kostenlos Stadtführungen anbieten.

Autor:
Annika Lampe