Billigflieger Rein - oder besser Ryan - in die Kostenfalle

Heute müsste ich eigentlich im Flieger nach Portugal sitzen. Wenn es nach den Plänen von Ryanair ginge. Doch die decken sich weder mit meinen, noch mit meinen Terminen, noch mit dem, was ich gebucht habe.

Es steht Behauptung gegen Behauptung. Ich sage: Gebucht am 28. Mai um 13:34 Uhr, 7. Juli bis 14. Juli. Samstag bis Samstag. Das Ryanair-System meldet hingegen: 7. Juni bis 14. Juni. Donnerstag bis Donnerstag. Juni, Juli – das ist ja auch ziemlich ähnlich, oder? Das könne man ja durchaus verwechseln, finden sie bei Ryanair. Klar. So wie Samstag und Donnerstag ähnlich klingen...

Jedenfalls: Ich habe für den falschen Termin eine echte Ryanair-Mail vom 31. Mai in meinem Email-Postfach. Ryanair behauptet jedoch, man habe bereits am 28. Mai diese Buchung bestätigt und nicht erst drei Tage später. Hmmm, seltsam: Wenn dies stimmt, hat Ryanair erstaunlicherweise bereits zwei Minuten vor mir vom Abschluss der Buchung gewusst (ich habe nämlich einen Screenshot). Die Firma besitzt offenbar eine Art superintelligentes Programm, das in der Lage ist, meine Handlungen zu antizipieren... Nein, Spott beiseite: Insider meinen zu wissen, Ryanair habe tschechische Dienstleister, die das mit dem Buchen erledigen würden. Weiß jemand, ob Donnerstag und Samstag auf tschechisch ähnlich klingen...?

Kontaktaufnahme mit Ryanair? Ein Ding der Unmöglichkeit

Was tun in so einem Fall? Schon mal versucht, Ryanair zu erreichen, um etwas zu besprechen? Nahezu unmöglich. Per Mail – geht nicht. Telefon? Es gibt eine Servicenummer. Die Verbindung kostet im Festnetz 1,86 Euro pro Minute, mobil gar 2,49 Euro. Fünfmal probiert, fünfmal aus der Leitung geflogen. Wer im Internet die Begriffe "Ryanair" und "Ärger" googlet, liest viel, sagen wir mal, Unterhaltsames und etliches Skandalöses und erfährt auch: "Es hat fünf Monate gedauert, bis die geantwortet haben..." 

Okay, jetzt könnte man sagen: Wer Ryanair bucht, weiß auch, dass nur Ryanair drin ist. Denn Ryanair hat die Kostenfalle zum Geschäftsmodell erhoben. Oder wie es der auf Reise- und Flugrecht spezialisierte Rechtsanwalt Jan Bartholl (www.ra-janbartholl.de) ausdrückt: Ryanair sei "durchaus kreativ" im Erfinden von Gebühren. Reden wir nicht vom Gepäck, es ist zu billig, sich darüber aufzuregen. Ist es 15 Kilogramm schwer, kostet das Stück 50 Euro extra. Ist es 20 Kilogramm schwer, ist es 70 Euro teuer. Krasser: Wer keine Reiserücktrittsversicherung - 17 Euro extra - kaufen möchte, muss im Buchungsfenster unter "Wählen Sie ein Wohnsitzland" zwischen "Latvia", "Lithuania" und "Malta" auf "Nicht versichern" klicken. Sagenhaft. Auf so eine Idee muss man erstmal kommen... 

"Von Ryanair anerkanntes Handgepäck" ist - aufgepasst, tückische Satzkonstruktion - explizit nicht erworben, wenn man "keins" kauft. Bekannte von uns sind neulich nach Schottland geflogen und haben erlebt, wenn man mit "eigenen" Gepäckstücken am Check-in-Counter steht. Sie sollten eine Extragebühr zahlen, weil die Rollen am Koffer zu dick gewesen seien... Unser Bekannter, sehr cool, hat einen Hammer verlangt, um die Rollen abzuschlagen... dann blieb er einfach so lange am Kopf der Warteschlange stehen, bis das Bodenpersonal ihn zähneknirschend durchgelassen hat... Und bitte nicht vergessen: die Bordkarten für den Hin- und Rückflug. Zuhause einchecken und ausdrucken ist Pflicht, sonst erledigt das der Ryanair-Mitarbeiter am Flughafen für 40 Euro pro Person und Strecke.

Extra-Gimmick - oder Extra-Abzocke?

Am Schluss des Buchungsvorgangs erscheint übrigens ein Button, auf dem in roter Schrift, sinngemäß, steht: "Sichern Sie sich ihren 10-Euro-Geld-zurück-Gutschein auf Ihre nächste Buchung..." Tun Sie’s nicht. Sie erwerben damit für 12 Euro monatlich eine Mitgliedschaft fürs Vorteil-Shoppen. 

Und ich? Ich sitze heute natürlich nicht in diesem Ryanair-Flieger. Die Gebühr fürs Umbuchen ist ebenso hoch wie der von mir gezahlte Ticketpreis - 100 Euro. Selbst das Umschreiben der Buchung auf einen anderen Namen lohnt sich bei 110 Euro extra nicht.

Ich lasse mein Ticket einfach verfallen.

Mein erster Versuch mit Ryanair zu fliegen, ist definitiv auch mein letzter gewesen. Ryanair wird das natürlich nicht beeindrucken. "Die Passagierbeförderung", meint Rechtsanwalt Bartholl, "ist für Ryanair nur das notwendige Übel. Den eigentlichen Ertrag macht das Unternehmen durch vorab vereinbartes Entgeld mit den Flughafenbetreibern." Heißt: Sie lassen sich vom Flughafen dafür bezahlen, dass sie dort landen. Jetzt wissen wir auch, warum die in Girona und nicht Barcelona landen. Und in Lübeck und nicht in Hamburg. Und vermutlich auch, warum beispielsweise die Lübecker Flughafenbetreiber ständig vor dem Aus stehen.

Autor:
Hansjörg Falz