Schriftsteller haben dem Guinness in ihren Werken ein Denkmal gesetzt

Inzwischen ist Irland längst nicht mehr unter englischer Kontrolle, aber Guinness ist es: Der Biermulti gehört dem Diageo-Konzern, der seinen Sitz in London hat. Dennoch gilt Guinness nach wie vor als irisches Nationalgetränk, und der Konzern erzählt in dem zum Besucherzentrum umgebauten ehemaligen Hopfen-Lagerhaus allerlei reklameträchtige Anekdoten. So soll eine Expedition 1927 am Nordpol vier Flaschen Guinness gefunden haben, die von einem anderen Forschungsteam 18 Jahre zuvor dort zurückgelassen worden waren. Das Bier war angeblich noch trinkbar. Und der Schriftsteller Robert Louis Stevenson soll auf seiner Reise nach Samoa einen Kasten des schwarzen Gebräus als Reiseproviant mitgenommen haben.

Viele Schriftsteller haben dem "schwarzen Gold" in ihren Werken ein Denkmal gesetzt. Von der Krimi-Autorin Dorothy L. Sayers stammt der berühmteste Werbespruch: "Guinness is good for you." In den USA durfte der Satz nicht verwendet werden, denn Alkohol, so entschied die Gesundheitsbehörde, könne nicht "good for you" sein. Nicht alle Dichterworte sind für die Guinness-Werbemanager zitierfähig. So sinnierte Leopold Bloom in James Joyces "Ulysses": "Fässer voller Porter, wunderbar. Da sind auch Ratten drin. Saufen sich voll, bis sie wie Wasserleichen aussehen. Und so was trinkt man nun. Das muss man sich mal vorstellen. Rotz, Kotz. Na ja, wenn wir alles wüßten."

Guinness gibt es heute in über 120 Ländern, 22 Brauereien stellen das Getränk im Ausland her. Das Dubliner Stammhaus produziert täglich 1,4 Millionen Liter, 40 Prozent davon für den Export. Für den Transport nach Wales und in den Westen Englands wurden bis April 1993 die braunen Guinness-Schiffe benutzt, die weiter flussabwärts vertäut waren. Eins der Schiffe, die "Barkley", wurde 1917 während des Ersten Weltkriegs von einem deutschen U-Boot versenkt. Früher bestanden einmal Pläne, eine Pipeline von der Brauerei zu den Booten zu legen, weil die Liffey auf der Höhe der Brauerei für die Boote zu flach ist. Die Idee wurde jedoch aufgegeben, weil man befürchtete, dass die Pipeline unterwegs von durstigen Dublinern angezapft werden könnte.

Inzwischen ist es gelungen, das "gezapfte" Guinness in eine Dose zu zwängen. Auf dem Boden der Dose befindet sich eine Plastiktasche mit komprimiertem Stickstoff und Bier, die beim Öffnen des Verschlusses platzt und dem Stout zu seiner sahnigen Blume verhilft. Ein Triumph des Fortschritts: Zuvor wurde dem "gezapften Guinness in Flaschen" eine Plastikspritze beigegeben, mit deren Hilfe die Trinker Luft in das Getränk pumpen mussten, um die gezapfte Illusion entstehen zu lassen.