Weißrussland

Wissenswertes über Weißrussland

Natur und Klima:

Das im westlichen Teil des Osteuropäischen Tieflandes liegende Land wurde von den Eiszeiten geprägt. Aus den weiten Ebenen ragt nur der hügelige Endmoränenzug des Weißrussischen Landrückens heraus, der durch die Täler der Flüsse Beresina und Dnjepr gegliedert wird. Die Niederungen sind von zahlreichen Seen und Sümpfen durchzogen, darunter die Pripjatsümpfe im Süden, eine Überschwemmungszone des von Westen nach Osten fließenden Pripjat. Mehr als ein Drittel der Landesfläche ist von Wäldern bedeckt. Weißrussland liegt im Übergangsbereich von atlantischem und kontinentalem Klima. Die Sommer sind warm und feucht, die Winter kalt und trocken.

Bevölkerung:

Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind Weißrussen, größte nationale Minderheit sind die Russen mit elf Prozent. Nach der Unabhängigkeit ist der Anteil der orthodoxen Gläubigen auf 60 Prozent gestiegen, die etwa acht Prozent Katholiken leben vor allem im westlichen Landesteil. 1995 wurde Russisch als zweite Amtssprache eingeführt und verdrängt allmählich die Landessprache Weißrussisch. Die Einwohnerzahl Weißrusslands ist in den vergangenen Jahren durch niedrige Geburtenraten und Auswanderung leicht zurückgegangen.

Staat und Politik:

Nach der inzwischen revidierten Verfassung von 1994 ist Weißrussland eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der mit umfassenden Machtbefugnissen ausgestattete Präsident, der auf fünf Jahre direkt gewählt wird. Er ernennt den Ministerpräsidenten und das Kabinett und hat ein Vetorecht gegenüber der Legislative. Die Legislative, die Nationalversammlung mit vierjähriger Legislaturperiode, besteht aus dem Repräsentantenhaus mit 110 Abgeordneten und dem Rat der Republik (64 Mitglieder, davon acht vom Präsidenten ernannte). Im Parlament sitzen mehrheitlich parteilose Anhänger des Präsidenten.

Die Kommunistische Partei Weißrusslands (KPB), die Agrarpartei (APB) und die Liberaldemokratische Partei (LDP) stellen insgesamt zwölf der 110 Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Oppositionelle Kräfte sind nicht vertreten.

Wirtschaft und Verkehr:

Die Wirtschaft zeigt noch immer staatlich gelenkte, planwirtschaftliche Strukturen. Die unzureichende Liberalisierung, mangelnde Rechtssicherheit und bürokratische Hindernisse hemmen die ausländische Investitionsbereitschaft.

Die Landwirtschaft wurde durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (Ukraine) 1986 schwer geschädigt. Es überwiegt die Viehwirtschaft, die sich auf Milchviehhaltung und Schweinezucht spezialisiert hat. Die wenigen Bodenschätze (Torf, Phosphorit, Steinsalz und Erdöl) haben nur regionale Bedeutung. Die Industrie befindet sich noch überwiegend in staatlicher Hand und ist aufgrund veralteter Technologien auf dem Weltmarkt kaum konkurrenzfähig. Mit Abstand wichtigster Handelspartner ist Russland, mit dem Weißrussland fast 60 Prozent seines Außenhandels abwickelt.

Weißrussland ist ein wichtiges Transitland für den Eisenbahn- und Straßenverkehr zwischen Mitteleuropa und Russland. Erdöl- und Erdgasleitungen von Russland nach Lettland, Polen und Westeuropa durchqueren ebenfalls das Gebiet.

Geschichte

Kiewer Rus und Polen-Litauen:

Im 9. Jahrhundert gelangte Weißrussland unter die Herrschaft der Kiewer Rus und wurde in der Folgezeit christianisiert. Nach dem Niedergang der Kiewer Rus zerfiel die Region in mehrere Fürstentümer, die im 14. Jahrhundert unter die Herrschaft Litauens gelangten, das 1386 eine Personalunion mit Polen einging. Die Personalunion wurde 1569 zur Realunion. Die weißrussische Oberschicht lehnte sich in der Folgezeit an die römisch-katholische Kultur Polens an. Durch die polnischen Teilungen des 18. Jahrhunderts fiel Weißrussland an das Russische Reich.

Russisch-sowjetische Herrschaft:

Unter dem Druck der im 19. Jahrhundert betriebenen Russifizierungspolitik entwickelte sich eine weißrussische Nationalbewegung. Nach der russischen Revolution 1917 kam es zunächst zur Proklamation einer bürgerlichen Weißrussischen Volksrepublik, bevor 1919 die Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik gegründet wurde. Sie verlor nach dem russisch-polnischen Krieg 1921 ihren westlichen Teil an Polen. 1922 wurde sie Teil der UdSSR. Dem stalinistischen Terror fielen Hunderttausende zum Opfer. Im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes wurden die an Polen verlorenen Gebiete 1939 wieder angegliedert.

1941 besetzten deutsche Truppen Weißrussland. Mehr als zwei Millionen Menschen verloren durch die deutsche Vernichtungs- und Zerstörungspolitik ihr Leben. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr Weißrussland durch die Rückgabe des Gebiets von Biaystok an Polen eine erneute territoriale Veränderung. Die Reformpolitik der achtziger Jahre gab der nationalen Bewegung neuen Auftrieb.

Die Entwicklung seit der Unabhängigkeit:

1991 erklärte Weißrussland seine Unabhängigkeit und wurde Mitglied der GUS. Unter der Führung von Stanislaw Schuschkewitsch steuerte das Land zunächst auf einen vorsichtigen Reformkurs. 1994 wurde Alexander Lukaschenko zum Staatspräsidenten gewählt, der mit Hilfe fragwürdiger Verfassungsänderungen ein autoritäres Präsidialregime errichtete und sich außen- und wirtschaftspolitisch stark an Russland anlehnte. Die Parlamentswahlen 2000 und 2004 entsprachen genauso wenig demokratischen Standards wie die Präsidentschaftswahlen 2001 und 2006, bei denen Lukaschenko im Amt bestätigt wurde. Proteste der Opposition wurden massiv unterdrückt.

Bei den Parlamentswahlen 2008 wurden erstmals oppositionelle Kandidaten zugelassen, die jedoch kein einziges Mandat erhielten. Die OSZE beurteilte die Wahl als nicht demokratisch, weil der Opposition ein fairer Wahlkampf versagt blieb und der Wahlablauf offen für massive staatliche Manipulationen war.


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