Budapest Donau - Legenden am Fluss

Ernst Bromeis schwimmt, um dem Menschen das Wasser näher zu bringen, und auf die Endlichkeit dieser kostbaren Ressource aufmerksam zu machen.
Schuhe an der Donau in Budapest

Konzertschiff "A 38"

Es war einmal ein Schiff in der Ukraine, das hieß "Tripolis". Seit 1968 schleppte es tagein, tagaus Ziegel die Donau entlang. Dann kam die Wende. Und fast sah es aus, als ginge es mit dem alten Kahn zu Ende. Doch ein paar Ungarn ließen ihn renovieren, und 2003 war aus dem Last- ein Konzertschiff geworden. Seitdem spielen Musiker wie die Sportfreunde Stiller und Maceo Parker im Bauch des Schiffes, das Einheimische jetzt "A 38" nennen - nach seinem Bootstyp Artemovsk 38. Es ist nur eine Nummer. Aber eine große.

Schuhe-Mahnmal

Vor leider gar nicht langer Zeit regierten in Ungarn die Pfeilkreuzler. Sie sperrten die Juden in Ghettos, transportierten sie nach Auschwitz; erschossen sie an der Donau, sodass der Fluss die Leichen forttrug. Vor ihrem Tod mussten sie die Schuhe ausziehen, denn die waren wertvoll. Der Terror endete. Doch die Toten sind tot. 2004 stellte der Künstler Gyula Pauer 60 eiserne Schuhpaare ans Ufer, um wenigstens die Erinnerung lebendig zu halten. Eine Geschichte, von der man sich wünscht, sie wäre nicht wahr.

Margareteninsel

König Béla IV. kämpfte vor 800 Jahren mit den Mongolen. Zwei Drittel seines Landes hatten sie zerstört, da soll der König Gott um Hilfe gebeten haben: Wenn die Angreifer verschwänden, werde er seine Tochter ins Kloster auf die Donauinsel schicken. Die Mongolen zogen sich zurück; und Prinzessin Margarete kam mit neun Jahren auf die Insel und blieb dort bis zu ihrem Tod. 1943 wurde sie heiliggesprochen. Das Eiland heißt nun Margareteninsel; die Klosterruinen kann man besichtigen. Oder zum Basejumpen nutzen.

Gellért-Denkmal in Budapest.
Gerald Hänel
Das Gellért-Denkmal am Ufer der Donau.
Gellért-Denkmal

Der venezianische Abt Gerhard kam auf Ruf des Königs ins Land, um das Christentum einzuführen und den Kronprinzen zu unterrichten. Der Kirchenmann wurde ein erfolgreicher Missionar. Doch als Stephan I. Jahrzehnte später starb, kam Unruhe auf im Reich. Das Volk wandte sich auch gegen das Christentum; und so wurde Gerhard im Jahr 1046 mit einer Lanze erstochen. Als Skulptur grüßt der Heilige, den sie hier Gellért nennen, vom gleichnamigen Berg. Viele munkeln, er sei gar nicht erstochen worden, sondern man habe ihn in einem Fass in die Donau geworfen.

Freiheitsbrücke

In längst entschwundenen Tagen gab es ein Wesen namens Turul, halb Vogel, halb Gott. Eines Nachts soll es Emese geschwängert haben, die Urmutter der Magyaren. Sie nannte ihren Sohn Álmos, und der nannte seinen Árpád. Es war jener Árpád, von dem man erzählt, er habe die Magyaren ins Karpatenbecken geführt, und der Turul habe ihm dabei den Weg gezeigt. So wurde das Fabelwesen zum Nationaltier und leider bisweilen zum Symbol der Ultrarechten. In Ungarn ist es oft zu sehen - auch auf den Pfosten der Freiheitsbrücke.

Autor

Elke Michel

Ausgabe

Budapest 11/2013