Palma de Mallorca Magie in der Kathedrale La Seu

Petruskapelle (Capella de Sant Pere) von Miquel Barceló

Wer auf Mallorca über zeitgenössische Kunst spricht, wird schnell seinen Namen hören: Miquel Barceló. Er gehört zu Spaniens renommiertesten Künstlern und wurde 1957 in Felanitx, im Südosten der Insel, geboren. Ein beeindruckendes Beispiel seiner Arbeit ist seit 2007 in der Kathedrale zu bewundern. Barceló hat dort die Petruskapelle (Capella de Sant Pere) gestaltet – mit dem Auftrag, ein biblisches Wunder darzustellen: die Vermehrung von Brot und Wein bei der Speisung der Fünftausend. Dafür verarbeitete er 15 Tonnen Ton zu einem dreiteiligen Altarbild. Die 300 Quadratmeter große Keramikwand bedeckt den 16 Meter hohen Raum im Seitenschiff fast komplett, als lege sich eine Haut aus Ton über die Wand. Besucher fühlen sich hier wie in einer Grotte auf dem Grund des Meeres.

Die mit dunkelgräulicher Farbe bemalten Fenster, die schwache Beleuchtung und die Motive der riesigen Wände lassen eine ungewöhnliche Stille und Tiefe entstehen. Haben sich die Augen an das gedämpfte Licht gewöhnt, werden die Details sichtbar: huschende Fischschwärme, tänzelnde Kraken, Wellen, krustige Brotlaibe, Früchte, Tonkrüge, Totenschädel.

Barceló hat das Relief der Tonwände in bester expressionistischer Manier geformt: Viele Figuren, so erzählte der Künstler bei der Einweihung, seien beim Durchschlagen der Lehmwand mit der Faust entstanden. Sie haben Risse, bilden Ausstülpungen, zeigen runde, organische Formen. Andere Elemente hat der Künstler einfach auf die feuchte Lehmwand geworfen und die dabei zufällig entstandenen Formen später mit matten, warmen Farben bemalt.
Adresse: Kathedrale La Seu, Pl. Almoina; www.catedraldemallorca.org

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Autor:
Brigitte Kramer