Handwerk Die Essenz Mallorcas: Das Olivenöl

Die Olivenernte auf Mallorca ist in vollem Gange. Auf der Finca Treurer wird eines der feinsten Öle der Insel hergestellt. Ein Qualitätsbesuch, auf den wir Sie mitnehmen.

leuchtend grüne Oliven

Mallorca in den Wintermonaten

Mit wehenden Haaren läuft Joan Miralles die Auffahrt herunter, seine kleinen Locken wippen bei jedem Schritt. Prüfend bleibt er vor einem Olivenbaum stehen. Er nimmt einige Früchte in seine Hände, dreht sie zwischen den Fingern. Sein Mund verzieht sich zu einem breiten Grinsen. Ja, der richtige Zeitpunkt ist gekommen, die Ernte kann beginnen. Es ist Ende Oktober, auf Mallorca kehrt nach den geschäftigen Sommermonaten eine angenehme Ruhe ein. Dunkle Wolken ziehen durchs Landesinnere. Es nieselt, der aufgeweichte, lehmige Untergrund hat sich zu einer rutschigen Masse verformt. Doch Joan Miralles interessiert sich nur für seine leuchtend grünen Oliven, die an den Ästen hängen. Die Farbe der Früchte ist entscheidend, denn sie ist ausschlaggebend für die spätere Qualität des Öls. Je grüner die Oliven sind, desto hochwertiger ist am Ende das Produkt.

Die Finca Treuer in Algaida

Olivenölproduzent Joan Miralles
Spricht Joan Miralles über seine Oliven, könnte man meinen, er hat sein Leben lang nichts anderes gemacht, als Öl zu produzieren. Dabei ist er ein Quereinsteiger. Jahrelang war er als Hotelier in der Touristenhochburg El Arenal tätig, bis er 2000 sein Glück etwa 30 Kilometer östlich von Palma fand: die Finca Treurer in Sichtweite des Klosterbergs Randa. Der Name des alten Landhauses leitet sich aus dem katalanischen Wort tresorer ab, was auf Deutsch Schatzmeister bedeutet. "Ich finde der Name passt hervorragend zu mir und meinen Oliven", sagt Joan Miralles und schmunzelt. Voller Elan und großer Leidenschaft kümmerte er sich nach dem Kauf erst einmal um die Freilegung von Wasserquellen und um die Pflanzung der Bäume. Die Gebäude auf dem Gelände renovierte er und baute sie zum Teil um. Es dauerte weitere neun Jahre, bis das erste Öl abgefüllt werden konnte.

Gut zu wissen: Treurer Olivenöle sind durch die geschützte Zertifizierung "Oli de Mallorca" gekennzeichnet, erkennbar an der runden Plakette, die auf der Flasche klebt.

Die Herstellung des perfekten Olivenöls

Olivenernte
Der Mallorquiner gibt das Kommando und seine Erntehelfer legen los. Bis in den Januar hinein werden die Männer nun mit schwerem Gefährt durch den Hain fahren und die Bäume mit einer Art mechanischen Gabel "abkämmen". "Die Oliven fallen nicht einfach zu Boden, das könnte sie beschädigen. Für uns ist vor allem wichtig, Druckstellen und Quetschungen zu vermeiden", erklärt Miralles. Dafür hat er eigens eine Auffangvorrichtung konstruiert, die an einen umgedrehten, aufgespannten Regenschirm erinnert. Noch am selben Tag kommen die gepflückten Oliven zur Pressung in die Mühlen von Sollér oder Inca. Aus 100 Kilogramm Oliven werden im Schnitt 15 Liter Öl der besten Qualitätsstufe gewonnen. Zurück auf der Finca Treurer lagert das Olivenöl in großen Tanks, damit sich die Trübstoffe absetzen können. „Die Erfahrung zeigt, dass trübes Olivenöl nicht gekauft wird. Es ist eine Frage der Optik, denn die Trübe hat eigentlich keine Auswirkung auf den Geschmack“, sagt Miralles. "Viel entscheidender für ein gutes Öl ist neben der konstanten Pflege von Boden und unseren 3500 Bäumen eine schnelle Verarbeitung. Das frische Aroma geht sonst verloren und der Oxidations-Prozess nimmt zu. Das wollen wir verhindern." Minderwertiges Öl kommt bei Joan Miralles nicht in die Flasche. Er legt viel Wert darauf, dass auf seinen Etiketten "Natives Olivenöl extra" steht. Darüber entscheiden ein chemischer Test und das Urteil einer Verkostungsjury. "Riecht ihr das?" Joan Miralles steht auf der großen Terrasse der Finca und schnuppert verzückt an seinem Becher. "Es duftet nach Zitrone, Fenchel und Gras mit einer leicht nussigen Note. Das gibt dem Öl den fruchtig-pikanten Geschmack. Großartig." Er hebt seinen Arm und schaut in die Runde. "Salute – Prost."

Reiseinformationen: Finca Treurer

Die Finca Treurer nahe der kleinen Gemeinde Algaida wird im Rahmen der achttägigen Studienreise "Natur und Kultur auf Mallorca" des Veranstalters Gebeco besucht - individuelle Besichtigungen sind nicht möglich. Preis ab 1395 Euro inklusive Flug, Unterkunft, Reiseleitung und Ausflüge.