Wochenendtrip Ein Wochenende in Barcelona

Die katalanische Metropole Barcelona ist perfekt für eine Städtereise am Wochenende. Nachmittags bestaunt man Gaudís Meisterwerk Sagrada Familia, abends schlemmt man Tapas und danach lässt man den Tag in einer der zahlreichen Bars ausklingen. 

"Benvingut a Barcelona!“ ist auf einer großen Reklametafel im Flughafen zu lesen. Katalanisch für: Herzlich willkommen in Barcelona. Über das Wochenende habe ich mir ein Apartment in der Avinguda Diagonal gebucht. Es befindet sich ganz in der Nähe zum Stadtzentrum, ist anheimelnd und sauber. Der nette Vermieter - er heißt Antonio, ist 34 Jahre alt und kommt aus Madrid – empfiehlt eine Tapas-Bar fürs Abendessen: Paco Meralgo.

In der Avinguda Diagonal reiht sich Geschäft an Bank und umgekehrt. Die Allee heißt so, weil sie das wie ein Schachbrett aufgebaute Straßenmuster diagonal durchschneidet. Fünf Millionen Menschen aus aller Herren Länder besuchen Barcelona jedes Jahr. Ob man will oder nicht: Man ist einfach fasziniert von der verschnörkelten, südländischen Architektur und den romantischen Straßenlaternen in der viertmeistbesuchten Stadt Europas.

Tapas - vom Insektenschutz zur Delikatesse

Im Restaurant ist kein Platz mehr frei. Sogar die Barhocker direkt an der Fischtheke sind belegt. Touristen? Nein, man betreibt Konversation auf Katalanisch und Spanisch. Tapas und trockener Hauswein in Rot sind ein Muss; immerhin ist Spanien das Land mit der größten Rebanbaufläche der Welt. Der Legende nach legte man damals geröstete Brotscheiben – mitsamt der Beläge – auf sein Weinglas, um es vor Insekten zu schützen. Ein Deckel also, "tapa". Tapas sind heute kulinarische Spezialitäten und überall in der Welt bekannt – von der einfachen Olive bis hin zum aufwendigen kredenzten Fleisch- oder Fischgericht. Der Wein ist rubinrot, schmackhaft und fruchtig. Allein dafür hat sich das Warten gelohnt. Der Ober serviert "Esqueixada de bacalao" mit Olivenöl, einen Kabeljau-Salat, und "Gambas al ajillo" (gebratene Garnelen mit Knoblauch und Chili). Die Stimmung im Restaurant ist ausgelassen, die Gäste lachen, reden, schmausen, trinken. Nach dem Essen knabbert man Erdnüsse.

Samstagmorgen, 8 Uhr. Eine Stadterkundung zu Fuß steht auf dem Plan. Die Straßen sind noch unbelebt, alles scheint in dieser Zwei-Millionen-Einwohner-Metropole ein wenig später zu erwachen als anderswo. Eine der bekanntesten Straßen Barcelonas ist der Prachtboulevard Passeig de Gracia. Er ist von zahlreichen Gebäuden der Architekten und Künstler des katalanischen Jugendstils gesäumt, darunter Antoni Gaudí. Schön anzusehen sind auch die Gassen, die links und rechts davon abgehen – eine malerischer als die andere und flankiert sind von schönen Häuserfassaden mit liebevoll verzierten Balkonen.

 

Tapas
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Qual der Wahl: Tapas-Karte

Mercat de la Boqueria: Treffpunkt der Feinschmecker

Fast jeder der vielen Straßenkioske im Zentrum der Stadt bietet Leckereien an, die man unbedingt einmal kosten sollte. Zum Beispiel Turrón, eine typisch spanische – sehr süße Spezialität aus Mandelnougat, die man hier gern zu Weihnachten isst oder verschenkt. Der Mercat de la Boqueria, das nächste Ziel. Ein riesiges Markthallen-Areal auf über 2500 Quadratmeter Fläche aus Stahl, Glas und Mosaik: Verkaufsstände soweit der Blick reicht. Eine bunte Mixtur bekannter und unbekannter Gerüche schlägt dem Besucher entgegen, im Angebot finden sich ganze Serrano-Schinken und Frischfleisch, Meeresfrüchte und Fisch, Süßigkeiten sowie kleingeschnittene Früchte in Bechern zum Naschen für unterwegs. Unterschiedliche Formen, Größen und alle erdenklichen Farben.

 

Tapas mit Wein
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Kleine Kunstwerke: Tapas in einer Bar

Wer hier durchschlendert, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auch über die Menschen, die hier arbeiten. Juanito zum Beispiel ist Koch auf der "Boqueria" und das seit bereits über 50 Jahren. Ob er denn niemals woanders leben und arbeiten wolle? "Nein", sagt er auf Spanisch und lacht, wobei er eine breite Reihe gelblicher, aber schöner Zähne zeigt. "Sicher habe ich mal drüber nachgedacht. Aber das hier ist meine Stadt, mein Leben." Ein paar Minuten vom Markt entfernt befindet sich die La Rambla, die sich über einen Kilometer erstreckende, wohl berühmteste Flaniermeile Barcelonas – parallel zum Passeig de Gracia. Charakteristisch sind die viele Straßencafés mit ihren Kellnern, die geschäftig über die Bürgersteige hetzen, um die zahllosen Gäste zu bedienen. Sie ist eben eine tolle Gastgeberin, diese Stadt. Freundlich und einladend zeigt sie sich von ihrer schönsten Seite, überall auf dem Boden liegen die Blätter der Platanen – ein weiteres Wahrzeichen.

Sagrada Familia: ein Bauwerk für die Ewigkeit

Abend in Barcelona: In der Bar "Dry Martini" in der Carrer d'Aribau kann man nach einem aktionsreichen Tag bei einem leckeren Cocktail, zum Beispiel einem Mojito mit Ingwer, wunderbar den Tag ausklingen lassen. Das Getränk ist außergewöhnlich gut – so wie die Stadt selbst eben. Es ist Sonntag, der letzte Tag in dieser zauberhaften Mittelmeer-Metropole bricht an. Wer ihr einen Besuch abstattet, darf sich die legendäre Sagrada Familia auf keinen Fall entgehen lassen. Hierfür sollte man ein paar Stunden einplanen. Die riesige Kathedrale ist sehr beeindruckend, auch, wenn das Areal drumherum seit langer Zeit wie eine einzige, ewige Baustelle anmutet: Kräne überragen das imposante Gebäude.

 

Turrón
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Turrón: beliebte Süßigkeit in Spanien

1882 hatte Antoni Gaudí es entworfen. Die nach Osten gerichtete sogenannte Weihnachtsfassade zeigt detailliert die Geburt Jesu Christi. Diese hatte der weltbekannte Architekt noch persönlich fertiggestellt. Seit seinem tragischen Unfalltod im Jahr 1926 baut man an den anderen Seiten weiter. Viele halten das Konstrukt für ein echtes Kunstwerk, andere verhöhnen es regelrecht. So soll der britische Schriftsteller und Journalist George Orwell es sogar einmal ein "scheußliches Gebäude" genannt haben. Papst Benedikt XVI. hingegen war so beeindruckt, dass er La Sagrada Familia im November 2010 zur Basilika weihte. Um die Kathedrale herum verkaufen Straßenkünstler ihre Gemälde und Handwerk, Musiker spielen und singen katalanische Volksweisen – eine malerische Kulisse, die ihresgleichen sucht.

Eine tolle Möglichkeit, sich die Stadt bequem im Sitzen anzuschauen, wenn man vom Laufen zu erschöpft ist, ist eine Fahrt mit dem Touristenbus der Linie "Blau": Es geht vorbei an einem Prachtwerk katalanischer Gotik, der Klosteranlage Monestir de Pedralbes, dem populären Sportverein Futbol Club Barcelona (FC Barcelona) und an der Plaça de Catalunya. Wer hier aussteigt, kann beispielsweise von einem kleinen Straßencafé aus dem munteren Treiben zuschauen und einfach nur in in vollen Zügen genießen. Der sternförmige Platz ist gesäumt von roten, blauen und grauen Fliesen. Ein großer Springbrunnen und gepflegte Grünflächen runden die attraktive Ansicht ab. Es ist ein Ort zum Verweilen. Doch für mich heißt es leider: zurück ins Apartment und packen. A reveure, Barcelona! Auf Wiedersehen.

Autor

Anja Polaszewski