Spanien Kloster Montserrat - Trutzburg der Katalanen

Im Kloster Montserrat leben etwa 80 Mönche. Nach der Zerstörung der spätmittelalterlichen Anlage durch Napoleons Truppen wird sie seit Ende des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut.

Wer oben auf einem der Gipfel des "zersägten Bergs", des bis zu 1240 Meter hohen Montserrat-Gebirges, steht, schaut an klaren Tagen weit hinaus aufs Mittelmeer und entdeckt vielleicht sogar Mallorca am Horizont. 500 Meter tiefer, eingebettet in das steile und zerklüftete Sedimentgestein, liegt ein Benediktinerkloster. Gegründet um 880, ist Santa Maria de Montserrat seit Jahrhunderten eine Festung der katalanischen Sprache und ein Symbol für die Autonomie der Region.

Geografisch etwa in der Mitte Kataloniens gelegen, entwickelte sich das Kloster zu einem ideologischen Zentrum: In den Zeiten kastilischer Vorherrschaft bot das Kloster Schutz und Schirm für das nationale Gedankengut der Katalanen. Aus der Druckerei des Konvents, die bereits Ende des 15. Jahrhunderts eingerichtet wurde, gelangten während der Franco-Diktatur Broschüren und Flugblätter in der damals verbotenen Sprache unters Volk. Die heiligen Hallen sind seit jeher ein Treffpunkt für alle, die sich im Herzen unabhängig von Spanien fühlen. Wenn montags bis freitags (außer während der Sommerferien) um 13 Uhr etwa 50 Chorknaben der "Escolania de Montserrat" das Marienlied "Virolai", Hymne des Klosters, intonieren, erheben sich viele Nationalisten.

Die Klosteranlage ist auch für Nicht-Katalanen äußerst sehenswert. Im Museum findet sich ein Sammelsurium von ägyptischen Sarkophagen über spanische, italienische und französische Malerei ab dem 15. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen katalanischen Werken, darunter auch ein Bild von Sean Scully. Viele der jährlich mehr als drei Millionen Besucher zieht es zur Statue der Schwarzen Madonna aus dem 12. oder 13.Jahrhundert "La Moreneta", "die kleine Braune", thront über dem Hochaltar in der Basilika und soll vom Apostel Lukas geschnitzt worden sein. Zur "Festa de la Moreneta" finden sich stets Tausende von Menschen hier ein, bauen Menschentürme, tanzen Sardana und schwenken die katalanische Flagge.

Die in der Nähe vom Kloster Montserrat liegende katalanische Metropole Barcelona ist perfekt für eine Städtereise am Wochenende. Nachmittags bestaunt man Gaudís Meisterwerk Sagrada Familia, abends schlemmt man Tapas und danach lässt man den Tag in einer der zahlreichen Bars ausklingen. Und für einen Ausflug zum Kloster Montserrat bleibt auch noch Zeit. In Barcelona fährt man von der Station Placa d'Espanya mit der R5 Richtung Manresa bis zur Station Aeri de Montserrat (ca. 1 Std.). Von dort geht es mit der Seilbahn weiter zum Kloster. Wer länger Zeit hat, kann die Strecke auch zu Fuß gehen: Ein 52 Kilometer langer Pilgerweg (Wanderroute GR6) führt von Barcelona über Les Fonts de Terrasa nach Montserrat. Infos beim Bund der Katalanischen Wandervereine.