Slowakei

Wissenswertes über die Slowakei

Natur und Klima:

Große Teile der Slowakei werden von bewaldeten Gebirgen und Mittelgebirgen eingenommen. In einem langen Bogen durchziehen die stark gegliederten Westkarpaten und die Beskiden den Westen und Norden. Die Karpaten gliedern sich in die Niedere und die Hohe Tatra (in der Gerlsdorfer Spitze 2654 Meter), sowie die Große und Kleine Fatra. Im südlich auf die Niedere Tatra folgenden Slowakischen Erzgebirge werden heute noch Eisen, Magnesit und Antimon gefördert. Faszinierende Karstgebiete sind die rund 700 Höhlen im Aggteleker und Slowakischen Karst an der Grenze zu Ungarn. Im Süden grenzt das Land an die Donau und hat einen kleinen Anteil an der Pannonischen Tiefebene.

Es herrscht ein gemäßigt kontinentales Klima mit warmen Sommern und kalten Wintern. Die Gegend um Bratislava weist eine hohe jährliche Sonnenscheindauer auf. Der mittlere Jahresniederschlag variiert zwischen 650 mm in der Donauniederung und 1700 mm in der Hohen Tatra.

Bevölkerung:

Die Slowakei ist wesentlich dünner besiedelt als die Tschechische Republik; nur knapp 60 Prozent der Einwohner leben in Städten, unter denen die Hauptstadt Bratislava die größte ist. Rund 86 Prozent der Bevölkerung sind Slowaken, stärkste Minderheit mit fast zehn Prozent sind die Ungarn, die vorwiegend im Südwesten des Landes leben.

Seit der Unabhängigkeit widmet die Regierung der ungarischen Minderheit besondere Aufmerksamkeit, 1999 wurde ein Minderheitensprachgesetz eingeführt. Zweitgrößte Minderheit sind die überwiegend in der Ostslowakei lebenden, wenig integrierten Roma. Ihr Anteil wird mit zwei Prozent angegeben, dürfte aber wesentlich höher liegen. Etwa 69 Prozent der Bevölkerung gehören der römisch-katholischen Kirche an.

Staat und Politik:

Nach der mehrfach geänderten Verfassung von 1992 ist die Slowakei eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der für fünf Jahre direkt gewählte Präsident. Eine einmalige Wiederwahl ist zulässig. Der Präsident ernennt den Ministerpräsidenten und auf dessen Vorschlag die Minister. Das Einkammerparlament, der Nationalrat, hat 150 Abgeordnete, die für vier Jahre gewählt werden.

Regierungsparteien sind die Gruppierung Richtung-Soziale Demokratie (SMER-SD), die nationalistische Volkspartei-Bewegung für eine Demokratische Slowakei (LS-HZDS) sowie die rechtsnationalistische Slowakische Nationalpartei (SNS). Die Slowakische Demokratische und Christliche Union (SDKU), die Partei der Ungarischen Koalition (MKP) und die Christlich-Demokratische Bewegung (KDH) bilden die Opposition.

Wirtschaft und Verkehr:

Die Trennung von der wirtschaftlich stärker entwickelten Tschechischen Republik und die Umstrukturierung von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft stellte die Slowakei nach der Unabhängigkeit vor große Probleme. Trotz eines positiven Wirtschaftswachstums ab 1994 und einer seit der Jahrtausendwende dynamischen Reformpolitik ist die Arbeitslosigkeit mit gut zehn Prozent immer noch hoch.

In den Tälern und auf den Lößböden der Tiefebene werden Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Wein und Sonnenblumen angebaut. In höheren Landesteilen überwiegt die Viehzucht. Die Wälder in den Gebirgsregionen sind wichtige Holzlieferanten und Anziehungspunkte für einen zunehmenden Tourismus, der vor allem von dem Ausbau der Wintersportorte in den Karpaten profitiert. Wichtige Industriezweige sind der Fahrzeug- und Maschinenbau, die chemische, Metall-, Textil-, Nahrungsmittel- und Holzindustrie. Fast die Hälfte der Energie wird in den Kernkraftwerken Jaslovské Bohunice und Mochovce gewonnen, der Rest in Wärme- und Wasserkraftwerken (unter anderem Gabikovo).

Dem Eisenbahnverkehr kommt noch eine relativ große Bedeutung zu. Das Straßennetz ist gut ausgebaut; eine Autobahn verbindet die Hauptstadt Bratislava mit Prag. Durch die Lage an der Donau in der Nähe des Dreiländerecks zu Österreich und Ungarn ist Bratislava der wichtigste Verkehrsknotenpunkt.

Geschichte

Herrschaft der Ungarn und Habsburger:

Im 6. Jahrhundert drängten slawische Stämme in das Gebiet, das im 9. Jahrhundert Teil des Großmährischen Reiches wurde. Seit 907 gehörte die Slowakei zu Ungarn und trug durch ihre Bodenschätze zum Reichtum der ungarischen Herrscher bei. Im 13. Jahrhundert wanderten deutsche Handwerker ein. 1526 fiel die ungarische Krone an die Habsburger. Die slowakische Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts erhielt vor allem über die Schaffung einer Schriftsprache durch Lúdovít Štúr starken Auftrieb.

Teil der Tschechoslowakei und Unabhängigkeit:

1918 wurde die Slowakei ein Bestandteil der Tschechoslowakei. Bei deren Zerschlagung durch das Hitler-Regime 1939 wurde die Slowakei formell unabhängig, tatsächlich aber ein Satellitenstaat Deutschlands. Seit 1945 wieder Teil der Tschechoslowakei, wurde die Slowakei am 1. Januar 1969 Föderativstaat (Slowakische Sozialistische Republik) innerhalb der SSR.

Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft 1989 verstärkten sich die Autonomiebestrebungen und 1993 wurde die Slowakei unter Führung des nationalistischen Politikers Vladimir Meiar unabhängig. Der reformorientierte Regierungschef Mikuláš Dzurinda führte das Land 2004 in die Nato und die EU. Im selben Jahr gewann Ivan Gašparovi die Präsidentschaftswahlen. Nach den Parlamentswahlen 2006 bildete Robert Fico (SMER-SD) eine Mitte-Rechts-Regierung.


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