Serbien

Wissenswertes über Serbien

Natur und Klima:

Das Land ist gekennzeichnet durch eine Vielfalt unterschiedlicher Landschaften: fruchtbares Tiefland, sanfte Hügelländer, Mittel- und Hochgebirge mit dazwischen liegenden sommertrockenen Becken. Nach der Abtrennung von Montenegro hat Serbien den Zugang zur Adria verloren und ist ein Binnenland geworden.

Im Norden des Landes erstreckt sich in der Vojvodina die von Save, Donau und Theiß durchflossene und fruchtbare Ebene des Pannonischen Tieflands. Zwischen Donau und Save ragt der bewaldete Bergrücken der Fruška Gora hervor; im Süden schließt sich die zum Teil noch bewaldete Hügellandschaft der Šumadija an, die im Osten in das Serbische Erzgebirge, im Südosten in die Ausläufer des westlichen Balkan und im Südwesten in das Dinarische Gebirge übergeht. Der südliche Landesteil wird geprägt von der Morava-Beckenzone, einem meist bewaldeten Bergland.

Übergangsklima:

Das Landesinnere ist von gemäßigt kontinentalem Klima geprägt mit Januartemperaturen um den Gefrierpunkt und Julitemperaturen von 20 bis 23 Grad. Die Niederschläge steigen von 500 bis 700 mm in der Vojvodina auf über 1000 mm in den Gebirgsländern an. Im Süden sind während der trockenheißen Sommer in den Becken schon mediterrane Klimaeinflüsse spürbar. Dagegen erhalten die Hochgebirge im Winter heftige Schneefälle.

Bevölkerung:

Serbien ist trotz seiner insgesamt 21 Minderheiten mit Ausnahme der Provinz Vojvodina ein ethnisch relativ geschlossenes Gebiet. Die Serben stellen mit mehr als 80 Prozent die Bevölkerungsmehrheit. In der Vojvodina sind 19 Prozent der Einwohner Ungarn. Durch Wanderungsbewegungen unterliegt die Bevölkerungszusammensetzung noch großen Veränderungen. Zurzeit leben rund 180.000 Flüchtlinge aus Kroatien und 90.000 Flüchtlinge aus Bosnien und Herzegowina in Serbien; etwa 220.000 Binnenflüchtlinge stammen aus dem Kosovo.

Besonders dicht besiedelt sind die nördliche Tiefebene sowie die Region um Belgrad. Die Hauptstadt Belgrad überschreitet als einzige Stadt die Millionengrenze.

Bildung:

Es besteht eine allgemeine, achtjährige Schulpflicht ab dem siebten Lebensjahr. Zur Hochschulreife führen in vier Jahren allgemeine Sekundarschulen (Gymnasien), daneben gibt es berufliche und technische Sekundarschulen. Unterrichtssprache ist Serbisch, in der Vojvodina auch Ungarisch. Ein großes gesellschaftliches Problem beinhaltet die Abwanderung besser ausgebildeter junger Menschen nach Nord- und Westeuropa.

Staat und Politik:

Serbien ist nach der Verfassung von 2006 eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Präsident. Es sind maximal zwei Amtszeiten möglich. An der Spitze der dem Parlament verantwortlichen Regierung steht der Ministerpräsident. Das Einkammerparlament, die Nationalversammlung, hat 250 für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählte Abgeordnete.

Wichtige Parteien sind die rechtsnationalistische Serbische Radikale Partei (SRS), die sozialdemokratische Demokratische Partei (DS), die nationalkonservativen Gruppierungen Demokratische Partei Serbiens (DSS) und Neues Serbien (NS), die wirtschaftsliberale G17 Plus, die Sozialistische Partei Serbiens (SPS) sowie die Liberaldemokratische Partei (LDP). An der Spitze des Gerichtswesens steht das Verfassungsgericht.

Wirtschaft und Verkehr

Die Wirtschaft hat sich noch immer nicht von den Uno-Sanktionen, die 1992 bis 2000 verhängt wurden, vollständig erholt. Trotz eines allmählich spürbaren Wirtschaftsaufschwungs leben rund 30 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Auch die Arbeitslosigkeit und die Inflation verharren auf hohem Niveau.

Veraltete Industrieanlagen:

Insbesondere die Industrie, deren Privatisierung noch immer nicht abgeschlossen werden konnte, kann den Anforderungen der internationalen Märkte nicht genügen. Die Wiederherstellung ihrer Leistungsfähigkeit erfordert ausländisches Kapital und Know-how. Zu den wichtigsten Industriezweigen zählen der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Elektro-, chemische sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie.

Das Land verfügt über reiche Bodenschätze, vor allem Kupfer, Blei, Zink, Antimon und Kohle, sowie eine gute Energieversorgung durch zahlreiche Wasserkraftwerke. In der Vojvodina werden Erdöl und Erdgas gefördert.

Landwirtschaft und Tourismus als wirtschaftliche Basis:

40 Prozent der Staatsfläche sind agrarisch nutzbar. Die bedeutende Landwirtschaft liefert vor allem Mais, Weizen, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Tabak, Wein, Gemüse, Kartoffeln und Obst. In den Gebirgsregionen überwiegt die Viehzucht (im Norden vor allem Rinder- und Schweinezucht, im Süden extensive Schafzucht).

Von rasch wachsender Bedeutung ist der Tourismussektor, für dessen Aufbau ausländische Investoren gewonnen werden konnten.

Wichtiges Durchgangsland:

Hauptverkehrsachse sind die Täler von Donau und Morava, die zu den wichtigsten Verkehrswegen aus dem Alpen- und dem Donaugebiet nach Griechenland und über Niš nach Sofia und Istanbul gehören. Der Donau kommt für die Schifffahrt eine überragende Bedeutung zu.

Geschichte

Mittelalterliche Staatsbildungen:

Im 6./7. Jahrhundert wanderten slawische Stämme in das Gebiet ein, das Teil des Oströmischen Reichs war. Stephan I. Nemanja (1166-1196) konnte Serbien um 1180 aus der Abhängigkeit von Byzanz lösen. 1217 wurde Serbien Königreich. Im 13. Jahrhundert kam es zu einer beachtlichen Ausweitung des serbischen Herrschaftsgebietes (Nordmakedonien, Bosnien). Stephan IV. (1331-1355) erwarb Südmakedonien, Epiros, Thessalien und Albanien und schuf damit ein serbisches Großreich, das nach seinem Tod in Einzelstaaten zerfiel.

Osmanische Herrschaft und neue Unabhängigkeit:

Mit ihren Siegen an der Maritza (1371) und auf dem Amselfeld (1389) begründeten die Türken ihre Herrschaft auf dem südlichen Balkan für Jahrhunderte. Serbien wurde tributpflichtig, bis es 1459 dem Osmanischen Reich ganz einverleibt wurde. Der Norden Serbiens geriet zu Beginn des 18. Jahrhunderts unter österreichische Herrschaft. Nach blutigen Aufständen gegen die Osmanen erlangte Serbien unter Miloš Obrenovi innere Autonomie, auf dem Berliner Kongress 1878 die Unabhängigkeit. 1882 wurde es Königreich. Der Krieg gegen Bulgarien 1885, der durch den Frieden von Bukarest 1886 beendet wurde, blieb ohne Erfolg.

20. und 21. Jahrhundert:

König Peter I. Karadjordjevi (1903-1921) betrieb eine prorussische Außenpolitik und förderte die südslawische Bewegung. Nach der Annexion von Bosnien und der Herzegowina 1908 wurde Österreich-Ungarn zum politischen Hauptgegner. In den Balkan-Kriegen (1912/13) gewann Serbien das nördliche Makedonien. Der serbisch-österreichische Konflikt erreichte seinen Höhepunkt, als der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo, der Hauptstadt Bosniens, am 28. Juni 1914 ermordet wurde. Das Attentat löste den Ersten Weltkrieg aus.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Serbien ein Teil des südslawischen Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, das 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt wurde. Im Zweiten Weltkrieg geriet Serbien unter deutsche Militärverwaltung. Gegen die deutschen Besatzer kämpften monarchistische und kommunistische Partisanenverbände. Nach Kriegsende wurde Serbien Teilrepublik der von Josip Broz Tito proklamierten Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (seit 1963 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien).

Der Tod Titos 1980 wurde zum Ausgangspunkt des Zerfalls dieses Vielvölkerstaates, da bisher unterdrückte soziale und nationale Ungleichheiten verstärkt zum Vorschein kamen. Insbesondere der Kosovo entwickelte sich zur Krisenregion. Der Auflösungsprozess beschleunigte sich, nachdem Slobodan Miloševi 1987 die Führung der serbischen Kommunisten übernahm und 1990 auch serbischer Präsident wurde. Er ließ die Autonomierechte der Provinzen Kosovo und Vojvodina aufheben und stellte die Gebiete unter die vollständige Kontrolle Serbiens. Schließlich brach die Volksrepublik Jugoslawien in blutigen Wirren auseinander.

Serbien und Montenegro schlossen sich 1992 zur neuen Bundesrepublik Jugoslawien zusammen, deren Politik von Miloševi bestimmt wurde. Die Annullierung der Ergebnisse der serbischen Kommunalwahlen 1996 zu Lasten der Opposition führten zu Massendemonstrationen, die das Miloševi-Regime in eine schwere Krise stürzten. 1998 eskalierte die Lage im Kosovo, wo die albanische Bevölkerungsmehrheit unterdrückt wurde, zum militärischen Konflikt zwischen der albanischen Befreiungsarmee des Kosovo (UK) und serbischen Sondereinheiten, die auch massiv gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Erst die Militärintervention der Nato 1999 beendete die Auseinandersetzungen. Die Provinz kam unter Uno-Verwaltung. Nach schweren Unruhen 2000 verlor Miloševi schließlich seine politische Macht, 2001 wurde er an das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert.

Die montenegrinischen Unabhängigkeitsbestrebungen wurden 2003 auf Drängen der EU durch die Bildung der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro zunächst unterlaufen. Im selben Jahr fiel der reformorientierte serbische Ministerpräsident Zoran Djindji, der seit 2002 regierte, einem Mordanschlag zum Opfer. 2004 wählte die serbische Bevölkerung Boris Tadi (DS) zum Präsidenten Serbiens. Vojislav Koštunica (DSS) übernahm im selben Jahr das Amt des serbischen Regierungschefs. Nach der Unabhängigkeitsproklamation Montenegros am 3. Juni 2006 erklärte sich die Republik Serbien zum Nachfolger der aufgelösten Staatengemeinschaft.

Am 28./29. Oktober 2006 sprach sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Annahme einer neuen Verfassung aus, in der das Kosovo und die Vojvodina als autonome serbische Provinzen bezeichnet werden. Bei den Parlamentswahlen 2007 konnte die rechtsnationalistische SRS ihre Position als stärkste parlamentarische Kraft behaupten. Vojislav Koštunica bildete eine Mehrparteienregierung aus DSS, DS und G17 Plus.

Boris Tadi konnte 2008 erneut die Präsidentschaftswahlen gewinnen. Im selben Jahr proklamierte das Kosovo gegen den Widerstand Serbiens einseitig die Unabhängigkeit. In der Folge zerbrach die von Koštunica geführte Koalition am Streit über eine weitere Annäherung an die EU vor dem Hintergrund des Kosovo-Problems. Staatspräsident Tadi löste daraufhin im März 2008 das Parlament auf. Die Neuwahlen im Mai 2008 gewann das Bündnis Für ein europäisches Serbien unter Führung von DS und G17 Plus. Nach schwierigen Koalitionsverhandlungen bildeten die proeuropäischen Parteien DS und G17 Plus ein von der LDP und den Abgeordneten der ethnischen Minderheiten gestütztes Kabinett mit der früher von Miloševi beherrschten SPS. Neuer Ministerpräsident wurde Mirko Cvetkovi.


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