Wallis Bei den Bernhardinern vom Großen Sankt Bernhard

Doris Kündig, Mitarbeiterin der "Fondation Barry du Grand Saint Bernhard" begrüßt uns freundlich und führt uns durch die lebendig gestalteten Ausstellungsräume des Museums. Von ihr erfahren wir alles über den Großen Sankt Bernhard Pass, dessen Geschichte mit den legendären Bernhardinern eng verbunden ist. 

Der seit Jahrtausenden vielbereiste Pass zwischen der Schweiz und Italien, gilt heute als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Wallis. Und auch das Hospiz des Sankt Bernhard wurde bereits im 11. Jahrhundert auf einer Passhöhe von 2469 Metern – in der Wildnis der Berge – von Mönchen gegründet, unter der Leitung von Erzdiakon Bernhard von Menthon, dem später heiliggesprochenen Bernhard von Mont-Joux. 

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts hielten die Mönche dort große Bauernhunde, die einst die Herden der Region bewachten, ehe sie als Begleit- und Rettungshunde eingesetzt wurden. In diesen Bauernhunden stecken die genetischen Wurzeln der heutigen Bernhardiner.

Jahrhundertelang galt das Sankt Bernhard Hospiz als gastfreundlicher Zufluchtsort für Reisende und Pilger, die den Alpenübergang benutzten. Heute ist das Hospiz nicht nur Durchgangsstation, sondern lädt auch zur spirituellen Einkehr ein. Zudem befindet sich hier die Zuchtstätte der Hospizbernhardiner. Der berühmteste Bernhardiner war zweifellos der Rüde Barry I. (1800-1814), der über vierzig Menschen das Leben gerettet haben soll und zum Urbild des Rettungshundes wurde. Ihm zu Ehren trägt die Stiftung seinen Namen, die weltweit als älteste und bedeutendste Bernhardiner-Zuchtstätte gilt. 

Etwa dreißig Bernhardiner sind zurzeit im Besitz der "Barry-Stiftung". Und jedes Jahr werden durchschnittlich zwanzig Welpen mit Stammbaum geboren. Ein Team, bestehend aus einem Tierarzt, einer Rassespezialistin, zehn Tierpflegerinnen und mehreren Aushilfen, sorgt für die Erziehung und das Wohl der Bernhardiner. 

Dank einer Vereinbarung mit der "Barry-Stiftung" sind im Bernhardiner-Museum von Martigny mehrere Bernhardiner untergebracht. Im Erdgeschoss, neben einem Andenken-Shop und dem Restaurant "Le Collier d’Or", besuchen wir hier den großen Hundezwinger mit Boxen, in denen die gutmütigen Tiere täglich hautnah zu erleben sind. Die Boxen sind mit einem Außengehege verbunden, das in einen Park führt, wo wir den robusten Hunden beim Herumtollen auf braungrüner Wiese zuschauen. Vor allem für Kinder ist es eine besondere Attraktion, wenn sie die freundlichen und lebhaften Bernhardiner mit den treuen Augen und dem breiten Schädel streicheln können. 

Im ersten Stock des Museums tauchen wir in die Geschichte der berühmten Rettungshunde ein. Anhand von zahlreichen Bildern, Kunstgegenständen und Filmbeiträgen erfahren wir viel Wissenswertes über die Bernhardiner, den Sankt Bernhard Pass und das Hospiz. Liebenswerte Ausstellungsstücke dokumentieren das Leben der Bernhardiner, zeigen wie der berühmte Schweizer Hund zum Werbeobjekt wurde: Man sieht ihn auf Büchern, Plakaten, Briefmarken und in Filmen, kann ihn als Plüschtier kaufen – und sogar für Schokolade und Zigaretten hat er schon geworben. 

Auch zahlreiche Malereien aus dem 19. Jahrhundert zeigen die Bernhardiner bei ihren einzigartigen Einsätzen in Schnee, Eis und Nebel. Überdies erfahren wir, dass der Pass des Sankt Bernhard einst auch als Nadelöhr für Schmuggler, Wegelager und Räuberbanden genutzt wurde, so dass die Bernhardiner auch als Schutzhunde fungierten, die manchen Reisenden bei der Alpenüberquerung hilfreich zur Seite standen. 

Nach dem Besuch des Museums machen wir einen 45-minütigen Spaziergang, der vom Museum entlang des Bachs "La Meunière" durch den Ortsteil Martigny-Bourg führt. Und bei der historischen Mühle "Semblanet" endet unser Ausflug im Weinkeller der Mühle, wo wir einen ausgezeichneten Walliser Wein genießen, begleitet von einem Teller Walliser Spezialitäten. 

Bernhardiner-Museum in Martigny
Aaron Moser
Wissenswertes über die Lebensretterhunde
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Autor:
Achill Moser