Schweiz Wandern im Tessin

Der Weg zum Paradies ist steil, doch das eigenartige rote Gefährt braucht dazu nur ein Viertelstündchen. Seit 1921 ist die Standseilbahn zwischen Piotta und dem Ritom-Stausee in Betrieb. Auf der Fahrt bis zur Bergstation überwindet sie 786 Höhenmeter mit einer Steigung von bis zu 87,8 Prozent. Das macht die Standseilbahn zu einer der steilsten überhaupt. Von der Endhaltestelle Piora in 1793 Metern Höhe ist man in etwa 20 Minuten am Stausee, hinter dem sich eine einzigartige See- und Berglandschaft ausbreitet.

Bei den Ingenieuren des Gotthard-Basistunnels sorgte die Pioramulde wegen des weichen Bröselsteins für heiße Köpfe, hier oben weckt sie nur Begeisterung. Drei Täler mit mehr als 20 Seen umfasst das Gebiet Ritom-Piora. Im Sommer sprießen Glockenblumen, Silberwurz und der seltene Himmelsherold. Auch heimische Orchideensorten wie die Kugelorchis gedeihen. Mit etwas Glück erblickt man ein Murmeltier, eine Gemse oder ein Birkhuhn. Auch Kühe grasen im Piora-Tal. Der aus dieser Alpenmilch hergestellte Käse schmeckt hervorragend. Man kann angeln, Fahrrad fahren und vor allem wandern, einige Stunden oder auch mehrere Tage.

Eine beliebte Wanderung führt in etwa vier Stunden von der Bergstation am Ufer des Lago Ritom vorbei zum 20 Meter tiefen Cadagnosee. Er ist einer der wenigen mit zwei sich nie vermischenden Wasserschichten. Auch zur Erforschung dieses Phänomens arbeiten hier Biologen in einer wissenschaftlichen Station, die in zwei alten Viehhütten verborgen ist. Viele Wanderer umrunden das Gewässer, um in der dortigen Alphütte einzukehren und zurückzulaufen (circa 3 Stunden 45 Minuten). Andere zieht es weiter ins Piora-Tal. Ein Weg führt über den Passo Sole nach Acquacalda im Valle di Blenio (circa 4 Stunden 45 Minuten von der Ritom-Bergstation). Weitere Wanderungen führen zum Oberalp- oder zum Lukmanierpass, zum Gotthard und sogar nach Andermatt im Kanton Uri und Sedrun in Graubünden.

Weitere schöne Wanderrouten im Tessin:

Egal ob man in Ascona oder im Mendrisiotto Urlaub macht: Immer gibt es in der Nähe einen interessanten Wanderweg. Die Routen sind gut markiert. Gelbe Wegweiser kennzeichnen einfache, gefahrlose Strecken. Mittelschwere Bergwanderwege sind rot-weiß markiert. Blau-weiße Schilder führen zu anspruchsvollen Alpintouren für erfahrene und gut ausgerüstete Berggänger. Vorschläge für Wandertouren gibt es - abgesehen von den zahlreichen Wanderführern - im lokalen Tourismusbüro, bei Ticino Turismo und bei SchweizMobil. Dank der vielen Berghütten sind auch Mehrtagestouren möglich. In der Regel bieten sie für Wanderer einfache Mehrbettunterkünfte.

 

Der Weg von Monte Tamaro zum Monte Lema.
Ticino Turismo/Christof Sonderegger
Von der Hütte Monte Tamaro genießt man einen tollen Ausblick.

Vom Monte Lema zum Monte Tamaro

Die "Traversata" vom Monte Lema zum Monte Tamaro (oder umgekehrt) ist ein Klassiker im Tessin. Die Höhenwanderung bietet ein großartiges Panorama. Besonders anstrengend ist die Strecke nicht: Start- und Endpunkt ist jeweils die Bergstation einer Seilbahn. Auf der einen Seite führt die Gondel von Rivera auf die Alpe Foppa, auf der anderen Seite von Miglieglia direkt auf den Monte Lema. Gegen Abend fährt jeweils ein Bus zurück in den Ausgangsort. Die Talstation in Rivera erreicht man über die Autobahn A2 zwischen Lugano und Bellinzona (Ausfahrt Rivera). Dauer: circa viereinhalb Stunden, Infos zu den Seilbahnen: www.montetamaro.ch und www.montelema.ch

 

Kastanienwanderung im Alto Malcantone.
Switzerland Tourism/Thomas Senf
Kastanien sammeln auf dem Kastanienwanderung im Alto Malcantone.

Kastanienweg

Der "Sentiero del Castagno" ist ein Rundwanderweg durch die Gegend des Alto Malcantone nordwestlich von Lugano. Er führt durch Kastanienwälder und informiert über deren nahrhafte Frucht. Im 19. Jahrhundert brachte die Kastanie die Tessiner über den Winter, war als "Brot der Armen" für viele monatelang das Grundnahrungsmittel. Heute ist sie eine Delikatesse. Der Weg beginnt in Arosio und führt über Mugena und Fescoggia wieder zurück an den Ausgangsort. Wer im Herbst kommt, kann unterwegs Kastanien sammeln und danach klassisch zubereiten: Schale einritzen, ca. 20 Min. im Backofen rösten, fertig. Dauer: circa fünf Stunden. Eine detaillierte Infobroschüre ist bei Malcantone-Turismo erhältlich.

 

Die Centovalli-Bahn im Kanton Tessin.
Switzerland Tourism/Christof Sonderegger
Die Centovalli-Bahn verkehrt zwischen Locarno und Intragna.

Von Camedo nach Intragna

Anspruchsvolle Wanderung durch das Centovalli-Gebiet. In Locarno steigt man in die Centovalli-Bahn und zuckelt nach Camedo, wo die Wanderung nach Intragna beginnt. Zunächst führt der Weg über eine Landstraße nach Lionza, dann schlängelt er sich auf einem Saumpfad durch die zerfurchte Naturlandschaft, vorbei an Alpweilern und dem Bergdorf Verdasio (gutes Restaurant "Al Pentolino") bis nach Intragna. Von dort führt die Bahn zurück nach Locarno. Dauer: circa fünf Stunden. Infos unter www.centovalli.ch oder am Fahrkartenschalter der Centovalli-Bahn in Locarno.

 

Blick vom Monte Generoso im Tessin.
Ticino Turismo/Jacques Perler
Panoramablick vom Monte Genersoso über den Monte San Giorgio.

Muggio–Bellavista– Muggio

Rundwanderung im ursprünglichen Valle di Muggio. Der Weg führt von Muggio über Roncapiano zum Aussichtspunkt Bellavista auf dem Monte Generoso, danach über Pianspessa und Tur zurück. Von Bellavista aus kann auch ein Zusatzschlenker zum Gipfel eingebaut werden (Aufstieg circa 70 Minuten). Bequeme nehmen die Zahnradbahn. Der Weg hat auch kulturell etwas zu bieten, in Tur z.B. lässt sich das Oratorium San Giovanni aus dem 17. Jahrhundert bewundern. Dauer: circa viereinhalb Stunden. Infos bei Mendrisiotto Turismo.

 

Baden im Valle Maggia im Tessin.
Switzerland Tourism/Christof Sonderegger
Vor der Wanderung noch eine Abkühlung: Badespaß im Valle Maggia bei Ponte Brolla.

Von Ponte Brolla nach Aurigeno

Eine Wanderung am Bergbach Maggia entlang, ohne viel Steigung und durch schöne Orte mit typischen Steinhäusern. Der Weg beginnt in Ponte Brolla, das von Locarno aus mit Bahn und Bus gut erreichbar ist. Er führt zuerst nach Tegna und dort hinauf zum schön gelegenen Oratorium von Sant'Anna. Weiter geht es durchs Riei-Tal, nach Dunzio und auf der Westseite des Flusses nach Aurigeno. Das Praktische: Bei größerer Wanderlust kann die Strecke weiter ins Tal hinein ausgedehnt werden, etwa nach Someo oder Cevio. Die Rückreise erfolgt entweder zu Fuß oder mit dem etwa stündlich fahrenden Autobus. Dauer: circa dreieinhalb Stunden (Ponte Brolla-Aurigeno). Infos bei Vallemaggia Turismo.