Schweiz Wandern auf dem Jura-Höhenweg

Jura-Höhenweg

Wandern in den Alpen bedeutet frühmorgens aufbrechen, den Berg hoch, immer weiter, immer höher, als karger Lohn ein Sandwich mittags auf dem Gipfel und das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Wandern im Jura bedeutet: gemütlich zur ersten "Buvette" laufen, einkehren für eine Rösti, eine Käseschnitte oder einen heißen "Tomme", den typischen jurassischen Alp-Weichkäse, dazu ein Glas Chasselas, danach beschwingt weiterwandern, zum nächsten Chalet, zur nächsten Einkehr.

Das ist vielleicht übertrieben, kommt der Realität aber nahe: Zum Genusswandern eignen sich die geschwungenen Hügel des Jura hervorragend. Das Wegnetz ist gut, wer will, kann auf dem Jura-Höhenweg in zwei Wochen von Zürich aus bis zum Genfer See laufen.

Die besonders schöne Etappe 13 führt in etwa 6,5 Stunden durch den Waadtländer Jura, der sich gerade als regionaler Naturpark bewirbt. Die Strecke ist jedoch recht anstrengend, sie führt über den Mont Tendre, mit 1678 Metern die höchste Erhebung im Schweizer Jura. Dafür bleibt der Blick auf den Genfer See, die Alpen und die Vogesen unvergesslich. Trotz der grünen Wegweiser ist eine gute Karte hilfreich.

Arthur F. Selbach
Weitblick immer wieder inklusive
Grob verläuft der Weg von Le Pont hinauf zum Col du Mollendruz, auf den auch ein Postauto fährt. Hier steigt ein, wem es zu anstrengend wird. Von dort geht es weiter bis zum Mont Tendre (Einkehr unterwegs möglich) und in stetem Auf und Ab zum Grand Cunay und schließlich zum Col de Marchairuz (auch hier Einkehr möglich), wo wiederum ein Postauto hält.

Statt zum Col de Mollendruz kann man zu Beginn auch zur Alpen-Buvette "Les Croisettes" aufsteigen. Will man wirklich weiterwandern? Oder doch lieber ein würziges Fondue genießen und danach einfach zurücklaufen?

INFO:

Die Region um den Genfer See ist für Wanderer äußerst vielfältig. Wer Herausforderungen sucht, findet in den Waadtländer Alpen anspruchsvolle Bergwege und Klettersteige. Weniger Abenteuerlustige können im Jura über Wald- und Wiesenwege laufen - und durch die Rebhänge am Genfer mit grandioser Aussicht.

Mehr Informationen über den Jura-Höhenweg: www.wanderland.ch
Postauto-Fahrpläne: www.postauto.ch oder www.sbb.ch

WEITERE TOUREN:

Tour de la Palette

Eine Tour fürs Fotoalbum: Mit einer altmodischen Gondelbahn fährt man von Les Diablerets hoch zur Bergstation Isenau. Von dort kann man in etwa 2,5 Stunden über den Col des Andérets und den Col de Voré den Berg La Palette umrunden. Höhepunkt ist der Lac Retaud gegen Ende der Tour, in dem sich die Gipfel der Diablerets-Gruppe spiegeln.

Tobleronen-Weg

15 Kilometer lange Wanderung von Bassins über Gland nach Nyon. Unterwegs tauchen immer wieder Betonblöcke auf, deren Form an die Toblerone-Schokolade erinnert. Sie gehören zu einer Panzersperre aus den dreißiger Jahren und sind teils überwachsen: Der Pfad durchquert, oft an Bachufern entlang, mehrere Naturschutzgebiete.

La Videmanette - Château-dOex

Die Zehn-Kilometer-Wanderung führt durch La Pierreuse, das größte Naturschutzgebiet der Westschweiz. Doch zuerst schaukelt man per Gondel von Rougemont auf den Aussichtsberg La Videmanette. Von dort ist über den Col de Videmann die beeindruckende steinige Alp La Pierreuse schnell erreicht. Durch das typische Voralpental geht es immer weiter bergab bis nach Les Granges und schließlich nach Château-d'Oex. Gehzeit ist circa drei Stunden.

Saint-Saphorin - Lutry

Eine Wanderung durchs Lavaux gehört zu den Höhepunkten eines Urlaubs am Genfer See. Eine klassische Strecke beginnt in Saint-Saphorin und verläuft an den Unesco-geschützten Weinterrassen vorbei über die Dörfer Rivaz, Epesses, Riex, Grandvaux, Aran und Chatelard bis nach Lutry. Auf elf Kilometern durchschreitet man praktisch das gesamte Anbaugebiet und genießt dabei die spektakuläre Aussicht. Gegen Abend, wenn nicht mehr so viele Wanderer unterwegs sind, sind Licht und Atmosphäre oft besonders schön. Tipp: erst am Nachmittag starten, abends am Ziel einkehren und in der Region bei einem Winzer übernachten.

Ausgabe

Genfer See 07/2012