Schweiz Skifahren in Engelberg-Titlis

Für Wintersportler bietet Engelberg-Titlis in der Schweiz Abwechslung: Fortgeschrittene wählen die anspruchsvolle Abfahrt vom Gletscher, Anfänger bleiben auf der Sonnenseite des Engelbergs. Wagemutige machen einen Ausflug zum "Titlis Cliff Walk", einer rund 100 Meter langen Hängebrücke. Auch für einen Skikurs für Kinder ist das Gebiet ideal.

Genau so hatten wir uns das vorgestellt: Knallblauer Himmel, majestätische Berggipfel und glitzernder Schnee. Katharina (8) steht zum ersten Mal in ihrem Leben auf Skiern und möchte gleich wieder auf die Piste. Wir sind in Engelberg in der Schweiz, einem verträumten Dorf, das ursprünglich nur aus einem Kloster und einigen Bauernhöfen bestand und mit der Erfindung des Skitourismus einige Hotels bekam – Jahrhundertwende-Paläste mit Türmen und Erkern, deren altmodischer Charme dem kleinen Ort eine mondäne Note verleiht. Trotzdem ist Engelberg ein Dorf geblieben – mit freundlichen Giebelhäusern und umgeben von einer atemberaubenden Bergkulisse.

Schon der Weg hierher war ein Abenteuer. Im Anflug auf Zürich leuchteten die Berge in unwirklichem Licht, das Schokoladensortiment im Flughafensupermarkt war beglückend und die Aussicht im Zug grandios. Jetzt sind wir in einer anderen Welt – ausgerüstet wie Astronauten mit Helm und Brille und komischen schweren Stiefeln. Für Katharinas ersten Skitag bekommt sie Einzelunterricht bei Anni. Die erfahrene Skilehrerin mit dem liebenswerten schweizerischen Ton ist eine Ausgeburt an Freundlichkeit und Geduld, und wie sich wenige Stunden später zeigt, ein pädagogisches Supertalent. Stolz führt Katharina nach zwei Stunden die ersten Bögen vor und darf am nächsten Tag schon in die fortgeschrittene Gruppe.

Verschwitzt und außer Atem will Katharina auch nach dem Unterricht weiter fahren. Die Berge sind so schön, die verschneiten Tannen und die Ruhe im Sessellift, wenn man über die funkelnde Pracht schwebt. Wir entscheiden uns für einen Ausflug auf den Titlis-Gletscher – ohne Ski, weil die schwere Abfahrt wegen des Windes gesperrt ist. 

Pause von den Brettern: auf dem Titlis in 3200 Meter Höhe bei 20° unter Null
Jutta von Campenhausen
Pause von den Brettern: auf dem Titlis in 3200 Meter Höhe bei 20° unter Null
Auf den 3200 Meter hohen Berg gelangen wir – übrigens ohne nennenswerte Wartezeiten und lästige Schlangen – mit einer Rundgondel, die sich während der Fahrt um 360° dreht. Bei minus 20° Grad wagen wir uns nur kurz nach draußen. Der "Titlis Cliff Walk" ist leider gesperrt, eine 100 Meter lange Hängebrücke, die sich über einen 500 Meter tief gähnenden Abgrund spannt. Die einmalige Sicht auf der Brücke ist der Grund, weshalb viele chinesische und indische Touristen Engelberg kennen. Stattdessen stampfen wir mit unseren Skistiefeln in die Gletschergrotte, die auf 150 Metern Länge in das Herz des Eismassivs führt. Spiegelglatter Eisboden, Eiswände und Eisskulpturen in blauem Licht – jetzt wissen wir, wie eine Eiskönigin lebt.

In der Schaukäserei darf Katharina selbst Käse machen
Jutta von Campenhausen
In der Schaukäserei darf Katharina selbst Käse machen
Die sensationellen Abfahrten vom Gletscher sind anspruchsvoll und nicht alle präpariert. Skianfänger fühlen sich weiter unten wohler – oder auf der anderen Talseite. Das Brunni-Gebiet ist die Sonnenseite Engelbergs. Dort können sich auch die ganz kleinen im Winterland und Yetipark austoben. Auf der Titlisseite bietet die Gerschnialp optimale Bedingungen für Anfänger: Sanfte Hänge mit blauen Pisten, die wenig befahren sind. Hier macht Katharina ihre ersten Abfahrten mit der Gruppe, während ich 2000 Meter weiter oben abseits der Pisten durch den Tiefschnee sause. Die Talabfahrt über rote und viele blaue Pisten schaffen wir aber schon gut zusammen. Hätten wir mehr Zeit in Engelberg, könnte Katharina unter professioneller Anleitung das ganze Skigebiet erkunden, und das lohnt sich nicht nur zum Skifahren.

Engelberg-Titlis, Oskar Enander
Titlis Cliff-Walk
Für zwei Franken die Minute kann man elektrische (und damit angenehm leise) Schneemobile ausleihen und über den Parcours am Trübsee flitzen; die Gerschnialp bietet einen Rodelschlittenverleih und eine 7 Kilometer lange Rodelbahn, das Igludorf in Trübsee  läd zu Entspannung in urig-eisigem Ambiente, und der Abgang per "Snowtubing" auf bunten Ringen ist besonders abends bei Fackelbeleuchteter Piste ein Erlebnis.

Katharina findet das alles lustig, aber eigentlich gar nicht nötig. Die Skischule mit ihren überschaubaren Gruppen sind Attraktion genug. Ganze Generationen von Kindern haben hier Skifahren gelernt, viele Familien kommen seit Jahrzehnten immer wieder, und Anni ist offenbar eine Institution. Überhaupt kennt man sich. In den Gondeln und Gratisbussen herrscht eine familiäre und vertraute Atmosphäre. Für uns genügt ein Lockruf, dann sammelt uns der Hoteleigene Skibus an der Talstation ein und chauffiert uns ins Hotel Edelweiß.

Jutta von Campenhausen
So lecker ist man auf der Hütte: Rösti mit Raclettekäse und Ei - Höhensonne gibt´s gratis.
Wer mit Kindern reist, ist dort bestens aufgehoben. Das Jugendstilhotel mit seinem altmodischen Charme wird mit vom Ehepaar Kuhn mit viel Liebe geführt. Nicht nur im Kinderclub sind kleine Gäste gern gesehen. Ob im Whirlpool, am Aquarium oder an der Bar – überall wimmeln vergnügte Kinder. Jeden Dienstagabend findet das Abendessen 300 Meter oberhalb des Hotels in der 300 Jahre alten Hütte Flühmatt statt, anschließend wandert man mit Fackeln ins Tal (ganz kleine und ganz faule werden gefahren).

Überhaupt sind die Hütten im Skigebiet ein Genuß. Die Dimensionen sind angenehm, der Blick gigantisch und das Essen richtig gut. Eine Spezialität der Region sind die "Engelberger Äplermagronen": Makaroni mit Röstzwiebeln und viel Käse und dazu – unglaublich, aber sehr, sehr lecker – Apfelmus. Wer nur für eine kurze Verschnaufpause einkehren will, hat es hier schwer. Oft gibt es schon tagsüber Lifemusik auf den Hütten, Sonnenterrassen und phantastische Kuchen halten auch Skibegeisterte länger als geplant fest. Abends bieten viele Wirte Käsefondue und Raclette oder den Engelberger "Bratchäs" mit anschließender Fackelabfahrt oder Fackelwanderung.

Engelberg-Titlis, Christian Perret
Abendstimmung am Gletscher
Sicher ist, wer nach einem Tag in Engelberg ins Bett plumpst, hat etwas erlebt. Sei es einen Tag auf der Piste, in der Loipe oder auf den zahllosen Wanderwegen.  Auch wer nicht in den Schnee möchte, muss sich nicht langweilen. Mit der Gästekarte sind nicht nur die Busse, sondern auch der Schwimmbadbesuch gratis. Das barocke Kloster bietet Führungen und Konzerte, und weil Lernen durch Selbermachen nicht nur auf Skiern am meisten bringt, dürfen große und kleine Gäste in der Schaukäserei im Kloster selbst Käse herstellen. Neben Sonnenbräune und dem wohltuenden Muskelkater ist der selbstgeschöpfte Klosterkäse das beste Mitbringsel aus Engelberg.

Infos zum Skigebiet Engelberg: 

Engelberg liegt in einem spektakulären Tag mitten in der Schweiz – mit dem Auto 30 Min. von Luzern und 75 Min. von Basel, Zürich oder Bern. Ein Zug durch malerische Landschaft braucht 47 Min. von Luzern.

Hotel Edelweiß
Hotel Edelweiß
Das Skigebiet Engelberg ist mit 82 Pistenkilometern das größte der Zentralschweiz – und viele finden, auch das schönste. Das Titlis-Gebiet bietet viel Abwechslung mit allen Schwierigkeitsgraden bis hin zu sensationellen Freeride-Pisten. Das Brunnigebiet auf der Sonnenseite des Tals ist weniger anspruchsvoll, aber mit seinen sieben Pistenkilometern perfekt für Kinder. Hier findet jeden Freitagabend das Nachtskifahren statt – ein Erlebnis! Skipass für Erwachsene 1 Tag 62 CHF (ca. 51 Euro), 1 Woche 312 CHF (ca. 260 Euro), Kinder 25 (ca. 21 Euro) bzw. 125 CHF pro Woche (ca. 104 Euro).

Die Skischule vermittelt nicht nur Technik. Kinder finden hier Freunde, Erwachsene lernen das Skigebiet mitsamt seinen sensationellen Freeride-Pisten kennen. Von der Kinderbetreuung für die Kleinsten in der Talstation bis hin zu organisierten Ausflügen, Rennen und Touren bieten die Skilehrer Begleitung und Organisation. Einmalig sind Schneeschuhwanderungen! www.skischule-engelberg.ch.

Das Hotel Edelweiß ist auch bei den Preisen familienfreundlich: Kinder bis 13 Jahre schlafen kostenlos im Zusatzbett. Morgens fährt der hoteleigene Skibus die Gäste direkt an die Talstation und holt sie nachmittags nach einem Anruf ab. Jeden Dienstag ist Hüttenabend mit anschließender Fackelwanderung ins Tal. Kinderbetreuung täglich von 17 – 21 Uhr. www.edelweissengelberg.ch.

Weitere Infos sowie günstige Pakete und Aktionen für Kurzentschlossene gibt es unter www.engelberg.ch.

Autor

Jutta von Campenhausen