Alpine Pearls Sanfter Tourismus in den Alpen

MERIAN.de: Frau Mentil, was versteht man unter sanftem Tourismus?
Karmen Mentil: Beim sanften Tourismus werden die natürlichen Gegebenheiten an einem Ort nicht verändert, das heißt Natur und Kultur in der bereisten Region sind unverfälscht erlebbar. Der Aufenthalt muss von der An- und Abreise bis zu Aktivitäten vor Ort umweltverträglich gestaltet sein.

Was ist die Zielsetzung der "Alpine Pearls"?
Die "Alpine Pearls" sind ein Verein zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus mit umweltfreundlicher Mobilität. Die Mitgliedsorte haben dafür spezielle Urlaubsangebote entwickelt.

Was sind das für Angebote?
Eine Anreise mit dem Auto ist natürlich nicht verboten, wir empfehlen aber den Bus oder die Bahn zu nehmen. Das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch für den Einzelnen viel entspannter. Wenn gewünscht, übernehmen die Tourismusbüros die Planung für eine autofreie Anreise - inklusive Fahrplanauskunft und Organisation des Abholservice vor Ort. Damit der Urlauber auch während seines Aufenthalts ohne Auto mobil ist, bietet jeder "Alpine Pearls"-Ort ein klimaschonendes Mobilitätsangebot. Das beinhaltet zum Beispiel Shuttle-Services, Wandertaxis, Gratis-Skibusse oder E-Bikes.

Wie kam der Verein "Alpine Pearls" zustande?
Die von der EU geförderten Projekte "Alps Mobility I und II" waren für die Entstehung der "Alpine Pearls" wichtig. Hier wurden in zahlreichen Modellorten innovative Lösungen für eine sanfte Mobilität im Tourismus umgesetzt. Eine der Zielsetzungen war die Gründung eines internationalen Netzwerkes von Gemeinden, die zu diesem Thema zusammenarbeiten. Die Gründung von Alpine Pearls als eingetragener Verein erfolgte Anfang 2006, seitdem sind keine weiteren Förderungen durch die EU geflossen. Die Vereinsaktivitäten werden von den Mitgliedern finanziert.

Wie viele alpine Perlen gibt es im Moment?
Im Moment haben wir 27 Mitglieder. Davon sind 16 in Italien zu finden, vier in Österreich, jeweils zwei in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Und Slowenien ist mit einer Perle vertreten.

Können noch weitere Orte aufgenommen werden?
Natürlich, wir sind immer offen für neue Mitglieder - wenn die aufgestellten Kriterien erfüllt werden. Dabei steht natürlich Qualität vor Quantität. Zum Teil treten aber auch wir an Orte heran, die durch ihr ökologisches Bewusstsein und durch ihr klares Bekenntnis zu Umwelt- und Naturschutz auffallen, wie zum Beispiel Bad Hindelang im Allgäu.

Welche Kriterien muss denn ein Ort erfüllen, um eine alpine Perle zu sein?
Wir haben mehr als 50 Kriterien, die ein Ort erfüllen muss. Dabei spielen unter anderem die Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen und die Müllvermeidung eine wichtige Rolle. Außerdem müssen der Ort und die Umgebung gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Dazu gehört auch eine autofreie Zone im Ort. Für jeden Urlaubstyp sollten zudem Mobilitätskonzepte vorhanden sein. Ein Wanderurlauber hat zum Beispiel andere Ansprüche als jemand, der hauptsächlich Wellness und Entspannung sucht.

Werden denn die Konzepte der Orte und deren Umsetzung regelmäßig kontrolliert?
Wir haben ein Kontrollkomitee, das pro Jahr drei Orte überprüft - zum Teil auch verdeckt. Die Mitgliedsorte werden intensiv betreut in Bezug auf Produktentwicklung und Marketing zum Thema "Sanfte Mobilität im Tourismus". Regelmäßig wird kontrolliert, was an Neuerungen geplant ist, und was von den angedachten Maßnahmen bereits umgesetzt wurde.

Wie wird das Konzept der "Alpine Pearls"-Orte von den Urlaubern angenommen?
Sehr gut. Umweltfreundliche Urlaubsangebote werden immer gefragter. Wichtig ist, dass umweltfreundlicher Urlaub Spaß macht und nicht mit Verzicht verbunden wird.

Auch in der kalten Jahreszeit bieten einige "Alpine Pearls"-Orte sanften Urlaub an, unter anderem Wintersport. Widersprechen sich Umweltschutz und Skitourismus nicht?
Viele alpine Tourismusorte leben vom Wintertourismus - insbesondere vom Angebot im alpinen Skifahren. Aber auch hier hat es in den vergangenen Jahren ein Umdenken gegeben. So wird beim Pistenbau möglichst schonend mit der Natur umgegangen. Bei der Erzeugung von Schnee - leider wird das aufgrund der wärmeren Winter immer notwendiger - werden energiesparende Maschinen eingesetzt. Damit sich die Orte aber nicht vom Skitourismus abhängig machen, werden Alternativen angeboten - wie Langlauf, Rodeln, Schneeschuhwandern oder mit der Pferdekutsche durch die Winterlandschaft fahren.

Neben Mobilität spielt auch die Kulinarik bei den "Alpine Pearls" eine Rolle. Stichwort "Null-Kilometer-Menüs" - was ist damit gemeint?
Bei den "Alpine Pearls" geht es um ein ganzheitliches Konzept. Deshalb ist neben der sanften Mobilität auch die Kulinarik eines unserer Ziele. Das heißt, es soll regional typisch gekocht, und dabei Produkte aus der Umgebung verwendet werden. So bleiben die Transportwege kurz und es entstehen viel weniger Emissionen.

Mehr Informationen zu den Alpine Pearls unter: www.alpine-pearls.com

Autor

Susanna Bloß