Wallis Panoramaweg am Aletschgletscher

Ein Panoramaweg am Aletschgletscher führt von der Belalp bis zur Fiescheralp. Die Strecke führt durch urzeitliche Sumpfgebiete und einen seit 80 Jahren naturbelassenen Wald. Das Highlight: eine Hängebrücke. Bergführer Peter Stucky über den Panoramaweg.
Mutprobe: 124 Meter lang und aufregend ist die Hängebrücken-Passage. Tief unten rauscht der Wildbach.

Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit. Aber für einen Einzelnen kann er ziemlich groß aussehen. "Die Hängebrücke über die Massaschlucht ist für manche eine Mutprobe", weiß Bergführer Peter Stucky. Dabei ist die 124 Meter lange Seilkonstruktion straff gespannt und vertrauenserweckend modern – aber das sagt sich so leicht, wenn 50 Meter weiter unten der wilde Bergbach mit dem Schmelzwasser des Gletschers braust und gurgelt.

Die Brücke ist eines der Highlights auf der zweitägigen Tour, die von der Belalp bis zur Fiescheralp führt. Durch urige Sumpfgebiete, den verzauberten Aletschwald, über 10 000 Jahre alte Moränen und immer wieder mit Blick auf den mächtigen Aletschgletscher. Nicht ohne Grund hat die UNESCO das Gebiet 2001 zum Weltnaturerbe erklärt. Im Gegensatz zum Gletscherwandern sieht man den weißen Riesen vom Panoramaweg aus nur von ferne und kann die Tour auch ohne Bergführer bewältigen. Theoretisch jedenfalls. Denn zum einen braucht es ein ordentliches Maß Kondition: Zwei Tagesetappen von 15 Kilometern klingen zwar gemächlich, aber dabei gilt es auch, jeweils rund 1000 Höhenmeter zu überwinden. Zum anderen hat es seine Vorzüge, wenn einer wie Stucky mit von der Partie ist. 

Der 65-Jährige mit Hauptwohnsitz auf der Bettmeralp ist seit 40 Jahren ein Vollblut-Bergführer, der jede Gämse beim Vornamen kennen würde, wenn sie denn einen Namen hätte. Und er kann sehr anschaulich und charmant erzählen. Zum Beispiel vom Öko-Vorbild des Aletschwaldes, dem weiß getupften Tannenhäher. Der versteckt die Samen der Arven-Bäume als seinen Wintervorrat im gesamten Gelände, aus den Überbleibseln entstehen wieder neue Bäume – ein Musterbeispiel für nachhaltiges Wirtschaften. Oder von der Villa Cassel auf der Riederfurka, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Traumdomizil eines exzentrischen englischen Bankiers erbaut wurde, unter enormen Mühen. Vor allem aber weiß Stucky, wo sich eine Abzweigung oder ein Umweg lohnt. Etwa am Bettmerhorn, wo eine Gondelbahn zur 2800 Meter hohen Bettmeralp führt. Ein Ort, an dem selbst verwöhnte Alpinisten ins Schwärmen geraten: Der Panoramablick auf Weißhorn, Matterhorn und bis zum Montblanc ist immer wieder aufs Neue faszinierend. Sogar für einen Bergkenner wie Peter Stucky.

Autor

Verena Carl