Schweden Stockholm: Umweltbewusste Stadt

Stockholm ist eine grüne Stadt. Damit das so bleibt, haben sich die Politiker einiges einfallen lassen: Wer mit dem Auto in die Stadt fährt, zahlt ("trängselskatt"). Unsummen werden in den öffentlichen Nahverkehr investiert, damit der Verkehr in Zukunft noch reibungsloser fließt und noch mehr Pendler auf den Pendeltåg, wie die S-Bahn in Stockholm heißt, umsteigen.

Vermutlich gibt es keine europäische Hauptstadt, in der so viele Leute, die es sich leisten könnten, kein Auto haben. Das hängt zum einen mit dem Bewusstsein zusammen, zum anderen aber auch damit, dass Parken überall Geld kostet. Das Umweltbewusstsein ist bei den Stockholmern in den Alltag integriert: Biomilch und Biofleisch gibt es in jedem Konsum-Supermarkt. Diese Kette leistet sich auch eine eigene Bio-Marke: Änglamark. Auf Bio-Hotels wartet Schweden noch. Dafür kann man unter Restaurants aller Preislagen auswählen, in denen Lebensmittel aus biologischem Anbau, häufig auch aus dem direkten Stockholmer Umland, auf den Tisch kommen. Und wer die Möglichkeit hat, selbst zu kochen, dem stehen eine Reihe Biosupermärkte zur Verfügung.

ESSEN UND TRINKEN

Leijontornet
In einem historischen Kellerlokal (im selben Gebäude wie das Victory Hotel), in dem die Grundmauern eines mittelalterlichen Verteidigungsturmes zu sehen sind, befindet sich ein mit einem Stern im Michelinführer ausgezeichnetes Restaurant, in dem schwedische "Husmanskost" (Hausmannskost) nur mit Biorohwaren gekocht wird: Kräuter, Pilze kommen aus den schwedischen Wäldern, Fisch und Schalentiere sind sämtlich gemäß WWF-Liste unbedenklich und Fleischwaren kommen von kleinen Biobauernhöfen im Stockholmer Umland. In der Bar (Leijonbaren) wurde 1937 unter dem Fußboden der heute im Stadsmuseum und im Kungliga Myntkabinettet ausgestellte Loheschatz gefunden, 85 Gegenstände aus Silber und 18 000 Silbermünzen, Werte, die heute etwa 100 Millionen Kronen entsprechen. Damals befand sich in diesem Raum eine Kartoffelhandlung. Info: Gamla Stan • Lilla Nygatan 5 • U-Bahn: Gamla Stan • Tel. 50640080 • Mo-Sa 18-22 Uhr • €€€€

Matdistriktet
In diesem Lebensmittelgeschäft kann man sich sein Mittagessen nach Gewicht kaufen und selbst zusammenstellen. Hier kann man sich seine eigene Wasserflasche mit Wasser aus der Wasserleitung füllen lassen, das noch ein weiteres Mal gereinigt wurde (gratis). Die meisten Waren sind im Umland produziert, biologisch angebaut sind sie ohnehin. Info: Vasastan; Rådmansgatan 57 • U-Bahn: Rådmansgatan • Mo-Mi 11-18 Uhr, Do-Fr 11-19 Uhr

Nyagatan
Auch das trendige Södermalm hat seit Herbst 2009 sein Biorestaurant. In dem kleinen, intimen Lokal wechselt das Menü mit den Jahreszeiten, das meiste wurde im Umland produziert. Es gibt Wildschwein, Kalb und wunderbaren gebeizten Lachs, dazu eine interessante Weinkarte. Info:  Södermalm • Skånegatan 84 • U-Bahn: Medborgarplatsen • Tel. 6444884 • Mo-Do 17-24 Uhr, Fr 16-01 Uhr, Sa 15-01 Uhr und So 17-24 Uhr • €€

Simons Skafferi
In Simons "Vorratskammer" ist alles aus biologischem Anbau oder zumindest im näheren Umland produziert. Spezialität ist die Quiche aus Västerbottenkäse. Dänisches Smørrebrød und Biere und Weine aus biologischem Anbau. Info: Vasastan • Kungstensgatan 12 • U-Bahn: Rådmansgatan • Tel. 6123840 • Mo-Fr 11.30-13.30 und 17.30-22 Uhr, Sa 12-22 und So 12-15 Uhr • €€

EINKAUFEN

Äppelfabriken
Der große Schönheitsfehler vieler biologischer Erzeuger ist, dass sie im Grunde genommen nur mit dem Auto erreichbar sind. Auch zu diesem biologischen Apfelerzeuger auf einer der großen Inseln im Mälaren kommt man, am Schloss Drottningholm vorbei, dann vor Ekerö Richtung Färentuna, ohne größere Umstände nur mit dem Auto oder dem eigenen Boot. Angebaut werden u. a. die wunderbaren schwedischen Apfelsorten Ribston, Gravenstein, Åkerö, Kim, Filippa und Cox Pomona. Sie werden zu Apfelmus, Most, Essig, Marmelade und einem Glögg verarbeitet, der 2008 bei der schwedischen Meisterschaft für handwerklich hergestellte Lebensmittel mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Neben der romanischen Kirche von Hilleshög sind drei Grabhügel aus der Wikingerzeit zu bewundern. Info: Svartsjölandet (Färingsö), Wiksunds Gård; Bus 318 von Brommaplan bis Haltestelle Hilleshög Kyrka, von dort 1 km zu Fuß, oder mit dem eigenen Boot bis Wiksunds Brygga (Gästeliegeplatz) • Fr-So 12-16 Uhr

Bondens marknad
Im Umland angebautes Obst und Gemüse sowie handwerklich hergestellte Lebensmittel werden auf diesen malerischen Märkten feilgeboten, beispielsweise Tunnbröd (Fladenbrot) aus Valdemarsvik in Östergötland, Räucherlachs aus Grisslehamn in Uppland oder Honig aus Älvsjö von den Fågelsångens Bigårdar. Info: Östermalm • Tessinparken • U-Bahn: Karlaplan; Södermalm • Katarina Bangata, Ecke Götgatan • U-Bahn: Medborgarplatsen

Brunkebergs Bageri
Sämtliches Brot wird aus Biomehl gebacken, und es gibt leckeres Sauerteigbrot aus dem Steinofen. Die meisten Teige gehen zehn bis fünfzehn Stunden. Info: Norrmalm • Regeringsgatan 84 • U-Bahn: Rådmansgatan • Mo-Fr 6.30-16 Uhr, Sa 8-12 Uhr

Ekovaruhuset
Mit gutem Gewissen Kleider kaufen. Es gibt Filialen in Paris und New York. Hier kann man die "Sustainable Edition" (nachhaltige Ausgabe von American Apparel oder Unterwäsche aus Peruanischer Baumwolle der Marke Bergman Sweden) erstehen. Auch schicke Designerware. Info:  Gamla Stan • Österlånggatan 28 • U-Bahn: Gamla Stan

Hermans Ekohandel
Einer der wenigen Bioläden in Stockholm. Hier gibt es all das, was das normale Biosortiment der Ketten Coop/Konsum und Ica nicht bereithält, Biohühner beispielsweise oder Dinkelmehl. Hier wird auch Brot der deutschen Bäckerei Brothaus Moberg (www.brothaus.se) in Åkersberga nordöstlich von Stockholm verkauft (Frankenlaib, Fitnessbrot, Müslibrot und Roggenbrot). Info: Norrmalm • Tegnérgatan 3 • U-Bahn: Rådmansgatan • Mo-Fr 7.45-20, Sa 10-19 und So 11-18 Uhr

Järna
Järna ist das schwedische Dornach, hier haben die schwedischen Anthroposophen ihr Hauptquartier. Schon von Ferne sind die gerundeten, "organischen " Hauskörper und die Pastellfarben der Siedlung auszumachen. Architekt war der in Dänemark geborene Anthroposoph Erik Asmussen (1913-1998). Zentrum ist das Kulturhaus mit Café und Restaurant (unter der Woche gibt es mittags ein biodynamisches Büfett), mit Kursen in Eurhythmie und abendlichen Konzerten. Die Anthroposophen begannen in den 30er-Jahren ihr Wirken in Järna. 1964 nahm das Rudolf Steiner-Seminar im Vita huset(dem weißen Haus) seine Tätigkeit auf. In dieser Villa lebte mit Aussicht über den Järnafjärden von 1905 bis 1917 der Tiermaler Bruno Liljefors.

Die Anthroposophen unterhalten in Järna auch eine Gärtnerei, den Nibble handelsträdgård, in der biodynamisch angebautes Obst und Gemüse verkauft wird. Die Produkte der Biomühle Saltå kvarn (sie ist von der E4 aus zu sehen), Mehl, Müsli und Backwaren werden in allen größeren Stockholmer Supermärkten verkauft. Info: Järna • Pendeltåg: Järna, von dort Bus 784 • Mo-Fr 9-16 Uhr • • Mo-Fr 9-18, Sa 10-15 Uhr

AKTIVITÄTEN

Tyresta Nationalpark
Im Unterschied zum Nationalstadtpark Djurgården ist das 1993 eingerichtete und 19,7 Quadratkilometer große Waldgebiet südlich von Stockholm ein echter Nationalpark mit Wald und Urwald. Der Park wird vom Tyresta by (by = Dorf) aus auf über 55km ausgeschilderten Wanderwegen erschlossen. Zwei Fernwanderwege, der Sörmlandsleden und der Kustleden, führen durch den Park. In Tyresta by informiert das Naturum (Nationalparkernas Hus) über Geschichte, Geologie, Pflanzen, Vögel und Säugtiere sowie über sämtliche Nationalparks in Schweden. Info: Haninge • Bahn: Gullmarsplan, weiter mit Bus 807 nach Svartbäcken, von dort Bus 834 nach Tyresta by (Fahrzeit 45 Minuten) • Naturum: Di-Fr 9-16 Uhr

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Dieser Text von Holger Wolandt und Charlotta Rüegger ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Stockholm".