Rumänien

Wissenswertes über Rumänien

Natur und Klima:

Rumänien zeigt ein äußerst abwechslungsreiches Landschaftsbild. Das beherrschende Landschaftselement bilden die Karpaten, die das Land in einem großen Bogen von Norden nach Südwesten durchziehen. Die bewaldeten Ostkarpaten haben mit ihren abgerundeten Gipfeln größtenteils Mittelgebirgscharakter, während die Südkarpaten mit ihren teils zackigen Kämmen alpine Züge aufweisen. Den Abschluss des Gebirgszugs bildet das Banater Bergland, das bereits zum Westbalkan überleitet.

Innerhalb des Karpatenbogens liegt das Hochland von Siebenbürgen, auch Transsilvanien genannt, der eigentliche Kernraum Rumäniens. Der fruchtbare Lößboden wird intensiv zum Mais- und Weizenanbau und an den Südhängen der Täler auch zum Obst- und Weinbau genutzt. Im Westen wird Siebenbürgen von dem bis 1847 Meter aufsteigenden Bihorgebirge, einem fast geschlossenen Waldland, begrenzt. Daran schließt sich das Flachland des Banats an, das zum Pannonischen Becken überleitet.

Im Osten des Landes ist den Karpaten als Teil der weiträumigen russischen Steppentafel die Landschaft Moldau vorgelagert. Die ursprüngliche Steppe ist längst von Getreidefeldern verdrängt. Den Süden Rumäniens nimmt die Walachei ein, deren von Flüssen zerschnittenes Hügelland zur lößbedeckten Donauniederung abfällt.

Im Westen durchbricht die Donau in einem engen Durchbruchstal, dem Eisernen Tor, das Banater Bergland und bildet über weite Strecken die südliche Landesgrenze. Im Osten wird ihr durch die Dobrudscha, ein bis 450 Meter hohes Hügelland, der direkte Zugang zum Schwarzen Meer versperrt. Der Fluss macht einen Umweg nach Norden, um dann in einem fast rechten Winkel den Weg zum Meer hin fortzusetzen. Dabei bildet er ein von drei Hauptarmen durchzogenes Delta mit einer in Europa einzigartigen Flora und Fauna. Nach Süden ziehen sich entlang der Schwarzmeerküste feinsandige Strände bis zur bulgarischen Grenze.

Übergangsklima:

Mit Ausnahme mediterraner Einflüsse im Südwesten herrscht in Rumänien weithin kontinentales Klima mit warmen Sommern und kalten Wintern. Der mildernde Einfluss des Schwarzen Meeres wirkt sich nur auf einen schmalen Küstenstreifen aus. Generell nehmen die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen nach Osten und Südosten zu, gleichzeitig verringern sich die Niederschlagsmengen; im Durchschnitt fallen 400 bis 700 mm im Jahr, in den Karpaten und im Bihorgebirge werden etwa 1500 mm gemessen.

Bevölkerung:

Die Mehrheit der Bevölkerung sind Rumänen (89,5 Prozent). Die größte Minderheit stellen die Ungarn (Magyaren), die überwiegend in Siebenbürgen leben. Die zweitstärkste Minderheit bilden die Roma. Auch sie waren Opfer der restriktiven Minderheitenpolitik des Ceauescu-Regimes, leben aber auch nach der Demokratisierung immer noch am Rand der rumänischen Gesellschaft. Der Anteil der deutschstämmigen Bevölkerung (vor allem Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben) ist durch die starke Auswanderung besonders nach 1989 inzwischen auf weniger als ein Prozent gesunken.

Rumänien gehört zu den dünn besiedelten Staaten Europas. Die größte Bevölkerungsdichte haben das Hügelland am Gebirgsrand, Siebenbürgen und das Donautiefland mit dem Ballungsgebiet Bukarest, der einzigen Millionenstadt des Landes. Infolge der Auswanderung nach der politischen Wende und einer sinkenden Geburtenrate ist die Einwohnerzahl leicht rückläufig.

Bildung:

Es besteht eine zehnjährige Schulpflicht ab dem sechsten Lebensjahr sowie ein Vorschulangebot ab dem dritten Lebensjahr. Das Abitur (Baccalaureat) wird nach 12 bzw. 13 Schuljahren erreicht und berechtigt zur Aufnahmeprüfung an einer Hochschule und Universität. Englisch steht als Fremdsprache an erster Stelle, gefolgt von Französisch, Deutsch und Russisch. Durch die 1998 eingeleitete Bildungsreform erhöhte sich die Zahl der Schulen. Dennoch sind die insgesamt gestiegenen Einschulungsraten gerade in ländlichen Gebieten und bei Kindern aus Roma-Familien weiterhin gering. Auch die Schulabbrecherquote liegt weit über dem europäischen Durchschnitt.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1991, die 2003 revidiert wurde, ist Rumänien eine Republik, die nach französischem Vorbild präsidentielle und parlamentarische Elemente vereint. Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Präsident. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Der Präsident, der weitreichende exekutive Befugnisse hat, ernennt den Ministerpräsidenten und auf dessen Vorschlag die Minister. Das Parlament als gesetzgebende Gewalt besteht aus zwei Kammern. Die Abgeordnetenkammer hat 334 Mitglieder. Dem Senat gehören 137 Senatoren an. Die Legislaturperiode für beide Kammern beträgt vier Jahre.

Wichtige Parteien sind die Sozialdemokratische Partei (PSD), die Nationalliberale Partei (PNL), die rechtsliberale Demokratisch-Liberale Partei (PD-L), die rechtsnationalistische Großrumänienpartei (PMR), der Demokratische Verband der Ungarn in Rumänien (UDMR) sowie die Konservative Partei (PC). An der Spitze des mehrstufigen Gerichtswesens steht der Oberste Gerichtshof.

Wirtschaft und Verkehr

Durch den Zerfall des Ostblocks und den Verlust der traditionellen Absatzmärkte brach die rumänische Wirtschaft zusammen. Der Anfang der neunziger Jahre begonnene marktwirtschaftliche Strukturwandel ging nur schleppend voran und führte zu erheblichen Produktionsrückgängen, hoher Arbeitslosigkeit und Versorgungsengpässen. Durch verstärkte Reformbemühungen im Hinblick auf den EU-Beitritt 2007 konnte in den vergangenen Jahren jedoch ein stetiges Wirtschaftswachstum erreicht werden. Trotz allem gehört Rumänien noch immer zu den ärmsten Ländern Europas.

Landwirtschaft und Industrie:

Mit seinen fruchtbaren Böden besitzt Rumänien gute Voraussetzungen für eine vielseitige landwirtschaftliche Nutzung. Insgesamt werden über 60 Prozent der Gesamtfläche als Weide- und Ackerland genutzt. Zu den wichtigsten Anbauprodukten zählen Weizen und Mais sowie Zuckerrüben, Kartoffeln und Sonnenblumen, ferner auch Obst und Wein. Einen Schwerpunkt bildet die Haltung von Rindern, Pferden und Schweinen. Die Wälder, die über ein Viertel der Staatsfläche einnehmen, dienen der Holzgewinnung.

Grundlage der Industrialisierung waren die reichen Rohstoffvorkommen. Außer Erdöl gibt es unter anderem Erdgas, Kohle, Eisenerz, Blei, Zink, Kupfer, Mangan, Gold und Bauxit. Das traditionelle Hauptgewicht der industriellen Produktion liegt in den Bereichen Maschinenbau, der chemischen Industrie sowie der Metallverarbeitung. Inzwischen wurden vor allem in der Schwerindustrie zahlreiche veraltete oder unrentable Produktionsstätten stillgelegt. Dafür entstanden neue Unternehmen unter anderem in der Textilherstellung und -verarbeitung.

Verkehr und Tourismus:

Das Straßennetz ist verhältnismäßig dicht, aber bis auf Ausnahmen - zum Beispiel die Autobahn von Bukarest nach Piteti - in einem schlechten Zustand. Rund ein Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens entfällt auf die Eisenbahn. Die wichtigsten Binnenhäfen sind Brila und Galai an der unteren Donau.

Aufgrund der mangelnden Infrastruktur ist der Tourismus noch wenig entwickelt. Bevorzugte Ziele sind die Bade- und Kurorte an der Schwarzmeerküste, das Donaudelta sowie die Wintersportgebiete und Thermalbäder in den Karpaten. Zu den kulturhistorischen Anziehungspunkten zählen die Moldauklöster, die mittelalterlichen Wehrkirchen in Siebenbürgen, das Kloster von Horezu am Fuß der Südkarpaten und die Festungsanlagen der Daker in den Bergen von Orstie.

Geschichte

Fürstentümer und Königreich:

Im 14. Jahrhundert entstanden die beiden Fürstentümer Moldau und Walachei . Sie gerieten im 15. Jahrhundert unter osmanische Oberhoheit. Seit 1829 zeitweise russisches Protektorat, wurden Moldau und Walachei von Alexandru Ioan Cuza zusammengeschlossen. Er proklamierte 1862 den Staat Rumänien, der 1881 unabhängiges Königreich wurde. Unter Ferdinand I. trat Rumänien 1916 an der Seite der Entente in den Krieg ein und erhielt 1919/20 Bessarabien, das östliche Banat, die Bukowina und Siebenbürgen zugesprochen. Obwohl im Zweiten Weltkrieg zunächst neutral, verlor Rumänien Bessarabien und die Nordbukowina an die UdSSR, den Hauptteil Siebenbürgens an Ungarn und die Süddobrudscha an Bulgarien.

1940 machte sich General Ion Antonescu mit Hilfe der "Eisernen Garde" zum Staatsführer. Er errichtete eine faschistische Militärdiktatur und setzte Michael I. als König ein. 1941 trat Rumänien an der Seite Deutschlands in den Krieg ein. Nachdem 1944 sowjetische Truppen weit auf rumänisches Territorium vorgedrungen waren, stürzte König Michael das Antonescu-Regime und kapitulierte bedingungslos.

Kommunistische Herrschaft und Weg zur Demokratie:

Durch die Pariser Friedensverträge erhielt Rumänien die Grenzen von 1941. 1947 wurde es kommunistische Volksrepublik. Unter dem KP-Vorsitzenden Georghe Gheorghiu-Dej wurde das Land vollständig in den Ostblock integriert. Nach seinem Tod 1965 übernahm Nicolae Ceauescu die Führung des Landes. Er ging außenpolitisch teilweise auf Distanz zur Sowjetunion. Im Innern entwickelte er sich zu einem despotischen Alleinherrscher mit ausuferndem Personenkult. 1989 wurde Ceauescu gestürzt und zusammen mit seiner Frau nach einem Schnellgerichtsverfahren erschossen.

Die Exekutivgewalt übernahm die "Front zur nationalen Rettung" unter dem Vorsitz von Ion Iliescu . Die neue Führung proklamierte die Republik und gewährte die bürgerlichen Freiheitsrechte. Iliescu wurde zum Präsidenten gewählt. 1991 trat eine demokratische Verfassung in Kraft. Ausbleibende wirtschaftliche Erfolge und ungelöste Nationalitätenkonflikte schürten den Unmut der Bevölkerung und führten zu politischen Instabilitäten. Von 1996 bis 2000 bekleidete Emil Constantinescu das Präsidentenamt, das danach wieder an Iliescu fiel. Außenpolitische Priorität besaß die Annäherung an den Westen. So wurde Rumänien 2004 Mitglied der Nato. Auch die Beitrittsverhandlungen mit der EU konnten abgeschlossen werden.

Bei den von Auseinandersetzungen über die weit verbreitete Korruption bestimmten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2004 vollzog sich ein Machtwechsel zugunsten der bürgerlichen Opposition. Die Bevölkerung wählte Traian Bsescu , Führer der Demokratischen Partei (PD), zum neuen Staatspräsidenten. Clin Popescu-Triceanu (PNL) wurde neuer Ministerpräsident an der Spitze einer bürgerlichen Mehrparteienkoalition. 2007 wurde das Land Mitglied der EU. Im selben Jahr beendete Ministerpräsident Popescu-Triceanu nach innenpolitischen Auseinandersetzungen mit Präsident Basescu die Zusammenarbeit mit der Demokratischen Partei und setzte die Regierungsarbeit an der Spitze eines Minderheitskabinetts fort. Die Demokratische Partei schloss sich 2008 mit der Liberal-Demokratischen Partei zur Demokratisch-Liberalen Partei zusammen.

Die Parlamentswahlen 2008 brachten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Bündnis aus postkommunistischen Sozialdemokraten und Konservativer Partei und der Demokratisch-Liberalen Partei. Die PD-L erhielt zwar prozentual weniger Wählerstimmen, konnte aber aufgrund des Wahlsystems sowohl in der Abgeordnetenkammer als auch im Senat die meisten Mandate gewinnen.

Die beiden Gruppierungen einigten sich auf die Bildung einer Großen Koalition unter Führung von Emil Boc (PD-L).


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