Lissabon Ungewöhnliche Hotels am Tejo

Wer einmal durch die hübsche Weltstadt an der Tejo-Bucht zu Fuß gelaufen ist, weiß um die Wichtigkeit von bequemen Schuhen. Einem Mythos zufolge soll die Stadt auf genau sieben Hügel gebaut worden sein, in Wahrheit kann sie mit einigen mehr aufwarten. Durch die verwinkelten Gassen der Altstadt Alfama geht es hinauf zur Maurenfestung Castelo de São Jorge. Steil aufwärts geht es auch vom prächtigen Zentrum Baixa ins vornehme Viertel Chiado oder ins Szeneviertel Bairro Alto. Und will man gleich alle prächtigen Aussichtspunkte, auf Portugiesisch Miradouros, sehen, kommt das fast der Anstrengung einer Bergwanderung in den Alpen gleich.

Der Tourist in der portugiesischen Metropole wird gefordert. Zum Erholen ist eine hübsche Unterkunft genauso unerlässlich wie gutes Schuhwerk: MERIAN.de stellt Ihnen einige der schönsten Design- und Boutique Hotels in Lissabon vor.


Hotel Internacional - Pop-Art-Schmuckstück am Rossio

"Ich liebe Los Angeles. Ich liebe Hollywood. Sie sind schön", sagt Andy Warhol jeden Morgen im Badezimmer. "Jedermann ist aus Plastik. Aber ich liebe Plastik". Der Spruch des Künstlers prangt auf minzgrünen Hintergrund und inspirierte das Internacional Design Hotel zum Interieur im vierten Stockwerk, das "Pop Experience" heißt. Spiegel, Regale, Betten, die meisten Möbelstücke sind im Quarto-L-Room mit 17 Quadratmetern aus dem Kunststoff, für den die Designer Eames, Panton und Starck so berühmt sind. Dazu passend ist alles leicht und offen. Geschlossene Möbelstücke wie verschließbare Kommoden oder schwere Schränke sucht man vergebens.

Für Farbkontraste im Raum und ein wenig Amüsement sorgt der barbierosa Teppichboden, der mit blassrosa Kringeln gemustert ist, mehr Pop-Art geht eigentlich nicht. Im quadratischen Mini-Loungeraum nebenan kann man auf dem weißen Ledersofa entspannen und den Stadt-Geräuschen von Lissabon lauschen, die lärmgedämpft ins Zimmer rieseln. Zwei große Fensterflügel öffnen sich auf einen der wohl lebendigsten und schönsten Plätze in Lissabons Herz: den Rossio, gleich bei der imposanten Fußgängerzone Rua Augusta.

Aber keine Bange, wer Plüsch und Plastik nicht viel abgewinnen kann, und damit wohl auch dem gestalterisch wohl experimentierfreudigsten Stockwerk des 2009 eröffneten Mini-Luxus-Hotels, kann auch ein Zimmer in einem der anderen drei Etagen buchen. Alle vier Stockwerke sind von Designern jeweils nach einem anderen Thema gestaltet. "Zen" in der dritten Etage kommt Hotelgästen entgegen, die Harmonie und moderne Schlichtheit mögen; die Räume sind in dunklen Holztönen und ruhigen Grau- und Weißtönen gehalten. Im "Tribu", ein Stockwerk tiefer, wird es afrikanisch-funky mit Leder, Zebrastreifen, Erdfarben und Baum-Silhouetten an weißen Wänden. Im Ersten gibt es nicht nur "urbane" Zimmer mit Street Art, Graffiti und knallig orangefarbenen Kissen, sondern auch noch eine Hausbar und vor allem einen Frühstücksraum.

Und dieser ist nicht uninteressant, besonders für all diejenigen, die der Meinung sind, dass man in Portugal erst ab dem Mittag vernünftige Essensvorschläge bekommt; im Internacional gibt man sich zum Glück wirklich international, mit einem Frühstücksbuffet, das alles an Wurst, Gebäck, Obst und Käse anbietet, das einen frühstücksverwöhnten Deutschen glücklich macht.

Internacional Design Hotel, Rua da Betesga 3, Tel: +351 213 240 990, Doppelzimmer ab 130 Euro, 55 Zimmer: www.idesignhotel.com

Bairro Alto Hotel - Kokon im Szeneviertel

Nicht ohne Grund hat das Bairro Alto Hotel doppelverglaste Fensterscheiben. Das restaurierte Altbau-Haus mit vanillegelben Fassaden aus dem 18. Jahrhundert liegt mittendrin im Geschehen der Lisbonetas, zwischen den Trendvierteln Chiado und Bairro Alto am Platz Largo de Camões. Dort also, wo es auf den engen Pflastersteingassen - gerade in Bairro Alto - nachts quirlig wird: Junge Galerien und Geschäfte zeigen ihre Kunst, kleine Bars und Restaurants öffnen ihre Türen. Und auch das moderne Boutique-Hotel leistet einen Beitrag zum Nachtleben, der nicht nur Hotelgäste freut: Denn in der Panoramabar auf der Dachterrasse hat man einen schönen Blick über das Dächermeer der Stadt, bis hinunter zum Tejo und der roten Brücke Ponte de 25 Abril, die an die Golden Gate Bridge in San Francisco erinnert. Doch die Aussicht ist natürlich bei weitem nicht der einzige Grund, warum man gerade hier seine Koffer abstellen sollte.

Das Fünf-Sterne-Hotel, das 2005 eröffnet wurde, spiegelt im Design, dass man sich mitten in der Hauptstadt der Azulejos befindet. Die Standart-Zimmer sind nicht unbedingt riesig, dafür aber edel mit einer modernen Interpretation portugiesischer Stilelemente eingerichtet. Es gibt blau-weiß gemusterte Fließen im Badezimmer, von Hand geflochtene Korbstühle, Farbtöne wie Vanillegelb und Dachziegelrot und bemalte Holztäfelungen.

Doch nicht nur für nachtaktive Nostalgiker; auch für Städtereisende ist die Unterkunft optimal: So hält die berühmte Straßenbahn Nummer 28 direkt vor dem Hotel, ein kurzer Spaziergang und schon ist man am Fluss Tejo und dem Hafenbahnhof Cais do Sodré, von dem aus Vorortzüge an die weißen Sandstrände von Cascais oder Estoril gehen. Und nur einen Katzensprung entfernt sind die schicken Einkaufsstraßen des Chiado.

Bairro Alto Hotel, Praça Luís de Camões 8, Tel: +351 213 408 288, Doppelzimmer (Mansardenzimmer) ab 250 Euro, 55 Zimmer, www.bairroaltohotel.com.

Jerónimos 8 - Design trifft Historie

Lage ist Trumpf, und deshalb hat das erste Designhotels Lissabons die berühmte Sehenswürdigkeit in seiner unmittelbaren Nachbarschaft gleich einmal als Namen verwendet: Jerónimos 8 heißt die Edelherberge, nach dem reichverzierten, spätgotischen Hieronymus-Kloster aus dem 16. Jahrhundert, das gleich um die nächste Straßenecke liegt. So alt wie der berühmte UNESCO-Nachbar ist das Hotelgebäude nicht: Es wurde in den 1920er Jahren gebaut, im historischen Stadtteil Santa Maria de Belém, oder einfach nur Belém, das etwa 15 Straßenbahnminuten von Lissabons Zentrum entfernt, ebenfalls am Ufer des Tejo, liegt. Hier sind auch viele andere historische Sehenswürdigkeiten aufgereiht, wie etwa der Torre de Belém, denn anders als in der Innenstadt von Lissabon, wurden die Bauten hier kaum vom verheerenden Erdbeben 1755 in Mitleidenschaft gezogen.

Unter Tags könnte man fast Gefahr laufen an der nüchternen Fassade des Jerónimos 8 vorbei zu schlendern, doch nachts verwandelt sich das Gebäude in ein leuchtendes Stillleben. Rezeption und Bartresen im Erdgeschoss heben sich als weiße Quader vor kaminrot lackierten Wänden ab, die Räume strahlen tageslichthell, einzelne Möbelstücke wie schokoladenbraune Sofas sind wie die Hauptdarsteller eines Films auf dem Marmorboden der Lobby platziert. Schnickschnack und Schnörkel gibt es hier nicht, das Hotel setzt auf Minimalismus. Und so sind auch die 61 Zimmer und 4 Suiten schlicht gehalten. Einige haben Zugang zum Zen-inspirierten Innenhof mit Bambusgräsern und weißen Liegestühlen. Das passt auch ganz gut zur Lage des Hotels, denn Ruhe, die findet man hier; nachts ist in dieser historischen Gegend nicht allzu viel los.

Ein Highlight an der Herberge ist wohl das Frühstück: Denn morgens wird dem Gast die beste Süßspeise serviert, die Lissabon zu bieten hat: die berühmten Pastéis de Belém - warme Blätterteigschälchen mit Vanillecreme. Und zwar nicht die Pastéis de Nata, die man auch anderenorts bekommt, sondern das Original: Denn das Hotel wird von der berühmten Patisserie Casa Pastéis de Belém beliefert, die gleich um die Ecke liegt und die Süßspeise nach dem Ur-Rezept der Mönche aus dem Hieronymus-Kloster herstellt. Dort warten Touristen durchschnittlich mindestens eine Viertelstunde in der Schlange, bevor sie das begehrte Gebäck in Händen halten. Der Gast im Jerónimos 8 muss das nicht.

Jerónimos 8, Rua dos Jerónimos 8, Tel: +351 21 360 09 00, Doppelzimmer ab 100 Euro, 61 Zimmer und 4 Suiten.

Farol Design Hotel - Auf den Klippen von Cascais

Atemberaubend nah an den Klippen zum aufbrausendem Atlantik liegt dieses hübsche Hotel. Zieht der Gast im Schwimmbecken seine Runden, sieht er rechts den alten Leuchtturm Santa Marta. Das Farol Design Hotel befindet sich beim Yachthafen von Cascais, einem noblen Ferienvorort mit weißen Sandstränden, der allerdings etwa 40-Zugminuten von Lissabon entfernt liegt. Das dreistöckige Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert gehörte einst einem Fürsten und wurde mit einem Anbau 2002 zu einer Fünf-Sterne-Unterkunft umgewandelt. Das Publikum hier ist jung und schick, genauso wie die Küche des Restaurants, die moderne Fusion-Kost und Sushi serviert. Es gibt zwei Bars und einen Nachtclub, der auch vom einheimischen Publikum besucht wird.

Doch das wirklich Ungewöhnliche am Hotelkonzept ist das Interieur: Denn zehn der insgesamt 31 Zimmer wurden von namhaften portugiesischen Modedesignern wie Ana Salazar, Miguel Viera und Fátima Lopes gestaltet. Und deren Stilpalette reicht von minimalistisch-kühl bis zu verspielt-kitschig. Doch eins ist allen Zimmern, die zum Meer hinaus gehen, gemein: Riesige Panoramafenster, aus denen man fast in den Ozean fällt. Bei diesem Blick fällt es nicht allzu schwer, sich mit der Vorstellung von Tagesausflügen nach Lissabon anzufreunden.

Farol Design Hotel, Av. Rei Humberto II de Itália 7 2750-461 Cascais, Tel: +351 21 4823490, Doppelzimmer ab 130 Euro, 31 Zimmer, 2 Suiten, www.farol.com.pt

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Autor:
Bettina Hensel