Lissabon Picknick per Bestellung

Ob unter den Palmen des Garten Jardim da Estrela, am Ufer des Flusses Tejo oder in der historischen Burg Castelo de São Jorge - Lissabon bietet genügend schöne Plätze zum Picknicken, oft sogar mit toller Aussicht. Doch welcher Lissabon-Besucher hat schon einen Picknickkorb mit passender Ausrüstung im Urlaubskoffer? Wer dennoch Essen unter freiem Himmel genießen möchte, ordert  "Ant’s Basket" (Ameisenkorb) - den ersten Picknick-Lieferservice in der portugiesischen Hauptstadt. 

Das Prinzip ist einfach: Man überlegt sich, wann und wo man draußen schlemmen möchte, und bestellt per Email, Facebook oder Telefon seinen Essenskorb. Die Bestellung wird dann zum entsprechenden Wunschplatz gefahren. In den Körben befindet sich alles andere als Ameisen. Es stehen verschiedene Optionen zur Wahl: Brunch-, Gather-, Classic oder Deluxe-Picknick. Zur Grundausstattung von jedem Korb gehören Decke, Kissen, Besteck und Gläser. Auf Wunsch gibt es Blumen und Kerzen und auch kulinarisch werden Extrawünsche entgegengenommen. Ab 15 Personen kann man sich seinen ganz individuellen Picknickkorb zusammenstellen. Die Leckerbissen reichen von mit Schokolade überzogenen Früchten und Gebäck über Bruschetta und Lachstörtchen bis hin zu frisch gepresstem Saft, Wein und einem speziellem Sangria - eine Mischung aus roten Beeren mit Sekt.

"Das ist meine Eigenkreation", erzählt Ricardo Seguro Pereira und damit meint er nicht nur das Getränk, sondern auch das ganze Picknick-Konzept. Der 27-jährige Portugiese mit rotbraunen Locken und Dreitagebart ist eigentlich Architekt. Nach fünf Jahren in dem Beruf sei ihm allerdings ein bisschen langweilig geworden. "Ich wollte etwas machen, das schnell fertig ist und woran die Leute Spaß haben", sagt er. Das es etwas mit Essen zu tun haben sollte, war schnell klar, da Pereira selbst gerne kocht und schlemmt. Und da es in Lissabon zahlreiche öffentliche Gärten gibt und es eigentlich immer angenehm warm ist, dachte er ein Picknickservice sei eine gute Geschäftsidee. So fing er an zu kochen, backen und zu organisieren. In den ersten vier Monaten ganz allein. Schnell war die Nachfrage allerdings so groß, dass er es nicht mehr alleine bewältigen konnte. Inzwischen hat sein Team sechs Mitarbeiter und zu der Facebook-Seite, über die anfangs alles abgewickelt wurde, ist eine richtige Website gekommen.

Dennoch ist der Picknickservicebetreiber nicht übermütig geworden, im Gegenteil: Er packt selbst mit an und hat Freude an seiner Arbeit. "Ich mag es, wenn die Leute zu mir kommen, und nicht denken, dass ich der Inhaber der Firma bin." Das zahlt sich scheinbar aus. Ant’s Basket Picknicks werden von den unterschiedlichsten Gruppengrößen von zwei bis 100 Personen und zu den verschiedensten Anlässen angefragt: von der Geburtstagsfeier über Hochzeitsanträge und Polterabende bis hin zu Kinderfesten. Kostenpunkt für den ganzen Spaß: Brunch- und Gather-Picknick gibt es für 17,50 Euro pro Person, die Klassik-Variante 25 Euro und das Deluxe-Picknick, je nach Anzahl der Speisen, kostet zwischen 35 und 45 Euro pro Person.

Logik und Kreativität für perfekte Picknicks

Sobald ein Picknick für mehr als 20 Personen ausgerichtet wird, ist Pereira in der Regel anwesend, um sicherzustellen, dass der Service reibungslos läuft. Er achtet auf Qualität und Details: Die Decke muss ordentlich ausgebreitet sein, Servietten schön in ihren Haltern eingerollt werden und ganz wichtig natürlich: Die Speisen müssen frisch und lecker sein.

Ant's Ants-Gründer Ricardo Seguro Pereira
Ant's Basket
Ant's Ants-Gründer Ricardo Seguro Pereira
Pereira investiert viel Zeit, was den Spagat zwischen beiden Jobs nicht gerade einfach macht. Umso besser, dass er die aus der Architektur erlernte Kombination von Logik und Kreativität auch für den Picknickservice nutzen kann. So hat er beispielsweise für das Packen der Körbe ein ganz eigenes System entwickelt: "Ich überlege mir immer, was nehmen die Leute als erstes raus", erklärt er. Und selbst für kältere Zeiten in Lissabon hat er schon eine Lösung parat: Dann werden die Körbe nach Hause oder ins Auto gebracht. "Es gibt Menschen, die nichts dagegen haben", sagt der Picknickservicebetreiber, "für sie ist es sogar eher ein Lichtblick im Winter." 

Und was bringt die Zukunft? "Noch mehr Picknicks", sagt Pereira. Den nächsten großen Clou gibt es diesen September, da richtet Ant’s Basket für ein großes portugiesisches Unternehmen an der Algarve ein Picknick für 1000 Leute aus. Außerdem soll es bald einen eigenen Laden in Lissabon geben, wo die Leute ihr Picknick selbst abholen können. Auch die Ausweitung auf weitere Standorte in Portugal ist geplant. Für Pereira selbst geht es nun aber erstmal nach Angola, dort hat er als Architekt einen Job angenommen. "Mit Ant’s Basket hat das noch nichts zu tun", sagt er und grinst, "noch nicht." 

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Autor:
Katharina Finke