Österreich Wien: Umweltbewusster Urlaub

Werner Lampert stammt eigentlich aus Vorarlberg: Aber in den frühen 1990er-Jahren stieß er in Wien auf Karl Wlaschek, den Begründer und Besitzer der Handelskette Billa: Gemeinsam schufen sie die Marke "Ja! Natürlich", die seit 1994 in ganz Österreich Produkte aus biologischer Landwirtschaft vertreibt.

Zertifizierte Bioprodukte waren in Österreich auf einmal für jeden im Supermarkt zu kaufen - und sind es bis heute: Billa ist zwar inzwischen im Rewe-Konzern verankert, die Marke "Ja! Natürlich" gibt es aber immer noch. Werner Lampert hat sich mittlerweile zurückgezogen und verwaltet den Czardahof in Pama im Burgenland. Außerdem schreibt er Bücher über "Lebensmittel, die glücklich machen". Dass Bio inzwischen kein Nischenprodukt mehr ist, dazu haben Lampert und Wlaschek beigetragen. Läden für nach biologischen oder nachhaltigen Kriterien produzierte Produkte findet man auch in Wien in fast allen Stadtvierteln. Und die vielen nachhaltig arbeitenden Produzenten und Handwerker profitieren davon: Trotz kaum verdauter Wirtschaftskrise wächst der Handel mit biologisch produzierten Nahrungsmitteln und Produkten beständig.

ÜBERNACHTEN

Hotel Stadthalle
Dieses Boutiquehotel nahe der Wiener Stadthalle gilt als das erste Null-Energie-Bilanz-Hotel der Welt. Seine gesamte Energie wird mittels Wärmepumpen und einer Photovoltaikanlage erzeugt. Die Passivbauweise garantiert, dass die Zimmer im Sommer durch Grundwasser gekühlt und im Winter durch dieses geheizt werden. Restenergie wird in das Stromnetz eingespeist und Regenwasser zum Gießen der Blumen verwendet. Dass man bei so viel gutem Gewissen auch noch schön wohnen kann, das beweisen die Zimmer, die individuell eingerichtet sind. Zum Teil blickt man auf das hauseigene Lavendelfeld oder in den Garten, in dem man an schönen Tagen auch frühstücken kann. Info: Hackengasse 20 • U-Bahn: Westbahnhof • DZ ab 118 Euro • www.hotelstadthalle.at

ESSEN UND TRINKEN

Cuadro
Im Café und Diner am Margarethenplatz stehen Ethno-Burger, Salate und vegetarische Gerichte auf der Karte. Schöner Gastgarten. Das Bio-Frühstück wird bis 16 Uhr serviert! Info: Am Margaretenplatz • U-Bahn: Pilgramgasse • Mo-Sa 8-24, So 9-23 Uhr • www.cuadro.at

Hawidere
Biobier strömt in diesem Bierbeisl aus den Zapfhähnen, serviert werden vegetarische und vegane Gerichte. Info: Ullmannstraße 31 • U-Bahn: Längenfeldgasse • tgl. 18-2 Uhr • www.hawidere.at

Lebenbauer
Vollwertküche im I. Bezirk: Elfriede und Karl Lebenbauer sorgen mit ihrem Restaurant dafür, dass gesunde Küche (Gemüse und Getreide aus biologischer Landwirtschaft, dazu viel Fisch) auch von Restaurantkritikern hoch geschätzt wird. Dazu gehört einer der schönsten Gastgärten im Zentrum. Info: Teinfaltstr. 3 • U-Bahn: Herrengasse • Mo-Fr 11-15 und 17.30-22.30 Uhr • www.lebenbauer.cc

Natürlich Wrenkh
Zentrumsnaher vegetarischer Vollwertimbiss, in dem man sich gesund und schnell für die Sightseeing-Tour stärken kann. Info: Rauhensteingasse 12 • U-Bahn: Stephansplatz • Tel. 513 58 36 • Mo-Fr 11-16 Uhr •

EINKAUFEN

Weinbau Hajszan
Stefan Hajszan folgte einem Traum: Nur wenige Weine produzieren, diese aber in exzellenter Qualität und nach biodynamischen Kriterien, das heißt Düngung mit Kompost und Begrünung der Rebzeilen, um der Monokultur entgegenzuwirken. Durch die höhere Artenvielfalt im Weinberg werden die Reben robuster gegen Krankheiten und Schädlinge. Und sollten sich die Schädlinge doch einmal durchsetzen, arbeitet Hajszan mit Tees oder homöopathischen Präparaten. Heute bewirtschaftet der junge Winzer fast 14 Hektar Rebflächen in Wien sowie einen Hektar am Pfaffenberg in der Wachau. Produziert werden Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay und der klassische Gemischte Satz, eine Cuvée aus den Trauben eines Rebbergs. Verkosten kann man sie idealerweise im Restaurant am Weingut zu Wiener Küche oder in der Buschenschank zu einer deftigen "Jaus'n". Info: Grinzingerstr. 86 • Bus: Fernsprechamt • Tel. 370 72 37 • Mi-Fr 16-24, Sa-So 11-23 Uhr

Weingut Wieninger
Auf biodynamisch stellte 2008 auch Wiens vielleicht renommiertester Winzer um: Fritz Wieninger. Der erste komplett nach diesen Kriterien produzierte Wein wird zwar erst 2011 verkauft, aber schon jetzt sind das Weingut - und der angeschlossene Heurige einen Besuch wert. Info: Stammersdorferstr. 78 • Tel. 292 41 06 • wechselnde Öffnungszeiten

Biobauernhof Steindl
Verkauft werden auf dem Biobauernhof der Familie Steindl in Stammersdorf Weine, Traubensaft, Eier, Obst und Gemüse aus der eigenen Landwirtschaft. Eine besondere Spezialität sind die Edelbrände aus Früchten. Info: Stammersdorferstr. 67 • Straßenbahn: Stammersdorf • Tel. 290 78 19 • Mo-Sa 8-12 Uhr

Biobauernmarkt Freyung
Europas größter Biobauernmarkt geht Freitag und Samstag im zweiwöchigen Rhythmus auf der Freyung in Wiens I. Bezirk über die Bühne. Neben den klassischen Produkten aus biologischer Landwirtschaft gibt es hier auch Besonderheiten zu finden wie Rosenmarmelade und -kosmetik, Bioseifen, Wolle und Felle. Oder man spaziert einfach zwischen den "Standeln" und kostet hier und da. Info: Freyung • Fr, Sa 9-18 Uhr

Göttin des Glücks - Das Studio
Ein Designerkollektiv verarbeitet Fair-Trade-zertifizierte Baumwoll- und Jerseystoffe zu hochwertiger Mode. Einen weiteren Shop gibt es in der Operngasse 32 im IV. Bezirk. Info: Kirchengasse 17 • U-Bahn: Museumsquartier

FAMILIENTIPPS

Kinderbauernhof am Cobenzl
Hinter die Kulissen eines Bio-Bauernhofes kann man am Cobenzl über den Dächern von Wien blicken. Am Rande des Wienerwaldes erfahren Kinder und Erwachsene Interessantes über Haustiere und Landwirtschaft, wie man kompostiert, wie Obstbäume wachsen oder Ameisen ihre Arbeit verrichten. Info: Am Cobenzl 96a • Bus: Cobenzl Parkplatz • Tel. 328 94 04 20 • März-Okt. tgl. 9-19, Feb. und Nov. tgl. 10-17, Dez.-Jan. Sa, So 9-17 Uhr • Eintritt 4 Euro, Kinder 3 Euro

AKTIVITÄTEN

Lobau
Der "grüne Dschungel Wiens" liegt im Osten der Stadt und macht mit seinen 2300 Hektar fast ein Drittel des Nationalparks Donau-Auen aus, eine der letzten großen Flussauen-Landschaften Mitteleuropas. Die frei fließende Donau ist die Lebensader des Parks, der sich aber nur auf die Flussauen beschränkt. Er ist zwar 37 Kilometer lang und zieht sich bis an die slowakische Grenze, misst aber an seiner breitesten Stelle gerade vier Kilometer. Die Flora und Fauna sind einzigartig: Hier findet man Biber, Gottesanbeterinnen und Graureiher. Wahrzeichen des Nationalparks ist der Eisvogel, den man mit etwas Glück hier beobachten kann.

Die Auenlandschaft an der Donau ist einem ständigen Wechsel unterworfen: Dafür sorgen Pegelschwankungen von bis zu sieben Meter, die das Gleichgewicht in der Natur immer wieder verändern. Mit dem NationalparkBoot gelangt man von der Wiener Innenstadt entlang des Donaukanals direkt in die Lobau. Zentrum des Parks ist das Nationalparkhaus Wien-Lobau. Ausstellungen und Informationsveranstaltungen rund um das Thema Auwald, seine Entstehung, seine Flora und Fauna sorgen für das nötige theoretische Wissen, bevor man sich auf Erkundungstour macht.

Durch die gesamte Lobau zieht sich ein Netz aus Wander- und Radwegen, auf de man den Wiener "Dschungel" individuell kennenlernen kann. Elf Kilometer lang ist zum Beispiel der Napoleon-Rundwanderweg, der das ehemalige Hauptquartier Napoleons auf seiner Runde mit einschließt. Geführte Rad- und Wandertouren bucht man über die Nationalpark-Forstverwaltung Lobau (Tel. 40 00-4 94 80, Mo-Fr 8-16 Uhr). Das Nationalpark-Boot verkehrt von 2. Mai bis 26. Okt. täglich. Abfahrt 9 Uhr an der Salztorbrücke, Abgang Franz-Josefs-Kai (Anmeldung Tel. 40 00-4 94 80). Info: Dechantweg 8 • Bus: Nationalparkhaus • Tel. 40 00-4 94 95 • Mi-So 10-18 Uhr

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Dieser Text von Christian Eder ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Wien".

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