Salzburger Land Reisen auf Mozarts Spuren

Es sieht aus, als würde Goldstaub vom Himmel rieseln. In der Luft flirren Eiskristalle, schräg scheint die Sonne auf den Hang, überall glitzert es. Als wäre dies nicht schon wundersam genug, schwebt auch noch Mozart durch die Luft. Er fliegt steil bergauf, surrt dabei leise, wirft einen rundlichen Schatten auf die Skipiste und verschwindet hinter einer Baumgruppe. Moment mal. So viel Jagatee haben wir doch noch nicht getrunken an diesem Wintertag! Dass Mozart ein musikalischer Überflieger war, ist natürlich bekannt. Aber dass er heute tatsächlich abhebt, ist dann doch neu. „Flying Mozart“ heißt die Gondelbahn, die Wintersportler von Wagrain zum knapp 2000 Meter hohen Grießenkareck bringt. Der Liftbetreiber empfiehlt: „Genieße jeden Meter einer berauschenden Abfahrt auf blauen, roten oder schwarzen Pisten wie eine Symphonie.“ Okay, machen wir.

Und eins, zwei, drei, los geht’s! Österreichs größte Skiregion ist nach dem berühmtesten Komponisten des Landes benannt: „Ski Amadé“ heißt der Liftverbund im Salzburger Land, zu dem 860 Kilometer Pisten und 270 Gondelbahnen, Sessel- und Schlepplifte gehören. Mozarts Gesamtwerk passt auf 170 CDs, es würde Wochen dauern, alles durchzuhören. Weitaus länger bräuchte ein Skifahrer, um alle Abfahrten und Lifte des Gebietes Ski Amadé zu testen – die Region reicht von Salzburg über St. Johann und Wagrain bis zum Dachsteiner Gletscher und Gasteiner Tal.

Hoch über Bad Gastein weht ein eisiger Wind, wenn man aus der Bergstation der Stubnerkogelbahn tritt. Bevor wir die Skier anschnallen, wagen wir uns auf Europas höchstgelegene Hängebrücke. Sie ist 140 Meter lang, schwankt im Wind und führt zwischen zwei Felsen auf 2300 Meter Höhe über einen Abgrund – es ist ein eiskalter Nervenkitzel, die gerade mal einen Meter breite Metallkonstruktion zu betreten. Danach geht es über anspruchsvolle Pisten ins Tal. In der Felsentherme von Bad Gastein entspannen wir später. Das Wasser enthält Radon, ist leicht radioaktiv und wirkt ungemein aktivierend, man fühlt sich nach dem Bad gleich ein paar Jahre jünger. Aber auch Mozart scheint einen gewissen Erholungseffekt zu bieten: Neben der Mozart-Piste steht die Pension „Mozart“, ein Hotel bietet Klassik-Entspannung mit Mozart-Musik an, Metzger verkaufen „Mozart-Schinken“. Fehlt nur noch, dass sich die Menschen hier verschneite Hänge hinunterrollen lassen und das dann Mozart-Kugeln nennen.

Die „Original Mozartkugeln“ sind aus Schokolade und haben einen Kern aus Nougat und Pistazien-Marzipan. Sie werden von der Konditorei „Fürst“ in der  Mozartstadt Salzburg nach dem Originalrezept von 1809 und nach der Originalmethode handgefertigt. Jede einzelne Kugel wird auf ein Holzstäbchen gesteckt und in dunkle Kuvertüre getunkt. Ist die Schokolade hart, wird das Stäbchen entfernt, das kleine Loch mit Kuvertüre gefüllt und die Kugel von Hand mit blau-silberner Alufolie um wickelt. Die echten handgespießten Kugeln gibt’s nur im „Café Fürst“ am Alten Markt und in den Filialen in der Getreidegasse sowie am Schloss Mirabell. Unechte, industriell gefertigte Kugeln entlarvt der Kenner meist an ihrem platten Boden.

Salzburg: Sinnlichkeit ist wichtig

In Salzburg ist Sinnlichkeit extrem wichtig. Es gibt nur wenige Städte, in denen eine dermaßen köstliche Kombination aus Kultur-, Genussund Sporturlaub möglich ist. Die engen, gepflasterten Gassen sind abends voller Menschen, es riecht nach Glühwein, heißen Maroni und dazu ein wenig nach Pferdeäpfeln. Denn die Fiaker sind auch im Winter in der Altstadt unterwegs. Die Pferde dampfen und schnauben, ihr Hufgetrappel hallt an den alten Mauern wider, es klingt wie Musik. Versuche, diese typische Geruchs- und Geräuschmischung durch Einführung von Gummihufen und Pferdewindeln abzuschaffen, stießen übrigens nicht auf Gegenliebe. Langlaufgeräusche klingen ebenfalls wie Musik, zumindest in den Ohren von Wintersportfans. Der Schnee knirscht und quietscht unter den Skiern, vor den Gesichtern der Stadtskiläufer schweben weiße Wölkchen. Ein zwei Kilometer langer Rundkurs führt durch den Park von Schloss Hellbrunn, nur 20 Minuten vom Salzburger Zentrum gelegen. Die berühmten Wasserspiele und die barocken Skulpturen sind unter bizarren Schneehauben verschwunden, alles wirkt wie im Bann einer Eisprinzessin.

Weitere stadtnahe Auslaufziele, ebenfalls mit Schlossblick, gibt es in der Fuschlsee-Region mit 140 Loipenkilometern und auf der Postalm mit ihren Höhenloipen. Wer noch mehr Romantik sucht, kann mit Schneeschuhen ausgerüstet am Fuschlsee wandern oder mollig in Wolldecken eingehüllt mit einem Pferdeschlitten durch die Gegend zuckeln – und sich wie Sissi fühlen. Die legendären Kitschfilme mit Romy Schneider wurden genau hier gedreht, am Schloss Fuschl bei Salzburg.

Rustikaler als im Fünf-Sterneschlosshotel geht es auf der Schafbachalm zu, nur eine halbe Stunde entfernt von Salzburgs Innenstadt. Beim Aufstieg über die Forststraße ist es bitterkalt, aber zum Glück müssen wir drei Kilometer bergauf stapfen, das hält einigermaßen warm. Die Hütte liegt auf 1038 Meter Höhe zwischen Faistenau und Hintersee idyllisch am Waldrand. Das Wirts-Ehepaar Hannes und Karin Kurz hält für durchgefrorene Winterwanderer Glühwein, Kaiserschmarrn und Kasnocken bereit, manchmal gibt es auch Wild, vom Chef persönlich erlegt. Eigentlich möchte man die warme Stube nicht so gern wieder verlassen, aber schließlich ist man hier oben ja wegen des Rodelns. Also rauf auf den Schlitten, zurücklehnen – und ab geht es über die gut präparierte Bahn.

Zurück nach Salzburg, dort steht eine große Feier an. Um die Zeit von Mozarts Geburtstag im „Jänner“, wie der Österreicher den Januar nennt, veranstaltet die Internationale Stiftung Mozarteum die Mozartwoche mit Opernaufführungen und Konzerten. Musiker von Weltruf wie Nikolaus Harnoncourt treten dann hier auf. Bleibt die Frage, was der gute alte Wolfgang dazu gesagt hätte, dass nahe seiner Geburtsstadt eine Skipiste mit dem Namen „Papageno“ existiert und bunt bedruckte Kabinen durch die Luft gondeln, die „Flying Mozart“ heißen. Möglicherweise wäre sein Kommentar recht deftig ausgefallen. Seine Meinung über Salzburg war zeitweise nicht ganz so gut wie Salzburgs heutige Meinung über Mozart. In einem Brief vom 12. Juli 1783 schrieb er: „Ich hoffe nicht, dass es nötig ist zu sagen, dass mir an Salzburg sehr wenig und am Erzbischof gar nichts gelegen und ich auf beides scheiße."

Reiseinformationen:
Hinkommen: Mit Air Berlin, Hin- und Rückflug ab 142 Euro, www.airberlin.com

Übernachten: Direkt in der Salzburger Altstadt gelegen: das Vier-Sterne-Hotel „Wolf- Dietrich“ mit Spa, Ü/F im DZ ab 110 Euro. Wolf-Dietrich-Straße 7, Tel. 00 43/6 62/ 87 12 75, 

Skifahren: Das Skigebiet „Ski Amadé“ bietet 860 Kilometer Pisten. Auskunft: Tel. 00 43/ 64 57/28 00, 

Rodeln: Auf der Schafbachalm kann man zünftig speisen und danach einen Schlitten für die Naturrodelbahn ausleihen. Hannes & Karin Kurz, Faistenau bei Salzburg, Tel. 00 43/62 28/71 86, 71 86, www.schafbachalm.at

 

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Autor:
Titus Arnu