Norwegen Wandern auf dem Besseggen

Der Besseggen-Grat liegt im "Heim der Riesen"

Gerade Menschen, die in der Stadt wohnen, kennen diese diffuse Sehnsucht: Sehnsucht nach Weitsicht, unberührter Natur und dem Gefühl im tiefsten Inneren zur Ruhe zu kommen. Im alpinen norwegischen Gebiet Jotunheimen und dem gleichnamigen Nationalpark bekommt man, umgeben von dramatischen Felsformationen und kilometerweiten moosgrünen Tälern, genau das. Einer der Höhepunkte Jotunheimens stellt die grandiose Aussicht vom Besseggen-Grat auf den smaragdgrünen Bessvatnet- und den tiefblauen Gjendesee dar. Der Gletscher- und der Binnensee betten den Gebirgsrücken ein, welcher im Osten von Jotunheimen liegt. Das höchste Gebirge Norwegens wird aufgrund seiner imposanten Berglandschaft auch als „Heim der Riesen“ bezeichnet.

Der schmale Grat bietet spektakuläre Aussichten – auch für Ungeübte!

Die Ausblicke auf die Bergwelt der Riesen und die so unterschiedlich schimmernden Seen machen die Tour zu einer der schönsten Wanderungen Europas. Insgesamt ist die Strecke nur 17 Kilometer lang. Um jedoch in den Genuss der unvergleichlichen Panoramablicke zu kommen, müssen über 1100 Höhenmeter überwunden werden. Dabei geht es immer wieder bergauf und bergab. Das steilste Stück ist aber nur 50 Höhenmeter lang, weswegen man diese kritische Strecke relativ rasch hinter sich bringt. Jedoch müssen hierfür teilweise auch die Hände zur Hilfe genommen werden.

Nichtsdestotrotz sind jedes Jahr in der Hochsaison zwischen Anfang Juni und Ende September bis zu 30000 Menschen auf dem Besseggen unterwegs. Unter ihnen sind sportlich gekleidete Profi-Wanderer, Eltern mit ihren Kindern, rüstige Rentner und auch Schulklassen. Spätestens seit der norwegische Schriftsteller Henrik Ibsen seinen Peer Gynt auf einem Bock über den Besseggen galoppieren ließ, kennt und liebt nämlich so gut wie jeder Norweger die Felsformation.

Der Besseggen birgt viele Möglichkeiten

So unterschiedlich das Publikum am Besseggen ist, so unterschiedlich sind auch die Wanderrouten. Klar, der Blick vom Veslfjellet ist ein Muss. Von diesem, mit 1743 Metern höchsten Punkt des Besseggen, hat man die perfekte Sicht auf den in 984 Metern gelegenen Gjendesee und den 400 Meter über ihm liegenden See Bessvatnet. Doch das Gebiet um den Gebirgsrücken herum hat noch weit mehr zu bieten, als dieses mitunter bekannteste Fotomotiv Norwegens. Gut ausgestattete und halbwegs trainierte Wanderwütige, können die Landschaft mit Rucksack und dem Zelt erkunden und dabei menschenleere Täler, reißende Flüsse und einzigartige Flora und Fauna entdecken. Nachts unter dem funkelnden Sternenhimmel zu schlafen und morgens seinen Kaffee mit dem kristallklaren Wasser der zahlreichen Gletscherseen zu kochen, ist definitiv ein unvergessliches Erlebnis. Die Erfahrung des Wildzeltens kann in Europa nur selten gemacht werden. In Norwegen gilt hingegen das sogenannte „Jedermannsrecht“, welches jedem den freien Aufenthalt in der Natur erlaubt. So eine Tour sollte allerdings sehr gut vorbereitet werden.

Doch auch weniger Abenteuerlustige kommen am Besseggen auf ihre Kosten, ohne dabei auf Komfort verzichten zu müssen. Es gibt zahlreiche Hütten bzw. „Hytter“, in die am Ende des Wandertages eingekehrt werden kann. Der relativ kurze Wanderweg kann, so denn es keine Umschweife gibt, in durchschnittlich acht Stunden bestritten werden. Informationen zu Preisen und Verfügbarkeit der Hütten gibt es unter anderem hier.

Die Wanderung startet am Gjendesee

Franziska Grammes
Die umliegenden Täler sind oft menschenleer

Die Wanderung über den Besseggen startet für alle am Gjendesee. Hier gibt es neben der Bushaltestelle auch (gebührenpflichtige) Parkplätze. Es handelt sich in der Regel um eine Einwegstour: Entweder man startet am Anfang des Sees und fährt am Ende mit dem Boot zurück oder anders herum. Wer erst mit dem Boot von Gjendesee übersetzt, läuft von Memurubu aus zurück. Der Vorteil dieser Tour ist, dass man die Bootsstrecke auf diese Weise schon hinter sich hat und der Weg als der leichtere von beiden gilt. Von Gjendesee aus loszulaufen und dann von Memurubu das Boot zurück zu nehmen, hat allerdings auch Vorzüge. Erstens hat man beim Laufen die tolle Aussicht vor und nicht hinter sich und zweitens ist die Strecke meist leerer.

Die erste Fähre von Gjendesee nach Memurubu geht allerdings schon früh am Morgen und ist oft gut besetzt. Rechtzeitiges Erscheinen lohnt sich. Der Bootsfahrplan ist auf www.gjende.no einsehbar.

Von Deutschland zum Besseggen ist es gar nicht so weit

Es braucht nicht viel, um seine Umgebung einem radikalen Wandel zu unterziehen und Norwegens Weite zu genießen. Anbieter wie Norwegian oder Germanwings fliegen von vielen deutschen Städten meist schon für weniger als 100 Euro (hin und zurück) nach Oslo. Von dort aus dauert es mit dem Mietauto etwa vier Stunden bis Gjendesheim. Alternativ kann man auch mit der Bahn nach Oslo und von dort weiter mit dem Bus 560 nach Gjendesheim fahren.

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Franziska Grammes