Niederlande Mit dem Fahrrad Amsterdam entdecken

Eine Radtour durch die Großstadt – ob das Spaß macht? In Amsterdam auf jeden Fall. Kaum ein anderer Ort ist so fahrradfreundlich wie die niederländische Hauptstadt an der Amstel. Und dank eines neuen Großprojekts ist auch das Umland fix erradelt.

Fährt man in deutschen Großstädten mit dem Fahrrad umher, ist man eigentlich ständig in Gefahr. Es gibt kaum separate Fahrradwege und wenn, dann fahren die Autofahrer so nahe an einem vorbei, dass der Windhauch den Lenker zum Schlackern bringt. Nur selten vergewissern sich Rechtsabbieger, ob noch jemand vorbeiradelt und selbst die Fußgänger latschen kreuz und quer umher, ohne an sich von hinten nähernde Radfahrer zu denken.

In Amsterdam ist das anders: Wo man auch hinsieht, gibt es breite Fahrradwege und jeder Autofahrer hält für die strampelnden Verkehrsteilnehmer bereitwillig an. Neben separaten Fahrradampeln, gibt es für Radler Parkhäuser und Unterführungen. Kein Wunder, dass der Drahtesel hier das bevorzugte Fortbewegungsmittel ist.

In Amsterdam bewältigen tatsächlich die meisten Menschen ihren Alltag im Sattel - ob es nun zur Arbeit, zum Einkaufen oder zur KiTa geht. Von Büromenschen, die mit Schlips und Anzug zum Meeting fahren bis hin zu Multitasking-Eltern, die im hölzernen Vorbau ihres Lastenfahrrads neben den Wochenendeinkäufen noch zwei Kids herumkutschieren. Als Besucher will man am liebsten mitmachen. Und das ist ganz einfach!

Mietfahrrad in Amsterdam
Anja Haertel
Die bunten Mietfahrräder erkennt man an der eingestanzten Nummer. Ob gemietet oder nicht: Abschließen nicht vergessen!

Fahrradverleihe an jeder Ecke

Wer kein eigenes Fahrrad zur Verfügung hat oder sich spontan entschließt, die Stadt zu erradeln, findet in Amsterdam ein breites Angebot an Leihmöglichkeiten vor. Rot, orange, blau oder gelb – Handbremse oder Rücktritt – mit Gangschaltung oder ohne: für jede Vorliebe ist etwas dabei. Bereits ab 7 Euro bekommt man ein Rad für den ganzen Tag (ein 24-Stunden-Ticket für den ÖPNV kostet 7,50 Euro) und es können bequem und schnell alle Attraktionen der Stadt erreicht werden – ohne Umsteigen und Wartezeiten.

Vom Hauptbahnhof zum Van-Gogh-Museum in zwanzig Minuten, vom Reichsmuseum zum Anne-Frank-Haus in zehn Minuten: Fahrradfahrer sind schnell und flexibel. Und Abstellmöglichkeiten gibt es sowieso überall. Auch wenn die Fahrradständer oft sehr voll sind, irgendwo findet sich immer ein Plätzchen. Doch Vorsicht: Auch wenn sich die Lage langsam entschärft, ist Fahrraddiebstahl immer noch ein großes Problem in Amsterdam. Wer sein Schicksal herausfordert und sein Rad unangeschlossen stehen lässt, darf sich am Ende nicht wundern, wenn er zu Fuß nach Hause gehen muss.

 

Grachten in Amsterdam
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Um in Amsterdam an sein Ziel zu gelangen, muss man oft nur den Grachten folgen.

Orientierung leicht gemacht

„Aber wie finde ich eigentlich den Weg?“, werden sich Amsterdam-Neulinge fragen. Eine Sorge, die verständlich, aber - wie sich herausstellt - quasi unnötig ist. Die Stadt ist gespickt mit zahlreichen Wegweisern, die Touristen – ob zu Fuß oder mit dem Rad – zu den schönsten Sehenswürdigkeiten leiten. Wer doch einmal einen Blick auf die Karte werfen möchte, wird schnell die Stadtstruktur durchschauen. Frei nach dem Motto „Alle Grachten führen nach Rom“ kann man sich einfach am Wasser orientieren, das ringförmig die Stadt durchzieht. So muss man sich weniger Straßennamen und Abzweigungen merken und kann die Tour besser genießen.

Mit dem Fahrrad das Umland entdecken

Sightseeing in der City ist nicht alles, auch das Umland erreicht man in wenigen Minuten mit dem Fahrrad von der Stadt aus. „Groene Lopers“ nennt sich die Idee - ein aktuelles Projekt, bei dem es darum geht, die Innenstadt mit dem Umland und insbesondere die zwei UNESCO Welterben miteinander zu verbinden: die Grachten in der Innenstadt und die Verteidigungsanlagen im Umland. Die Fahrradwege (von denen bereits 85 Prozent existieren) führen in weniger als zwanzig Minuten aus der Stadt heraus in die grüne Natur. Die verschiedenen Routen haben unterschiedliche Ziele und Themen.

 

Aalsmeer Blumen Amsterdam
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Die Blumenroute führt vom Westen Amsterdams Richtung Süden bis nach Aalsmeer.

Eine Strecke ist die sogenannte „Blumenroute“. Sie startet im Westen der Stadt und führt in Richtung Süden bis nach Aalsmeer, wo das Blumenauktionshaus besucht werden kann. Eine Broschüre soll den Besuchern künftig nicht nur den Weg weisen, sondern auch über interessante Zwischenstopps informieren - egal ob Picknickplätze, Übernachtungsmöglichkeiten, Cafés oder Aussichtspunkte. Damit die Umsetzung all dieser Ideen im Rahmen des Projekts glückt, müssen bereits existierende Fahrradwege „zum Leben erweckt werden“. In diesem Jahr wird in Amsterdam deshalb gemalt und beschildert, was das Zeug hält. Denn erst wenn die letzte Markierung auf dem Asphalt getrocknet ist, wird es den offiziellen Startschuss für Touristen auf dem „Grünen Läufer“ geben.

Bis dahin heißt es für fahrradliebende Besucher: Geduld. Alternativ lässt es sich auf den breiten Radwegen in der Stadt hervorragend mit Eltern und Geschäftsleuten um die Wette radeln. Auf die Sättel, fertig – los!

Autor

Anja Haertel