Moldawien

Wissenswertes über Moldawien

Natur und Klima:

Das Land besteht größtenteils aus der historischen Landschaft Bessarabien zwischen den Flüssen Pruth und Dnjestr. Das Landschaftsbild wird durch ein von zahlreichen Wasserläufen durchzogenes Hügelland bestimmt, das nach Süden hin in ein flaches und trockenes, teils zerfurchtes Steppenland übergeht. Der allergrößte Teil der ursprünglichen Steppen- und Laubwaldvegetation ist in - von Erosion bedrohtes - Kulturland umgewandelt worden.

Das gemäßigt kontinentale Klima wird durch warme, trockene Sommer und kurze Winter geprägt. Durchschnittlich fallen pro Jahr nur 400 bis 500 mm Niederschlag, im Süden etwas weniger als im Norden.

Bevölkerung:

Die Mehrheit der Bevölkerung sind rumänische Moldauer. Sie sprechen mit dem Moldauischen einen rumänischen Dialekt, der seit 1989 wieder in lateinischen statt kyrillischen Buchstaben geschrieben wird. Stärkste Minderheiten sind Russen und Ukrainer, die die Bevölkerungsmehrheit in der Region östlich des Dnjestr (Transnistrien) stellen. Die turksprachigen Gagausen besitzen im Süden ein eigenes autonomes Territorium (Gagausien). Das Land ist von allen GUS-Staaten am dichtesten besiedelt. Allerdings nimmt die Bevölkerung seit mehr als einem Jahrzehnt durch Abwanderung leicht ab.

Die ethnische Vielfalt des Landes spiegelt sich auch im Schulsystem wider: Die Unterrichtssprache richtet sich nach der jeweiligen ethnischen Herkunft der Schüler. Aufgrund der schlechten finanziellen Lage der Republik finden Investitionen und damit Reformen des Bildungswesens kaum statt.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1994 (2000 revidiert) ist Moldau eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von vier Jahren vom Parlament gewählte Präsident. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt den vom Vertrauen des Parlaments abhängigen Ministerpräsident und dessen Ministerrat. Die 101 Abgeordneten des Parlaments werden alle vier Jahre nach dem Verhältniswahlrecht gewählt.

Die allein regierende Kommunistische Partei (PCRM) ist die stärkste politische Kraft. Oppositionelle Parteien sind die liberale Allianz Unser Moldau (AMN), die Christlich-Demokratische Volkspartei (PPCD), die sozialdemokratisch orientierte Demokratische Partei Moldaus (PDM) sowie die Sozial-Liberale Partei (PSL).

Wirtschaft und Verkehr:

Das agrarisch geprägte Land - mehr als 80 Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt - gehört zu den ärmsten Staaten Europas. Die in den neunziger Jahren marktwirtschaftlich reformierte Wirtschaft zeigt auch aufgrund der hohen Auslandsverschuldung und der stark ausgeprägten Schattenwirtschaft erst seit 2000 eine positive Entwicklung. Moldau hat keine nennenswerten Bodenschätze und ist auf hohe Energieeinfuhren aus Russland angewiesen. Das günstige Klima und die fruchtbaren Schwarzerdeböden lassen einen intensiven Anbau von Obst und Gemüse, Wein, Tabak, Sonnenblumen und Weizen zu. Die negative Handelsbilanz wird nur zu einem Teil von den Überweisungen der im Ausland lebenden Moldauer ausgeglichen.

Das dichte Straßennetz wird erweitert, die für den Gütertransport wichtige Eisenbahn ist an die Fernstrecke Istanbul-Moskau angebunden. Wichtige Binnenwasserstraßen sind die Flüsse Pruth und Dnjestr; an der Donau bei Giurgiuleti entsteht ein Freihafen.

 

Geschichte

Mittelalterliches Fürstentum und russische Herrschaft:

 

Im 14. Jahrhundert wurde das Gebiet zwischen Pruth und Dnjestr, später Bessarabien, Teil des Fürstentums Moldau, das im 16. Jahrhundert unter türkische Oberherrschaft geriet. 1812 fiel Bessarabien an Russland. Nach dem Krimkrieg 1856 kam der Süden des Gebiets an das Fürstentum Moldau zurück, 1878 musste er wieder an Russland abgetreten werden. 1918 erklärte Bessarabien zunächst seine Unabhängigkeit und schloss sich dann Rumänien an, was die UdSSR nicht akzeptierte. 1940 zwang sie Rumänien zur Abtretung des Gebiets: Der südliche Teil wurde der Ukraine angeschlossen, der Hauptteil mit der 1924 gegründeten Moldauischen ASSR, einem schmalen Landstreifen östlich des Dnjestr, zur Moldauischen SSR vereinigt. 1941 bis 1944 konnte das Gebiet vorübergehend wieder von Rumänien besetzt werden. 1947 mussten die Rumänen die sowjetische Herrschaft anerkennen.

Eigenstaatlichkeit und innere Konflikte:

Vor dem Hintergrund des Zerfalls der UdSSR proklamierte Moldau 1991 die Unabhängigkeit. Gagausen und Russen riefen unabhängige Republiken aus, die aber von der moldauischen Regierung nicht anerkannt wurden. Während für Gagausien ein Autonomiestatut vereinbart wurde, konnte im Konflikt um Transnistrien keine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Dort entwickelte sich unter dem Schutz des russischen Militärs ein staatsähnliches Gebilde mit einem autoritären Regime. 1995 wurde Moldau Mitglied des Europarates.

Vorgezogene Parlamentswahlen 2001 gewann die Kommunistische Partei mit absoluter Mehrheit. Ihr Vorsitzender Wladimir Woronin wurde Präsident. Er bemühte sich zunächst um eine stärkere Annäherung an Russland. Eine Verhandlungslösung über den Status Transnistriens kam aber weiterhin nicht zustande. Auch die dort stationierten russischen Truppen wurden nicht abgezogen, so dass sich das Verhältnis zu Russland wieder abkühlte und die Regierung eine Annäherung an die EU suchte.

Bei den Parlamentswahlen 2005 konnten die Kommunisten ihre absolute Mehrheit verteidigen. Woronin wurde erneut zum Präsidenten gewählt. Erleichterte Einbürgerungsmodalitäten für Staatsangehörige Moldaus belasteten 2007 die Beziehungen zu Rumänien. Im Anschluss an die Parlamentswahlen 2009 kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Die Opposition warf der siegreichen Kommunistischen Partei Wahlbetrug vor.

 


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