Mazedonien

Wissenswertes über Mazedonien

Natur und Klima:

Mazedonien ist ein Gebirgsland mit tief eingeschnittenen Tälern und fruchtbaren, dicht besiedelten Beckenlandschaften. Wichtigster Fluss, an dem sich auch die Hauptverkehrsachsen orientieren, ist der als Fortsetzung der Morava von Nordwesten nach Südosten fließende Vardar. Im Südwesten hat Mazedonien Anteil am Prespasee und Ohridsee. Die nicht abgeschlossenen Gebirgsbildungsvorgänge können zu heftigen Erdbeben führen; eines zerstörte 1963 die Hauptstadt Skopje.

Das Klima weist überwiegend kontinentale Züge auf, mit kalten Wintern und heißen, trockenen Sommern. In den Randgebirgen fallen pro Jahr rund 2000 mm, in den östlichen Beckenlandschaften teils weniger als 500 mm Niederschlag. Rund ein Drittel des Landes ist bewaldet.

Bevölkerung:

Dem Mehrheitsvolk der slawischen Mazedonier (rund 64 Prozent der Bevölkerung) stehen 20 nationale Minderheiten gegenüber, allen voran Albaner (rund 25 Prozent), die vor allem im Norden, Westen und um Bitola leben. Den Albanern werden kulturelle, soziale und politische Selbstbestimmungsrechte gewährt, sofern ihr Anteil in den einzelnen Kommunen 20 Prozent überschreitet. Mazedonier und Serben gehören meist der orthodoxen Kirche an; Albaner, Türken, Roma und Bosniaken bekennen sich zum Islam.

Das mazedonische Schulsystem umfasst eine Schulpflicht bis zur achten Klasse, jedoch gehen immer mehr Schüler bereits nach der fünften Klasse ab. Ein weiteres Problem ist die steigende ethnische Separierung an den Schulen. Ferner weist Mazedonien trotz Universitätsneugründungen einen sehr geringen Anteil an Studienabsolventen auf.

Staat und Politik:

Nach der mehrfach geänderten Verfassung von 1991 ist Mazedonien eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Präsident. An der Spitze der Regierung steht der von ihm ernannte Ministerpräsident, der vom Vertrauen des im Abstand von vier Jahren gewählten Einkammerparlaments (Sobranje, 120 Abgeordnete) abhängig ist.

Wichtige Parteien sind die konservativ-nationale Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation-Demokratische Partei für die Mazedonische Nationale Einheit (VMRO-DPMNE), der postkommunistische Sozialdemokratische Bund Mazedoniens (SDSM), die Demokratische Union für Integration (BDI) sowie die Demokratische Partei der Albaner (PDSH).

Wirtschaft und Verkehr:

Die Wirtschaft befindet sich erst seit einigen Jahren auf einem moderaten Wachstumskurs; größtes Problem ist die hohe Arbeitslosenquote (36 Prozent). Der Landwirtschaft kommt noch große Bedeutung zu. In den Beckenlandschaften werden Weizen, Mais, Obst, Tabak, Wein und Sonnenblumen angebaut. In den Höhen dominiert Viehzucht (Schafe, Ziegen, Maultiere).

Wichtigstes Bergbauprodukt ist die zur Energieerzeugung genutzte Braunkohle. Die Industrie ist schwach entwickelt (Eisen-, Nahrungsmittel-, Textilindustrie) und hauptsächlich in Skopje angesiedelt. Der ausbaufähige Tourismus konzentriert sich auf den Ohridsee. Mazedonien ist ein typisches Transitland und im Außenhandel vom griechischen Freihafen Saloniki abhängig.

Geschichte

Bestandteil Jugoslawiens:

Das Gebiet des heutigen Mazedonien kam nach dem Zweiten Balkankrieg (1913) an Serbien und ging 1918 im jugoslawischen Königreich auf. Das serbische Hegemoniestreben rief bald die Opposition der mazedonischen Bevölkerung hervor. Von bulgarischem Gebiet aus versuchte die seit 1893 bestehende VMRO (Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation) mit terroristischen Mitteln, ein souveränes Gesamt-Mazedonien zu konstituieren. Erst 1934 gelang dem bulgarischen Militär die Zerschlagung der VMRO. Im Zweiten Weltkrieg wurde Mazedonien von Bulgarien besetzt. Nach Gründung der Volksrepublik Jugoslawien 1945 erhielt Mazedonien den Status einer Teilrepublik der Föderation. Ende der achtziger Jahre erwachten auch in Mazedonien wieder die nationalen Bestrebungen. 1990 wurde die VMRO als politische Partei neu gegründet (VMRO-DPMNE).

Unabhängigkeit:

Mit dem Reformkommunisten Kiro Gligorov als Präsident (1991 bis 1999) proklamierte Mazedonien die Unabhängigkeit (1991). In der Folgezeit versuchte der südliche Nachbar Griechenland die internationale Anerkennung des Landes unter dem Namen Mazedonien zu blockieren. 1993 wurde Mazedonien unter der Staatsbezeichnung Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien in die Uno aufgenommen.

Im Februar 2001 brachen im Grenzgebiet zum Kosovo militärische Auseinandersetzungen mit albanischen UÇK-Rebelleneinheiten aus. Nach schwierigen Verhandlungen konnte am 13. August 2001 das Friedensabkommen von Ohrid unterzeichnet werden. Die Nato entsandte Truppen (darunter auch deutsche Soldaten) zur Entwaffnung der UÇK-Verbände. Im November 2001 verabschiedete das makedonische Parlament Verfassungsänderungen, die die Rechtsstellung der ethnischen Minderheiten verbesserten.

2004 kam Boris Trajkovski (Staatspräsident seit 1999) bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die notwendigen Neuwahlen für das Präsidentenamt gewann der bisherige Ministerpräsident Branko Crvenkovski (SDMS). Nach den Parlamentswahlen 2006 wurde Nikola Gruevski (VMRO-DPMNE) Ministerpräsident an der Spitze einer Koalitionsregierung. Der nach wie vor ungelöste Namensstreit mit Griechenland verhinderte im April 2008 eine Beitrittszusage der Nato an Mazedonien. Nach einer Koalitionskrise kam es im selben Monat zur Auflösung des Parlaments. Für den 1. Juni 2008 wurden vorgezogene Neuwahlen angesetzt. Bei dem von Gewalttaten überschatteten Urnengang konnte die von Gruevski geführte VMRO-DPMNE ihre Stellung als stärkste politische Kraft behaupten. Ihr Kandidat Georgi Ivanov gewann die Präsidentschaftswahlen 2009.


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