Liechtenstein

Wissenswertes über Liechtenstein

Natur und Klima:

Liechtenstein - nur 25 Kilometer lang und bis zu 12,5 Kilometer breit - ist überwiegend gebirgig. Der Ostteil wird von der nordwestlichen Abdachung des Rätikons, eines Teils der Nördlichen Kalkalpen, eingenommen. Höchste Erhebung ist der Vordergrauspitz (2599 Meter) auf der Südgrenze zur Schweiz. Nach Westen flacht das Gebirge bis auf 450 Meter zur Talebene des Rheins hin ab. Wegen der drohenden Überschwemmungsgefahr wurde der Flusslauf eingedeicht, die ursprünglichen Auenwälder sind nur noch in Resten erhalten. Insgesamt ist noch rund ein Drittel der Landesfläche bewaldet.

Das feuchte, kühlgemäßigte Klima ist in der Talebene relativ mild und durch häufige Föhnwetterlagen gekennzeichnet. Die Niederschlagsmengen erreichen hier Werte bis 850 mm; in den Kammlagen der Gebirge werden bis zu 2400 mm gemessen.

Bevölkerung:

Die Einwohnerzahl des Fürstentums hat sich innerhalb der vergangenen 40 Jahre nahezu verdoppelt, vor allem durch Zuwanderung. Die Liechtensteiner sind überwiegend alemannischer Abstammung. Unter den Ausländern (rund 34 Prozent) überwiegen Schweizer, Österreicher, Deutsche und Italiener. Hauptsiedlungsgebiet ist die Rheinebene.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 1921, die zuletzt 2003 geändert wurde, ist Liechtenstein eine konstitutionelle Erbmonarchie auf parlamentarisch-demokratischer Grundlage. Staatsoberhaupt ist der Fürst, der mit umfassenden Vollmachten ausgestattet ist. Er kann jederzeit das Regierungskollegium (Regierungschef und vier Regierungsräte) entlassen und per Notverordnung regieren. Außerdem bedarf jedes Gesetz seiner Zustimmung. Die Bevölkerung kann dem amtierenden Fürsten das Misstrauen aussprechen und durch Volksabstimmung die Monarchie abschaffen. Die Legislative, der Landtag, hat 25 auf vier Jahre gewählte Abgeordnete.

Dominierende Parteien sind die Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) und die Vaterländische Union (VU), die seit 1938 (mit Unterbrechung von 1997 bis 2005) eine Koalition bilden und eine konservative Programmatik haben. Einzig echte Oppositionspartei ist die grün-alternative Freie Liste (FL).

Wirtschaft und Verkehr:

Innerhalb von wenigen Jahrzehnten hat sich Liechtenstein von einem Agrarland zu einem modernen Industrie- und Dienstleistungsstandort gewandelt. Ermöglicht wurde diese Entwicklung vor allem durch die Steuergesetzgebung, die ausländische Anleger angelockt hat. Dank der niedrigen Steuersätze haben zahlreiche ausländische Unternehmen ihren Firmensitz formell als sogenannte Briefkastenfirmen nach Liechtenstein verlegt. Durch das Bankgeheimnis ist das Land zudem als Finanzplatz geschätzt. Mit der Schweiz ist Liechtenstein wirtschaftlich in einer Zoll- und Währungsgemeinschaft eng verbunden.

Das milde Klima im Rheintal begünstigt den Anbau von Gemüse und Getreide. An den Berghängen breiten sich Obst- und Weinkulturen aus, in den höheren Lagen wird Viehzucht und Milchwirtschaft betrieben. Die vorwiegend klein- und mittelständische Industrie konzentriert sich auf die Erzeugung hochwertiger Spezialprodukte, vor allem im Apparatebau und der elektrotechnischen Industrie. Wichtige Einnahmequellen sind auch der Verkauf von Briefmarken und der Tourismus.

Ein 750 Meter langer Tunnel zwischen dem Rheintal und dem Saminatal erschließt das Wintersportgebiet von Malbun. Einzige Bahnlinie ist der Arlbergexpress vom österreichischen Feldkirch über Schaan zum schweizerischen Buchs, der das Fürstentum auf einer Länge von 9,5 Kilometer durchquert. Der nächstgelegene internationale Flughafen ist Zürich.

Geschichte: Der Weg zur Souveränität:

Die Geburtsstunde Liechtensteins schlug 1719, als Kaiser Karl VI. die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg, die das aus Niederösterreich stammende Adelsgeschlecht Liechtenstein kurz zuvor durch Kauf erworben hatte, zum reichsunmittelbaren Fürstentum erhob. 1806 schloss sich Liechtenstein dem Rheinbund an und war 1815 Gründungsmitglied des Deutschen Bundes. Nach dessen Auflösung 1866 blieb das Fürstentum ein souveräner Staat, der seit 1852 in einer Zollunion mit Österreich verbunden war.

Moderner Staat mit internationalen Ambitionen:

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges lehnte sich Liechtenstein eng an die Schweiz an (1923 Abschluss eines Zollvertrages). 1921 gab sich das Fürstentum eine parlamentarische Verfassung. Unter dem seit 1938 regierenden Fürsten Franz Joseph II. erlebte Liechtenstein nach dem Zweiten Weltkrieg einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. 1989 wurde sein Sohn Hans-Adam II. Staatsoberhaupt. Er führte das Land 1990 zur Uno-Mitgliedschaft. 1995 schloss es sich auch dem Europäischen Wirtschaftsraum und der WTO an. 2003 stimmte die Bevölkerung nach jahrelangem Streit Verfassungsänderungen zu, welche die Kompetenzen des Monarchen erheblich ausweiteten. 2004 übertrug der Fürst seine Hoheitsrechte auf den Erbprinzen Alois, blieb aber weiterhin Staatsoberhaupt. Regierungschef ist seit 2009 Klaus Tschütscher (VU).


Dieser Text ist dem Angebot entnommen.
(C) Wissenmedia GmbH