Nördliche Adria Istrien: Alles ist grün

Grünes Ufer in Lika-Karlovac.

Nehmen wir es vorweg: Das "grüne" Istrien erstreckt sich im Inneren über sanfte Hügel und sanfte Weiden - doch ansonsten ist die Region (noch) kein Hort von Umweltverträglichkeit und Bio-Lifestyle. Kein Wunder, nach vielen Jahren sozialistischer Bevormundung, bestimmt vom Ziel hoher Produktivität und Effizienz ohne Rücksicht auf den Verbrauch von Naturressourcen und einer Verbauung der Landschaft, setzte ein Umdenken erst in den letzten Jahren langsam ein.

Getragen wird der Trend vor allem von der ländlichen Bevölkerung, die ihren Traditionen und ihrem handwerklichen Geschick wieder mehr vertraut. Weinbauern und Produzenten von Olivenöl gehen dabei voran. Auch in der Hotellerie wird mehr und mehr auf Umweltverträglichkeit und alternative Energiekonzepte geachtet, ohne jedoch die Qualität außer Acht zu lassen.

Mit der Öffnung für Zielgruppen, die auch bevorzugt den kulinarischen Bereich zu schätzen wissen, wird Istrien sein ökologisch-verträgliches Angebot schon bald ausweiten - und man darf sicher sein: Die Gäste werden nicht enttäuscht!

Übernachten

Stancija Bulada

Das Angebot an Landhäusern ist groß und vielfältig, doch dieses Haus, benannt nach der nahen Wasserquelle "Bulada", macht sich einen Namen in Sachen Umwelt. Der Besitzer des Landhauses engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt der Quelle, die als einzige Trinkwasserquelle der Gegend bereits 1624 zum ersten Mal erwähnt wurde. Neben zwei Studios (für zwei Personen) gibt es zwei Häuser (bis zu vier Personen). Schön ist in der Nähe der kleine Ort Bolunsko Polje - im Juli mit traditionellem Dorffest.

Stancija Bulada • Bulada (7 km bis Lupoglav) • exklusiv beim

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Sandi Chiavalon

Sandi Chiavalon produziert ein erstklassiges istrisches Olivenöl als Blend mit dem Namen "Ex Albis base". Das Öl wurde in der italienischen Olivenöl-Bibel "L'Extravergine" mit 94 von maximal 100 Punkten bewertet und dadurch unter die 15 besten Olivenöle der Welt platziert. Der Olivenbauer besitzt 1100 Bäume, dazu kommen weitere gepachtete Olivenbäume. Geerntet wird Anfang Oktober, jede der vier Sorten getrennt. Da die einzelnen Olivensorten jedes Jahr anders schmecken, steht Sandi Chiavalon immer wieder neu vor der Herausforderung, das optimale Mischungsverhältnis herauszufinden, damit das Öl auf demselben hohen Niveau produziert werden kann. In Chiavalons ultramodernem Verkostungsraum kann der Besucher das Ergebnis dieses Prozesses probieren. Ein Besuch, der sich auf jeden Fall lohnt!

Sandi Chiavalon • Vodjan, Vladimir Nazora 16 • Tel. 52/51 19 06

Lebensmittelladen bio&bio

Abseits der Märkte sind biologisch produzierte Lebensmittel nicht leicht zu finden - mit "einer" guten Ausnahme: die Shop-Kette "bio&bio" besitzt auch einen Laden in Rijeka, in dem es eine hervorragende Auswahl an international bekannten Marken von Biound Gesundheitsprodukten gibt. Vervollständigt wird das Angebot durch ökologische Kosmetik und biologisch angebaute, lokale Produkte wie Gemüse und Gemüseerzeugnisse, Obst und Getreide (u. a. Gerste, Dinkel und Mais). Das Unternehmen arbeitet dabei mit einem festen Stamm von kroatischen Bio-Bauern zusammen, der über das ganze Land verteilt ist. Sie werden vom Unternehmen regelmäßig beraten und kontrolliert sowie durch Schulungen in praktischer, ökologischer Feldarbeit unterstützt.

Lebensmittelladen bio&bio • Rijeka, Ivana Zajca 24 • Tel. 51/32 14 82 • Mo-Sa 8-20 Uhr

Wochenmärkte

Im Sommer "gastieren" die Märkte in einem festen Rhythmus in fast allen größeren Orten der Region. Die lokalen Fremdenverkehrsämter veröffentlichen die jeweiligen Zeitpläne. Primär im Angebot: Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Gebäck, Weine und Olivenöl sowie diverse alkoholische Erzeugnisse, zumeist mit höherer Prozentzahl. In Pula gibt es einen sogenannten "Frische-Markt", der ebenfalls ein gutes Angebot führt. Wochenmärkte bieten ein reiches Angebot an frischen Produkten, und wer nach biologischen Erzeugnissen sucht, wird sicher schnell fündig. Kleinbauern und Privatleute bieten ihre Ernte aus dem eigenen Garten an. Es gibt allerdings etliche Kritiker, die den teilweise ungezügelten und um sich greifenden Einsatz von chemischen Mitteln und Dünger auch in Privathaushalten beklagen. Deshalb gilt auch auf den Märkten: Schauen Sie sich die Produkte genau an - nicht alles ist ökologisch, auch wenn es "grün" aussieht. Und so manche Tomate schmeckt mehr nach Holland als nach der Erde Istriens.

Aktivitäten

Eko Centar Caput Insulae Beli

Nahe Beli auf der Insel Cres leben in den Klippen und in der Station selbst bis zu 70 Paare der vom Aussterben bedrohten Gänse- und Ohrengeier. Vor rund 100 Jahren gab es Geier fast auf dem gesamten kroatischen Festland und auf den meisten Inseln. Heute ist die Zahl der stattlichen Tiere (sie erreichen eine Flügelspannweite von bis zu 2,8 m) stark dezimiert. Dr. Goran Sušid gründete 1993 die Organisation ECCIB zum Schutz der Vögel. Neben einem Informationszentrum gibt es eine Aufzuchtstation für die Geier. Dort kümmert man sich um verletzte oder geschwächte Tiere und Jungtiere. Nach der Pflege werden die Tiere beringt und teilweise mit einem Sender versehen wieder in die Freiheit entlassen. Im Sommer bietet das Umweltzentrum zahlreiche Möglichkeiten für freiwillige Helfer, sich am Schutz der Tiere zu beteiligen.

Die Mindestdauer des Einsatzes beträgt sieben Tage, insgesamt werden in den Monaten März bis Mai sowie September und Oktober maximal 30 Helfer gleichzeitig eingesetzt, aber auch Einzelanfragen sind willkommen. Auch im Bereich der Wegeund Trockenmauerinstandhaltung, des Info-Zentrums oder der Landwirtschaft (Mithilfe bei der Olivenernte, Schafe scheren etc.) ist ein Einsatz als Helfer möglich. Auf sieben vom Zentrum angelegten Öko-Lehrpfaden kann der Besucher das Gebiet der Tramuntana, des Nordteils der Insel, erkunden. Dabei trifft man auf alte, verlassene Dörfer und auf vom Umweltzentrum angelegte Labyrinthe, die die Natur stärker erfahrbar machen sollen. Die Wege sind unterschiedlich anspruchsvoll und lang - mit einer Länge von 1,4-10 km dürfte für jeden etwas dabei sein. Für Vogelliebhaber werden 6-tägige Vogelbeobachtungen angeboten, die von einem Deutsch und Englisch sprechenden Ornithologen durchgeführt werden (6-12 Teilnehmer): Die Insel ist mit 215 Vogelarten, darunter 100 brütende, ein wahres Paradies.

• Insel Cres, Beli, Beli 4 • Tel. 51/84 05 25 • Aufzuchtstationgeöffnet von März bis Okt., Info-Zentrum tgl. 9-19 Uhr • Freiwilligenarbeit 1. März-31. Okt. • Preis Vogelbeobachtung: 700 € inkl. Unterkunft und drei Mahlzeiten am Tag

Kamenjak

Der Weg ist das Ziel - und dieser Weg führt durch einen der natürlichsten Parks Istriens. Kamenjak ist etwa 260 ha groß (dabei 6 km lang) und erstreckt sich entlang knapp 30 km Küste. Perfekt zum Schwimmen, Sonnenbaden und Abtauchen - fernab der Hektik der Touristenorte wie Medulin. Autos müssen das Schutzgebiet bis 21 Uhr verlassen haben. Als idealer Ausgangsort, auch wenn eine Übernachtung in der Nähe geplant ist, bietet sich Premantura an. Am besten entdeckt man die Gegend mit dem Fahrrad - und zur Belohnung nach der sportlichen Anstrengung folgt die Einkehr in der Safari Bar (aber Vorsicht bei offenen Getränken).

Kamenjak • 12 km südl. von Pula

Meereskundezentrum Blue World

Die Organisation kümmert sich um den Schutz, die Beobachtung und wissenschaftliche Erforschung von Delfinen. In den letzten 15 Jahren hat die Delfin-Population um 40 % abgenommen, sodass ein wirksamer Schutz der Tiere nötig ist. Ein Erfolg: Das Zentrum konnte 2006 die Gründung eines Schutzgebiets im Meer östlich von Lošinj und Cres erreichen. Es gibt ein gutes Museum mit sehr anschaulichen Informationen zum Thema und zu den Delfinpopulationen in den Gewässern der Umgebung. Dreidimensionale Ausstellungsstücke, interaktive Präsentationen und Multimediaelemente ergänzen zahlreiche Fotografien. Volontäre können die Arbeit des Adriatic Dolphin Project unterstützen. Neben Feldforschung und Datenerfassung gehören die anschließende Auswertung der Daten, aber auch alltägliche Aufgaben zu den Tätigkeiten. Wer einen Ausflug zum "Delfin-Watching" machen möchte, sollte wissen: Am meisten hilft man den Tieren, wenn man Abstand zu ihnen hält. Vielleicht ist ein Badeausflug ohne Delfine deshalb doch die umweltverträglichere Variante.

• Insel Lošinj, Veli Lošinj, Kaštel 24 • Tel. 51/60 46 66

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Dieser Text von Peter Hinze ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Istrien - Das nördliche Kroatien"

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