Kosovo

Wissenswertes über Kosovo

Natur und Klima:

Der Binnenstaat wird gegen Süden und Westen von Gebirgen (Daravica, 2656 Meter) abgegrenzt. Im Inneren liegen die fruchtbaren Beckenlandschaften Amselfeld mit Priština als Zentrum und Metohija mit Prizren als Zentrum. Es herrscht ein gemäßigt kontinentales Klima mit kalten Wintern und trockenheißen Sommern. Mehr als 40 Prozent des Kosovo sind bewaldet.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung besteht zu rund 90 Prozent aus Albanern, die sich vorwiegend zum sunnitischen Islam bekennen. Die Serben, deren Anteil stark rückläufig ist, stellen rund sieben Prozent der Bevölkerung und gehören vor allem der serbisch-orthodoxen Kirche an. Ferner gibt es montenegrinische und türkische Minderheiten.

Staat und Politik:

Kosovo ist auf der Basis der am 15. Juni 2008 in Kraft getretenen Verfassung eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählte Präsident. Er ernennt auf Vorschlag der Parlamentsmehrheit den Ministerpräsidenten, der an der Spitze der Regierung steht. Das Einkammerparlament mit 120 Abgeordneten wird alle vier Jahre neu gewählt. Dabei sind in den ersten beiden Legislaturperioden 20 Sitze für die verschiedenen Bevölkerungsminderheiten reserviert, zehn davon für die serbische Minderheit.

Stärkste politische Parteien sind die sozialdemokratische Demokratische Partei Kosovos (PDK), die liberale Demokratische Liga Kosovos (LDK), die zentristische Neue Kosovo Allianz (AKR), die liberal-konservative Liga von Dardanien (LDD) sowie die zentristische Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK). An der Spitze des Gerichtswesens steht der Oberste Gerichtshof. Daneben gibt es ein Verfassungsgericht.

Wirtschaft und Verkehr:

Die Wirtschaft des Kosovo ist nur wenig entwickelt. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt in Armut, fast die Hälfte ist von Arbeitslosigkeit betroffen. Der bedeutendste Wirtschaftszweig ist die intensiv betriebene Landwirtschaft in den fruchtbaren Becken (Anbau von Weizen, Mais, Wein und Obst); in den höheren Lagen überwiegt die Viehhaltung (vor allem Schafe). An Bodenschätzen gibt es Braunkohle sowie Chrom-, Blei- und Zinnkerze. Aufgrund der kaum entwickelten Industrie muss der Kosovo fast alle Verbrauchs- und Investitionsgüter importieren. Durch die gebirgige Landesnatur ist das Gebiet verkehrsmäßig unzureichend erschlossen.

Geschichte

Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. wurde das Gebiet von Illyrern besiedelt; Slawen wanderten seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. ein. Im 14. Jahrhundert war das Kosovo Teil des Großserbischen Reiches. 1389 wurde es dem Osmanischen Reich tributpflichtig, dem es 1469 ganz einverleibt wurde (bis 1912). Im 18. Jahrhundert kam es zu einer starken albanischen Zuwanderung. Seit 1918 (Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, des späteren Jugoslawiens) gehörte das Kosovo zu Serbien. 1945 wurde das Autonome Gebiet Kosovo und Metohija eingerichtet, das mit der Verfassung von 1963 den Status einer autonomen Provinz erhielt (seit 1968 mit der Bezeichnung Kosovo).

Nach dem Tode Josip Titos 1980 eskalierten die latenten Spannungen zwischen der benachteiligten albanischen Bevölkerungsmehrheit und der serbischen Minderheit. Es kam wiederholt zu Unruhen. Mit der neuen serbischen Verfassung von 1990 wurde der Autonomiestatus des Kosovo aufgehoben. In einem von den serbischen Behörden für illegal erklärten Referendum 1991 stimmte die Bevölkerung für die Souveränität des Gebiets. 1992 wurde Ibrahim Rugova , Führer der LDK, zum Präsidenten gewählt (erneut 1998).

In der Folgezeit verschärften sich die serbischen Repressionen. Militante albanische Kräfte gründeten als Reaktion darauf die UÇK (deutsch: Befreiungsarmee von Kosovo). 1998 eskalierten die Auseinandersetzungen zum offenen Konflikt. Jugoslawisch-serbische Einheiten gingen massiv gegen die UÇK sowie gegen die albanische Zivilbevölkerung vor. Hunderttausende Menschen flohen aus dem Krisengebiet.

Erst nach der Drohung mit einem Militäreinsatz der Nato stimmte das Belgrader Regime im Oktober 1998 einem Truppenrückzug sowie der Stationierung von OSZE -Beobachtern zu. Im Dezember 1998 flammten die Kämpfe jedoch wieder auf. Zur Lösung des Konflikts wurde im Februar 1999 eine Kosovo-Friedenskonferenz auf Schloss Rambouillet bei Paris anberaumt. Die in Rambouillet erarbeiteten Friedensvorschläge wurden von der Belgrader Führung nicht akzeptiert. Daraufhin begann die Nato im März 1999 einen Luftkrieg gegen Jugoslawien. Serbische Einheiten verschärften danach ihre Übergriffe gegen die albanische Zivilbevölkerung. Am 10. Juni 1999 stellte die Nato ihre Luftangriffe ein, nachdem sich die Belgrader Führung zum Abzug aller bewaffneten Kräfte aus dem Kosovo verpflichtet hatte.

Die noch am selben Tag verabschiedete Uno-Resolution 1244 übetrug die Verwaltungshoheit über den Kosovo auf die Vereinten Nationen. Die Uno-Mission für den Kosovo (UNMIK) übernahm zunächst die legislative, exekutive und judikative Gewalt in der Krisenregion. Eine internationale Friedenstruppe unter Führung der Nato (Kfor) bemühte sich um die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung. Die UÇK stimmte der Umwandlung in ein Kosovo-Schutzkorps zu.

Unter Führung von Rugova gewann die LDK die ersten freien Parlamentswahlen 2001. Das Parlament wählte ihn 2002 zum Republikpräsidenten. 2004 kam es zu schweren Ausschreitungen gegen die serbische Bevölkerung. Bei den Parlamentswahlen im selben Jahr, die von der serbischen Bevölkerung weitgehend boykottiert wurden, konnte die LDK ihren Wahlsieg von 2001 wiederholen. Nach schwerer Krankheit starb Rugova im Januar 2006. Fatmir Sejdiu wurde neuer Republikpräsident.

Im selben Jahr begannen in Wien Verhandlungen über den zukünftigen Status des Kosovo. 2007 legte der Uno-Sonderbeauftragte Martti Oiva Ahtisaari einen Vorschlag zur Lösung der Statusfrage vor (international überwachte Souveränität; Sonderrechte für die serbische Minderheit). Bei den Parlamentswahlen 2007, die wiederum von der serbischen Minderheit boykottiert wurden, siegte die von Hashim Thaçi geführte und aus der Rebellenbewegung UÇK hervorgegangene PDK. Thaçi bildete mit der LDK eine Regierung der großen Koalition. 2008 proklamierte Kosovo einseitig die staatliche Unabhängigkeit von Serbien. Am 15. Juni 2008 trat die neue Verfassung des Kosovo in Kraft.


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